BURG und Oper Halle schließen Kooperation

Mit der Vereinbarung unterstreichen die beiden halleschen Kultureinrichtungen die Relevanz von spartenübergreifender Zusammenarbeit.

Raumbühne BABYLON der Oper Halle zur Inszenierung von Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“. Foto: Falk Wenzel

Am Donnerstag, 30. August 2018, unterzeichneten Prof. Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, und Florian Lutz, Intendant der Oper Halle, bei einem gemeinsamen Pressetermin eine Kooperationsvereinbarung. Beide Institutionen wollen so die langjährige Zusammenarbeit weiter forcieren. Künftig sollen verstärkt gemeinsame künstlerisch-gestalterische Forschungs- und Entwicklungsprojekte umgesetzt werden. Die traditionsreichen Kulturinstitutionen, die in Halle (Saale), aber jeweils auch weit darüber hinaus wirken, können auf diese Weise intensiv Fragen aus Theorie und Praxis ideal miteinander verbinden und für Publikum sowie Forschung und Lehre sichtbar machen. Die genaue Umsetzung der künftigen Zusammenarbeit wird derzeit mit der Planung verschiedener Projekte ausgestaltet.

Die Kooperationsvorstellung fand in der Oper Halle in der neuen Raumbühne BABYLON statt. Zum Auftakt wurde die aktuelle Zusammenarbeit im Rahmen von Florian Lutz‘ Inszenierung von Giuseppe Verdis Messa da Requiem vorgestellt. Für die Produktion, die am 14. September die Spielzeit 2018/19 eröffnen wird, gestalten momentan die Studierenden Achim Kolba, Alexandra Rupp und Tim Schuster des Studiengangs Multimedia|VR-Design der BURG eine 3D-Anwendung für Virtual-Reality-Brillen, die in der Aufführung am dramaturgischen Höhepunkt des Verdi-Requiems zum Einsatz kommen wird. Die postapokalyptische Bühneninstallation der Raumbühne BABYLON von Sebastian Hannak, die einer zerstörten Stadtlandschaft nachempfunden ist, erscheint in der VR-Brille und auf Projektionsflächen im alten Glanz. Ermöglicht wird ein interaktiver Blick in die Vergangenheit einer einst florierenden Metropole mit modernsten technischen Mitteln, mitten in Verdis monumentaler Totenmesse, aus völlig neuen Perspektiven mitten im Geschehen auf der Raumbühne. Es ist ein in Halle bisher einmaliger Versuch Theater und digitale Welten zusammenzubringen und mögliche zukünftige Erlebnisräume auszuloten.

Die 3D-Anwendung entstand eigens für die Produktion in Abstimmung mit dem Opernteam sowie unter Leitung von Prof. Anette Scholz (Professorin für Design digitaler Produkte) und Prof. Jonas Hansen (Professor für Design und Medientechnologie).

Ebenfalls vorgestellt wurde eine weitere aktuell anlaufende Kooperation mit der Klasse Zeitbasierte Künste von Prof. Michaela Schweiger: Begleitend zum zweijährigen, von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekt I like africa and africa likes me. I like europe and europe likes me. der Oper Halle entwickeln Studierende Arbeiten zu den Themen kultureller Aneignung und Überschreibung. Die Präsentation der Arbeiten ist für Januar 2019 in der Oper Halle geplant.

Während des Pressegesprächs wies Burg-Rektor Prof. Dieter Hofmann auf den hohen Stellenwert von Vernetzungen dieser Art hin: „Wir freuen uns sehr, durch die Vereinbarung mit der Oper Halle zu verstärken, was für uns als Kunsthochschule essentieller Teil unseres Arbeitens ist: Kooperationen wie diese ermöglichen uns und unseren Studierenden wie auch Partnern Wissenstransfer auf Augenhöhe sowie Experimente, die zugleich Praxisbezug haben. So können wir Lehre, Theorie und Anwendung sowie Kunst und Gestaltung optimal zusammenbringen.“

Die künstlerische Leitung der Oper Halle sieht in der gemeinsamen Kooperation Innovationspotentiale für das Theater: „Bildende Künste, Design sowie digitale Technik stehen in Wechselwirkung mit den darstellenden Künsten und führen einen fruchtbaren Dialog. Wir freuen uns mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle auf eine gemeinsame Denkfabrik, die interdisziplinär die Grenzen der Künste befragen und neue Potentiale für das Theater ausloten wird.“

