Workshop und Wettbewerb vom 9. – 13. Januar 2012
1. Preis: Robert Filipski
„Robert Filipski schlägt die Schichtung mehrer textiler Gewebe vor der Fassade vor. Diese sind auf separate Rahmen fixiert und können bei Bedarf (Sonnenschutz) einzeln oder in mehreren Schichten vor die Fassadenöffnungen geschoben werden. Die Bespannungen besitzen unterschiedliche Strukturen bzw. Materialität und ergeben durch die Überlagerung eigenständige Bilder. Das Konzept überzeugt aus zwei Gründen: Die Kombination mehrerer übereinander gelagerter unterschiedlicher textiler Strukturen in Verbindung mit unterschiedlichen Öffnungs‐ bzw. Verschlusszuständen in Abhängigkeit der individuellen Steuerung durch die Nutzer der einzelnen Räume lässt ein sehr lebendiges Fassadenbild entstehen. Die Anlage mehrer Schichten ermöglicht es der Textilmanufaktur, ihr breites Spektrum an textilen Angeboten wirksam über die Fassade zu präsentieren. Durch die Schichtung entstehen interessante Überlagerungen. Die Jury hat den Entwurf auf Grund des überzeugenden Konzeptes mit dem 1. Preis bedacht. In einer nächsten Stufe wären die technische Realisierbarkeit, insbesondere in Bezug auf die mechanische Umsetzung der übereinander gelagerten Schiebeelemente, zu betrachten, insbesondere mit Blick auf eine wirtschaftliche Umsetzung.“
Thomas Dietzsch, Architekt und Mitglied der Jury
2. Preis: Niels Werner Hersmann
„Der Entwurf von Niels Werner Hersmann hat die Jury mit seiner Idee, die textile Fläche in die dritte Dimension zu bringen, überzeugt. Die plastisch gestalteten Verschattungselemente, die aus dicken und organisch geformten farbigen Gewebebändern konstruiert sind und unterschiedliche Farbakzente in der textilen Haut setzen, verleiht der Fassade einen besonderen, sehr ausdrucksvollen Charakter und schützt effektiv von der Sonne. Außerdem, kann das flexible System in das vorhandene verschiebbare Rahmensystem der Fassade des Neubaus gut integriert werden: spannend, textil, einzigartig, künstlerisch und realisierbar!“
Zane Berzina, Professorin für Textil‐ und Flächendesign, Berlin Weißensee und Mitglied der Jury
3. Preis: Yan Xiao
„Der Entwurf spielt mit der klassischen Form der Raute, die sich beim Öffnen symbolhaft in zwei Pfeile zerlegt. Somit wird eine geometrische Ordnung in eine andere überführt. Wenn man dieses Prinzip als Gestaltungselement für die zu entwickelnden Verschattungselemente anwendet, entsteht auf sehr einfache Weise ein spannendes und sich ständig veränderndes Fassadenbild. Und dies durch die Anwendung von sehr einfachen Mitteln, dem geometrischen Spiel von Formen. Diese Einfachheit wird auch in die Konstruktion, der der Verschattung
dienenden Rahmenelemente übertragen. Zu klären wäre, wie sich das Erscheinungsbild zeigt, wenn die Elemente nur zum Teil bzw. nur teilweise geöffnet oder geschlossen sind. Zumindest ergibt sich der homogene Vorhang dann nicht so konsequent. Die Jury entschied sich für eine Preiswürdigkeit des Entwurfs.“
Wolfgang Stockert, Kanzler der Hochschule und Mitglied der Jury
Sonderpreis Vision: Soo Youn Kim
„Der Wettbewerbs‐Entwurf von Soo Yun Kim aus dem Fachbereich Malerei/ Textile Künste hat die Jury für den Sonderpreis überzeugt: Ein traditionelles geometrisches Motiv aus der Textilgeschichte dient als Vorlage für ein Gewebe. Positiv wurde bewertet, dass Architektur und Gewebe eine enge gestalterische Verbindung eingehen. Neben dem über die gesamte Südfassade gespannten Gewebe betont die Preisträgerin zusätzlich mit einer textilen Ornamentik die
Faltungskante der typischen Gebäudearchitektur. Bei Bewegung der textilen Fassadenelemente zum optimalen Verschatten der dahinter liegende Räume entsteht zusätzlich eine Verdichtung und farbige Betonung der Ornamentik ‐ insgesamt eine gelungen künstlerische Aussage, die eines der Urmotive in der textilen Tradition ins Spiel bringt.“
Dagmar Varady, Künstlerin und Mitglied der Jury
Sonderpreis Extra: Maika Fleischer
„Maika Fleischer stellt drei Arbeiten vor: Das goldene Webschiffchen und der blaue Faden im Betongewebe, Die Stecknadel im Betongewebe und Gras‐ und Weideflächen mit einer Herde von Schafen als textile Quelle Ein Wettbewerb baut sich stets auf einer Erwartung auf, von der der Auslober hofft , dass mit einer genialen Idee oder einer pfiffigen Strategie von einem Beitrag optimal erfüllt wird. Doch manchmal kommt es vor, dass die Beschäftigung mit einer Problemstellung zu einer Inspiration führt, die eine vollkommen andere Intervention verlangt. Im Angesicht des beinahe vollendeten Gebäudes war es Maika Ludwig Fleischer offensichtlich wichtiger, dessen Fassade in einen poetischen Kontext zu stellen, anstatt die Sonne von den Innenräumen abzuhalten. Dies gelingt ihr gleich mit drei Bildideen, die in freundlicher Ironie,
mal Wortbedeutungen erklären (Weberschiffchen), mal die Pop‐Art ins Feld führen (Claes Oldenburg) und am Ende auch noch dem eigentlichen Wolllieferanten (Schafe) das Primat gegenüber den parkenden Autos einräumen. Eindrücklich zeigt sich, wie kraft voll es die bildende Kunst vermag, einen bestimmten Ort, seine Bedeutung und nicht zuletzt seine Nutzungsintension treffend zu kommentieren!“
Axel Müller‐Schöll, Architekt, Rektor der Hochschule und Mitglied der Jury










