Musik

Schwerpunktprojekt Interdiszplinäres Design/Informationsdesign, Sommersemester 2012, Prof. Sven Voelker

 

In diesem Semester geht es um eine der ältesten kulturell motivierten Ausdrucksformen des Menschen. Mit Sicherheit kann man sagen, dass unsere Vorfahren schon vor 35.000 Jahren auf kleinen Flöten spielten, die sie sich mühsam und liebevoll aus Knochen geschnitzt hatten. Aber wohl schon sehr viel früher sang, summte und trommelte der Mensch – allein und gemeinsam mit anderen seiner Art. Warum wir überhaupt zu Musikern wurden, werden wir vielleicht nie erfahren, was wir dagegen wissen: die Macht der Musik ist groß. Sie ist Inspiration und Impulsgeber, ein höchst effektiver Auslöser von Emotionen und kann, wie kaum etwas anderes bei uns Menschen Spannung und Entspannung produzieren. Musik ist seit jeher ein fester Bestandteil der unterschiedlichsten Rituale und Zeremonien, sie ist eng verbunden mit dem Tanz, der Poesie, der Bühne und dem Film. Und auch wenn wir seit gerade einmal 150 Jahren in der Lage sind Tonaufnahmen anzufertigen, spielt Musik doch in unserer Vorstellung von viel früheren Epochen eine wichtige Rolle: dem Barock, dem Mittelalter oder dem alten Rom. Heute steckt sie in fast allem, sie ist mit allem verknüpft und nicht selten der Beschleuniger für andere Künste und natürlich auch für den Kommerz. Musik steht oft am Anfang und im Mittelpunkt von Jugendkulturen, gesellschaftlichen Bewegungen und Trends. Zwar ist Musik eine eigenständige Kunstform, und natürlich könnte auch alles andere ebenso ohne die Musik funktionieren, aber was wäre das alles was wir haben, sind und tun schon ohne die Hinzugabe von Tönen, Schwingungen, Rhythmen, Harmonien oder Klängen.

Wir werden uns im Sommersemester 2012 mit der Musik und seinen Beziehungen zum Design und zur Kunst beschäftigen. Wir werden das Musizieren als Kulturtechnik in die Gestaltung einbeziehen und werden auch nicht davor halt machen selbst Musik herzustellen. Wiederkehrende Höhepunkte unseres wöchentlichen Arbeitsrhythmus sind unsere Lagerfeuer Konzerte am Rande des Hochschulcampus in Halle. Und vielleicht wird es dann sein wie schon vor vielen tausend Jahren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich an unserem Seminar zu beteiligen.
Alles findet in Raum 213 statt und in unseren temporären Atelierräumen im Kutscherhaus,
immer Dienstags und Mittwochs.

1. Ein Ort für Irgendetwas/A Place for Something

Freie Projekte zum Thema dieses Semesters. In einem konzentrierten Zustand zwischen dem Denken, Formulieren, Machen und Publizieren werden eigene Projekte hergestellt. Aus dem gemeinsamen Thema können die unterschiedlichsten Ansätze in verschiedenen Medien entwickelt werden. Alles ist erlaubt. Aus den Ideen entstehen Aktionen und diese werden dokumentiert.

2. Some Magazine, I Wish This Was A Song

Die neue Ausgabe von Some Magazine entsteht in Zusammenarbeit mit dem National Museum of Art, Architecture and Design in Oslo und wird ein Sonderheft zum Anlass einer von Stina Högkvist und Sabrina van der Ley kuratierten Ausstellung über Musik in der Kunst mit dem Titel "I Wish this was a Song". Die Ausstellung wird im September 2012 in Oslo eröffnet und ist im Sommer 2013 auch in der Kunsthalle Hamburg zu sehen. Wir werden das übliche Format des Ausstellungskataloges aufbrechen und durch die journalistischen Möglichkeiten unseres Magazins erweitern. Durch Reportagen, Interviews, Workshops und andere Magazinformate werden wir uns der Ausstellungsthematik und den Künstlern nähern und dem Ausstellungsbesucher einen ungewöhnlichen Blick auf das Thema bieten.

3. 13 – Ein Magazin zum Musical an der Oper Halle

Im Sommer 2012 bringt die Oper Halle in deutschsprachiger Erstaufführung das Musical „13" vom New Yorker Broadway auf die große Bühne des Opernhauses. Die Premiere von „13" ist am 7. Juli. Das Stück handelt von dem 12-jährigen Evan Goldman der nach der Scheidung seiner Eltern von New York in eine Kleinstadt in Indiana zieht. Es geht um die Suche nach Freunden und Liebe und ist eine Entdeckungsreise darüber, dass das 'Coole' oft dort ist, wo man es findet – und manchmal eben, wo man es am wenigsten erwartet. Wir werden dazu ein Magazin produzieren und sprechen mit den jungen Schauspielern und Sängern in Halle und New York über das Stück und ihr eigenes Leben, wir erzählen von der Produktion am Opernhaus und werden versuchen auch über das Stück hinaus das Thema Jugend ein wenig besser zu verstehen.

4. Some & Sons

Wir setzen die Publikationsreihe des Some & Sons Verlages fort. Mit Hilfe der Riso Druckmaschine – einer japanischen Mischung aus Kopierer und Siebdruck – werden wir neues in limitierten Auflagen herstellen. Die Projekte beschäftigen sich mit dem, was am Rande des künstlerischen Prozesses geschieht. Sie sind eine Mixtur aus Künstlerbuch und Journalismus und fördern Geschichten zutage, die in den üblichen Formaten keinen Raum finden würden. Neben den bereits begonnenen Publikationen mit Apparatjik, Liam GIllick, Rocko Schamoni und anderen werden in diesem Semester vor allem neue Kooperationen gestartet und natürlich wird sich alles um die Musik drehen.

5. Some Conference, Remix

Die Konferenz zwischen Kunst und Design geht in die zweite Runde. Am 1. Juni 2012 werden wir im Volkspark Halle etwa 500 Besucher erwarten und gemeinsam mit einem halben Dutzend Referenten einen Tag zum Thema "Remix" veranstalten. Vorhandenes nehmen und etwas Neues daraus entstehen lassen, beobachten, kopieren, transformieren und neu zusammenfügen: das interessiert uns. Wie immer ist der Eintritt für Besucher frei und das Konzept eher radikal als konventionell.