Auch Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen Anhalt, freut sich über die Unterzeichnung der gemeinsamen Kooperation: „Die Partnerschaft der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle mit der Oper Halle ist für beide Seiten interessant und attraktiv. Für die Studierenden schafft die Kooperation einen wertvollen Erfahrungsraum – sie können sich hier kreativ und anspruchsvoll ausprobieren. Ich begrüße es ausdrücklich, dass die traditionsreichen Institutionen ihrer Zusammenarbeit jetzt ein langfristig verlässliches Format geben, und bin überzeugt, dass die Beteiligten die Kooperationsvereinbarung engagiert mit Leben erfüllen werden.“

Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Halle (Saale), betont zudem: „Halles vielfach ausgezeichnetes Opernhaus und die renommierte Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sind zwei Kultur-Leuchttürme unserer Stadt und arbeiten seit Langem immer wieder erfolgreich zusammen. Mit dem nun geschlossenen Kooperationsvertrag heben sie dieses Miteinander auf ein neues Niveau. Alle Seiten profitieren: die Opernmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die Studierenden der Burg – und schließlich auch die Zuschauerinnen und Zuschauer.“

Bereits in den vergangenen Jahren wirkten Lehrende und Studierende der Kunsthochschule in gemeinsamen Projekten mit der Oper Halle. So wurde im Studiengang Multimedia|VR-Design bereits für das 2017 inszenierte Musical Spring Awakening der Oper Halle die Bühnenanimation entwickelt. Im Sommersemester 2018 entstanden in einem Semesterprojekt von Prof. Vincenz Warnke und Johanna Richter im Studiengang Industriedesign Entwürfe für und über die Oper Halle: Es ging um Bühnenräume, Gestaltung im öffentlichen Raum und die szenische Verbindung von Kunst und Design. Und die Oper Halle wirkte unter anderem mit szenischen Beiträgen und überraschenden Momenten bei der feierlichen Eröffnung des Studienjahrs 2016/2017 der BURG mit.

Die Kulturinstitutionen
Die 1915 gegründete Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bietet mit ihren Fachbereichen Kunst und Design deutschlandweit ein unverwechselbares Profil mit exzellenten Ausbildungs- und Studienbedingungen an. Mit über 1.000 Studierenden zählt sie zu den größten Kunsthochschulen Deutschlands. Visionäres Denken und Gestalten werden in den über 20 Studienrichtungen ebenso gefördert wie die Entwicklung berufspraktischer Fähigkeiten. Die Hochschule verfügt über hervorragend ausgestattete Ateliers und Werkstätten und ist mit zahlreichen Forschungseinrichtungen, Institutionen und Unternehmen vernetzt. In den über 100 Jahren ihres Bestehens hat sich die BURG zu einer Kunsthochschule entwickelt, die das Spannungsfeld zwischen Praxis und Forschung auslotet. Gattungsübergreifend zu denken und zu arbeiten wird zudem bereits zu Beginn des Studiums durch eine breit angelegte Grundlagenausbildung forciert.

Die Oper Halle steht unter dem Leitungsteam Florian Lutz, Michael von zur Mühlen und Veit Güssow für ein Musiktheater am Puls der Zeit. Dabei setzt das Opernhaus auf ästhetische Zeitgenossenschaft, künstlerische Auseinandersetzung mit der (Stadt)Gesellschaft und gedankliche Interventionen. Im Spielplan zeigt sich dies in neuen Lesarten bekannter Repertoirestücke wie Fidelio, Aida oder Ariadne auf Naxos, aber auch in der Händelpflege im Rahmen der Händel-Festspiele sowie populären und anspruchsvollen Unterhaltungstiteln wie der Tango-Oper Maria de Buenos Aires oder dem Familienmusical Annie. In jeder Saison gibt es eine Uraufführung zeitgenössischer Musik; bisher haben Sarah Nemtsov und Johannes Kreidler Auftragswerke für die Oper Halle komponiert. In der aktuellen Spielzeit 2018/2019 erarbeitet Brigitta Muntendorf gemeinsam mit dem Schriftsteller Clemens Meyer eine Opernfassung seines Romans Im Stein. Die inhaltliche Neuausrichtung hat dem halleschen Opernhaus zahlreiche Würdigungen und nationale Aufmerksamkeit gebracht. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ nannte die Oper Halle im September 2017 „eines der aufregendsten Musiktheaterhäuser Deutschlands“. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Die deutsche Bühne“ ist das Haus für seine herausragende künstlerische Leistung „jenseits der Zentren“ gewürdigt worden und zählt damit neben der Oper Frankfurt zu den wichtigsten deutschen Opernhäusern. Darüber hinaus erhielt Sebastian Hannak für seine Raumbühne HETEROTOPIA an der Oper Halle den deutschen Theaterpreis DER FAUST 2017 in der Kategorie Bühnenbild.

Kooperationspartner: Oper Halle
Weitere Informationen: www.burg-halle.de und www.buehnen-halle.de