Paul Saynisch erhält den Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse Halle 2016

Paul Saynisch, Diplomabsolvent der BURG der Studienrichtung Grafik, erhält in diesem Jahr den mit 2.500 Euro dotierten Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse Halle. Anerkennungen erhalten Kayoko Tomita (Zeitbasierte Künste), Gesine Welling (Bildhauerei/Metall) und Ulrike Zabel (Grafik).

Der mit 2.500 Euro dotierte Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse 2016 geht an Paul Saynisch, Absolvent der Studienrichtung Grafik, für seine Arbeit „Und es schält sich ein König aus dem laublosen Fleisch“. Foto: Matthias Ritzmann

2016 wird der Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse bereits zum zehnten Mal vergeben. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird für das beste Diplom im Fachbereich Kunst der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle durch eine Fachjury prämiert. Die Verleihung fand am Freitag, 15. Juli 2016, im Rahmen der Eröffnung der Jahresausstellung der BURG im Volkspark Halle statt.

Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse 2016

Den diesjährigen Preis der Stiftung der Saalesparkasse erhält Paul Saynisch, Burg-Diplomabsolvent der Studienrichtung Grafik (betreut von Prof. Thomas Rug) für seine Arbeit „Und es schält sich ein König aus dem laublosen Fleisch“.

Die raumgreifende Installation von Paul Saynisch verwirrt: Das Licht der Neonröhren flackert schnell, die Fenster sind mit einer Schicht weißer Farbe überzogen, die Tür ist gepolstert. Auf dem Boden ist billiger Teppich ausgelegt, vom Künstler mit farbiger Kreide beschrieben. Reste der Kreide liegen noch herum. Die sorgsam gerahmten Grafiken hängen nicht an der Wand, sondern lehnen an ihr, auf dem Boden abgestellt. Ein Rahmen ist umgefallen. In der Mitte des Raumes befindet sich ein Sockel mit einer seltsam anmutenden Plastik, ein gewissermaßen im Laufen gebärendes Schwein mit Reiter. Das Flackern der Neonröhren macht nervös. Was ist hier eigentlich los? Was gehört zur Ausstellung, was nicht? Ist die Zigarettenschachtel auf dem Fußboden absichtsvoll platziert?
Preisträger Paul Saynisch zeigt mit dieser Installation sein Können, er präsentiert Plastiken und Grafiken, stellt aber gleichzeitig alles in Frage. Er offenbart sich, den Arbeitsprozess und seine Reflexion der Ausstellungssituation. Er arbeitet gegen den Raum — und bezieht dabei alle Aspekte des Raumes ein. So entsteht ein neuer Raum, der Brechungen und Widerstand beinhaltet und der die Ausstellungssituation selbst thematisiert. Dies hat die Jury überzeugt. Der Raum als Ganzes enttäuscht und verstört den Betrachtenden in seiner Hässlichkeit und klaustrophobischen Vereinnahmung, gleichzeitig fasziniert die Unmittelbarkeit und Radikalität.

Anerkennungen

Die Jury vergibt eine Anerkennung an Kayoko Tomita aus dem Fachgebiet Zeitbasierte Künste (betreut von Prof. Michaela Schweiger) für ihre Arbeit „Mimetische Ausdrücke von Fragmenten“. Kayoko Tomita hat auf Grundlage nicht konkret benennbarer Phänomene Animationen erstellt. Im Anschluss befragte sie Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen, was diese beim Anblick der bewegten Zeichnungen empfinden, was sie sehen, wie es sich in Lauten ausdrücken ließe. Das Ergebnis dieser Recherche wurde in Form einer poetisch anmutenden Videoinstallation umgesetzt, bei der die Lautmalereien in Beziehung zum Ausgangsmaterial gesetzt werden. Die Jury war von dieser Installation fasziniert, in der Uneindeutigkeit von Sprache, Nicht-Verstehen und unterschiedliche Modi der Kommunikation thematisiert werden.

Gesine Welling aus dem Fachgebiet Bildhauerei/Metall (betreut von Prof. Andrea Zaumseil) erhält eine Anerkennung für ihre Arbeit „Auf der anderen Seite“. Überlebensgroße Figuren aus unterschiedlichen Materialien sind in einer Gruppe im Raum angeordnet. Der Betrachtende begibt sich zwischen sie, bewegt sich durch die Gruppe hindurch, stellt sich mitten in die Installation hinein. Die Figuren bilden ein starkes Gegenüber, sie berühren durch ihre Größe und ihre Gestik, ihre körperliche Präsenz. Die Jury war vor allem von der Möglichkeit überzeugt, sich als Rezipient in ein direktes Verhältnis zu diesen Figuren zu setzen, sich durch die wohl überlegte Installation im Raum ihrer Wirkung kaum entziehen zu können.

Eine weitere Anerkennung erhält Ulrike Zabel der Studienrichtung Grafik (betreut von Prof. Thomas Rug). Ihre Arbeit mit dem Titel „Tiefenlinien, Höhenlinien“ umfasst Zeichnungen, die durch Feinsinnigkeit und Ideenreichtum bestechen. Sie sind mit Buntstift oder Bleistift auf Papier gezeichnet, präzise Strich an Strich gesetzt, jedoch immer wieder neue Darstellungen im Prozess entwickelnd. Linien und Striche werden zu Formen und Flächen. Diese wirken mitunter wie Strukturen aus der Natur, moosartig, verflochten, erinnern an Landschaften, dann erscheinen sie wieder wie Perlenketten oder Darstellungen chemischer Elemente. Zartheit und gleichzeitige Bestimmtheit sowie die hohe zeichnerische Qualität haben die Jury überzeugt.

Fachjury

Die Ausgezeichneten wurden dieses Jahr aus 30 Diplomarbeiten ausgewählt. Die fünfköpfige Jury konnte aus einer Fülle sehr unterschiedlicher Arbeitsansätze schöpfen, entsprechend der Ausrichtung der Fachgebiete an der BURG. Die an unterschiedlichen Standorten während der Jahresausstellung präsentierten Werke zeichnen sich durchweg durch eine hohe künstlerische Qualität aus.

Die diesjährige Fachjury bestand aus folgenden Mitgliedern:

  • Thomas Bauer-Friedrich, Direktor, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
  • Dr. Marc Wellmann, Künstlerischer Leiter, Haus am Lützowplatz, Berlin
  • Jan-Hinrich Suhr, Mitglied des Vorstands der Stiftung der Saalesparkasse, Halle
  • Prof. Dieter Hofmann, Rektor, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Prof. Dr. Sara Burkhardt, Prorektorin und Professorin für Didaktik der bildenden Kunst, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Vorsitzende der Jury