Bert Sander

Lehrbeauftragter für Philosophie
Campus Design, Villa-Anbau
T 0341 4415722,

Vita

Geboren 1960 in Rostock. 1984 bis 1989 Studium der Philosophie und Sonderstudium der Germanistik in Leipzig; 1985 Gründung der unabhängigen Philosophiezeitschrift SEMINARUM (Samisdat); 1989 bis 1992 Forschungsstudium; von 1993 bis 2005 Sachbuchlektor beim Reclam Verlag Leipzig; seit 2005 freier Sachbuchredakteur für Reclam in Stuttgart und den Klett-Verlag; seit 1992 Lehrbeauftragter für Philosophie an der Kunsthochschule Halle Burg-Giebichenstein; ab 1998 Lehraufträge für Philosophie an der Universität Potsdam und der Universität Leipzig (Fachbereich Buchwissenschaften); freier Journalist u.a. für mdr-kultur (u.a. Beitragsserie „Kleine Schule der Lebenskunst“); von 2009 bis 2014 Leipziger Stadtrat und seit 2005 Chefredakteur der LEIPZIGER BLÄTTER (Zeitschrift u.a. für Stadtgeschichte, Architektur und Denkmalpflege).

Neben Beiträgen in Anthologien, Zeitschriften und im Radio folgende Buchpublikationen: Hrsg.: Manfred Frank, Conditio moderna, Reclam Leipzig 1993; (zusammen mit Jutta Grützmacher) Literarische Grundbegriffe, Ernst Klett Verlag 2007; J. W. v. Goethe, Die Leiden des jungen Werthers (Erstfassung von 1774), hrsg. und kommentiert, Ernst Klett Verlag 2008; Hrsg. und Mitautor: Leipzig. Fotografie seit 1839 (Ausstellung und Katalogbuch), Passage Verlag Leipzig 2011; Hrsg.: Marx zum Vergnügen, Reclam Stuttgart 2013.

Lehrinhalte

Die sich über zwei Semester erstreckenden Philosophie-Vorlesungen eröffnen einen ersten Zugang zu den theoretischen Grundlagen der Fächer, die weitestgehend dem Bereich der Ästhetik zuzurechnen sind.

Das Studium der Philosophie verlang/bedeutet – wie u. a. Hegel betont –das Studium der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie hat wie keine andere Wissenschaft sonst ein geradezu angeborenes, genuines Interesse an ihrer eigenen Geschichte.

Die Geschichte der Philosophie stellt keine Ansammlung von Antiquitäten dar; sie bewahrt die dauernden, unabgegoltenen Dramen des Denkens (man darf durchaus von „Mustern“ sprechen), die im Grunde doch immer dieselben sind, sich wiederholen – jedoch nicht eins zu eins, sondern immer wieder auch neu, unter veränderten Umständen, vor einem anderen Horizont.

Vorrangiger Gegenstand der Vorlesungen sind die Systematischen Philosophien. Systematische Philosophie weist ihre Voraussetzungen aus und begründet sie, sie setzt/oktroyiert nicht vermeintliche Wahrheiten, sondern leitet her, bestimmt also verantwortungsvoll, unter welchen Prämissen/Axiomen sie Gültigkeit beansprucht. Die Auseinandersetzungen mit philosophischen Systemen steht daher grundsätzlich unter dem Anspruch: Kritik bedeutet/verlangt/ist Analyse.

Die in den Vorlesungen „vorgelebte“ Form der sog. „immanenten Kritik“ (Hegel) verbindet Kritik und Analyse insofern, als sie die eigentliche „Springquelle“, den historischen und logischen Kern (wenn man so will „des Pudels Kern“) der jeweiligen Philosophie aufdeckt.

Inhaltlich schlagen die Vorlesungen einen weiten Bogen von der antiken griechischen Philosophie (Vorsokratiker oder Vom Mythos zum Logos; Der Pfeil ruht seinem Ziel entgegen oder Die erste Fundamentalkrise der Wissenschaft; Atomismus, Sophismus und die Sokratische Wende; Nacharistotelische Philosophie, Hedonismus, Antihedonismus; Plotin, der erste Christ) über die philosophische Theologie des Mittelalters (Patristik und Scholastik; Zum Verhältnis von Philosophie und Theologie oder Muss ich glauben, um wissen zu können, oder muss ich wissen, um glauben zu können; Der Dialektiker Johannes Duns Scotus oder Die Vernunft als Ebenbildes Gottes in uns; Der Antidialektiker Petrus Damiani oder Gegen die Himmelsklügler; Nominalisten versus Anselm von Canterbury und die Universalisten) bis zur Renaissance-Philosophie (Cusanus und Bruno oder Das Problem mit der Unendlichkeit; Erasmus von Rotterdam oder Das Lob der Dummheit) und der Philosophie der Neuzeit (Empirismus [Bacon, Locke, Hume, Berkeley]; Rationalismus [Descartes, Spinoza, Leibniz]; Kants Kopernikanische Wende; Nachmetaphysische Philosophien [Kierkegaard, Schopenhauer, Nietzsche]; Die Scheinprobleme der Philosophie. Der Wiener Kreis und Ludwig Wittgenstein; Krise der Physik [Einstein, Heisenberg, Gödel]; Deutscher und Französischer Existenzialismus [Heidegger, Jaspers, Camus]; Moderne [Benjamin, Kracauer, Adorno, Habermas]; Postmoderne [Lyotard und die Pluralisierung der Wahrheit; Foucaults Archäologie]).

Grob übergreifend lassen sich alle Etappen wie folgt zusammenfassen: Die Frage nach dem tugendhaften, glücklichen Leben durchzieht die antike griechische Philosophie; die philosophische Theologie des Mittelalters richtet alles aus auf ein Streben nach Gott aus, Schlussstein der Philosophie der Neuzeit ist der Begriff der Freiheit – alle Epochen allerdings eint – mit Kant ausgedrückt – die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von zuverlässiger, allgemeingültiger Erkenntnis und gelingendem, vernünftigem Leben.

Literaturhinweise zu bestimmten Themen werden zu Seminarbeginn bzw. im Verlauf der Veranstaltung angegeben.