1910 wurde Dorfner von Henry van de Velde als Lehrer für Bucheinband an die Sächsische Kunstgewerbeschule nach Weimar berufen und führte die Abteilung nach Gründung des Bauhauses weiter, bis er 1922 wegen Nichtübereinstimmung mit den Ideen des Bauhauses ausschied. Danach gründete er in seinem Weimaer Wohnhaus Erfurter Straße eine eigene Werkstatt und Fachschule für kunstgewerbliche Buchbinderei, in der unter vier politischen Systemen ohne Unterbrechung gearbeitet wurde. Nach dem II. Weltkrieg bis zu seinem Tod 1955 schuf Otto Dorfner überwiegend Einbände zu Goethes »Faust«. Kurz zuvor wurde die Werkstatt verstaatlicht und arbeitete für verschiedene Institutionen und Verlage der DDR. Seit 1978 konnte sie für die Ausbildung der Studenten des Fachbereichs Buchkunst der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein in Halle für den buchbinderischen Grundlagenunterricht zur Verfügung gestellt werden. Dank der Pflege und Bewahrung des Erbes der Otto Dorfner Werkstatt in den letzten 40 Jahren, u.a. durch die jetzige Leiterin Ria Radicke, können die Studenten noch heute und auch in Zukunft die Maschinen und Materialien aus fast 70 Jahrzehnten nutzen. Durch die Auseinandersetzung mit der Tradition ist eine Grundlage geschaffen, um die Buchform und Gestalt weiter zu entwickeln, zu experimentieren und einen künstlerischen Zusammenhang aller Elemente des Buches zu erarbeiten.
Prof. Sabine Golde, Buchkunst, Burg Giebichenstein






