Mit der Mappe unter'm Arm

Vom 28. März bis zum 2. April findet an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle die Eignungsprüfung statt. Wer sie besteht, könnte ein „Jahrhundertabsolvent“ werden.

 

Die Mappen stapeln sich bereits im Raum 102 in der Villa am Campus Design. Es ist Montag, der 28. März, kurz vor neun Uhr. Seit knapp zwei Stunden können die Bewerber für ein Bachelor-Studium im Fachbereich Design ihre Mappen zur Begutachtung abgeben. Die aufgeregten jungen Frauen und Männer gehören zur ersten Hälfte der Bewerber um ein Kunst- oder Design-Studium an der Hochschule. Der zweite Durchgang beginnt am Donnerstag.

Nachdem sie ihre Mappen abgegeben haben, schlendern viele über das Campus-Gelände. Manche sind allein gekommen, einige haben Freund, Freundin oder ihre Eltern dabei. Um 9.15 Uhr beginnt die offizielle Begrüßung im goldenen Anbau der Villa. Der Hörsaal ist bereits bis oben hin gefüllt, als Professor Frithjof Meinel vor das Auditorium tritt. Nach ein paar einleitenden Sätzen verdeutlicht der Dekan des Fachbereichs Design die „historische“ Situation der Bewerber: Wer die Eignungsprüfung besteht und zum vierjährigen Bachelorstudium zugelassen wird, der könnte im Jubiläumsjahr 2015 sein Abschlusszeugnis in den Händen halten. Dann feiert die Kunsthochschule Halle nämlich ihren 100. Geburtstag und ist somit heute auf der Suche nach den „Jahrhundertabsolventen“ . Doch bis die gefunden sind, ist es noch ein anstrengender Weg. Viele Aufgaben warten auf die Bewerber. 

Noch während der Dekan spricht, werden im Raum 102 die Mappen im Akkord gesichtet. An fünf Tischen stehen Professoren und Mitarbeiter und bewerten eine nach der anderen. Zehn Punkte kann man maximal bekommen, ein Wert, den kaum jemand erreicht. Die Auslese ist hart an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Im Bereich Modedesign zum Beispiel haben sich mehr als 200 junge Leute beworben, maximal zehn werden genommen. Wer das sein wird, entscheidet nicht allein die Mappe.

Als die Begrüßung im Hörsaal zu Ende ist, strömen alle zu ihre Arbeitsplätzen. Die Studiengänge haben nicht alle das gleiche Auswahlverfahren. Bei den meisten jedoch muss jetzt nach Modell gezeichnet werden. Auch hier gibt es, wie bei allen Prüfungen, maximal zehn Punkte. Nur das Auswahlgespräch am zweiten Tag zählt doppelt. Dort geht es dann vor allem um die Zukunftspläne der Bewerber. Einige von ihnen können mit einer Zulassung zum Studium rechnen und damit ihren Abschluss als „Jahrhundertabsolvent“ machen.

Julius Lukas, 30. März 2011