Kinder- und Jugendpsychiatrie und Sozialpädiatrisches Zentum

Künstlerische Gestaltung des Kinderzentrums im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle

 

Armin Scharf:  Ganz nüchtern betrachtet sind Krankhäuser hoch spezialisierte Funktionsbauten. Doch wer so denkt, vergisst den Patienten mit seinen Bedürfnissen nach Geborgenheit, Sicherheit und Autonomie. Genesung aber geht nur dann voran, wenn das Umfeld motivierend und stimulierend einwirkt – ein Plädoyer für mehr Farbästethik im Gesundheitsbereich. Dass ein positives Umfeld die Genesung unterstützt, wird von Medizinern heute kaum noch bestritten. Diese Erkenntnis findet auch Einzug in die Ausgestaltung von Arztpraxen, Gemeinschaftspraxen, therapeutischen Einrichtungen und Kliniken. Insbesondere niedergelassene Ärzte erkennen die akzeptanzsteigernde Wirkung eines ansprechenden Interieurdesigns auf die Patienten und investieren in teilweise avantgardistische Raumkonzepte. Auf diese Weise kann sich der Mediziner trotz Werbeverbots klar am Gesundheitsmarkt positionieren – und sich vom Kollegen mit vergleichbaren Leistungen differenzieren. Besonders in den Metropolen manifestiert sich diese, in anderen Branchen längst selbstverständliche, Strategie. Farben, Materialien, Oberflächen und Licht unterstützen die atmosphärische Modulation der räumlichen Strukturen. Farbkompositionen, immer im Zusammenspiel mit den Oberflächenstrukturen und der Beleuchtung, schaffen den Rahmen, der bereits unterschwellig Ängste abbaut, entspannend wirkt und den Patienten emotional anspricht. Ganz im Gegensatz zu den traditionellen Weiß-Monotonien, die zwar Reinheit und Hygiene signalisieren, aber in ihrer Absolutheit abweisend, emotionslos, steril und unnahbar anmuten. Die Zeiten, in denen medizinische Räume neutrale Räume sein und bewusst keine Ansatzpunkte bieten sollten zur individuellen Aneignung durch die temporären Benutzer, sind vorbei. Ein Umfeld, das Vertrauen, Geborgenheit, atmosphärische Stimulanz und gleichzeitig Orientierung bietet, ist besonders in Krankenhäusern von Bedeutung – befindet sich der Patient doch hier i einer Art Ausnahmezustand. Schließlich steht er einer ihm unbekannten Institution gegenüber, die extrem stark in seine Autonomie, ja in seine körperliche und psychische Präsenz eingreift. Hilflosigkeit, Unsicherheit, ja Angst vor dem Unbekannten sind die Folge – Begleiterscheinungen, die nicht unbedingt förderlich für den Heilungsprozess sind. Denn genauso wie Farbe stimuliert, kann sie auch polarisieren – vor allem dann, wenn sie vordergründig plakativ auftritt. Ein klares Konzept ist also unabdingbar – und wird von den Menschen wahrgenommen. Konzepte bringen Stabilität und Sicherheit – genau das also, was die Farbe in Kliniken vermitteln will. Raumgestaltung, insbesondere die mit Farbe, steigert die Aufenthaltsqualität – in den Patientenzimmern, in den Fluren und in den Behandlungszonen. Bereits die Patientenaufnahme im ansprechenden Ambiente trägt zur Entspannung wesentlich bei. Da sich die Kliniklandschaft derzeit in einer Umbruchphase befindet, geprägt von Modernisierung, Rationalisierung und Differenzierung, aber auch Zentralisierung, stehen die Chancen für mehr Gestaltungsqualität gut. Die Farbe darf jedoch dabei nicht Beiwerk sein, das eher zufällig als gezielt Eingang findet. Farbe, will sie ihr epositive Wirkung entfalten, ist integraler Bestandteil aller Raumgestaltung – Farbe in Form von Beschichtungen, von materialien, Möblierungen oder Bodenbeschichtungen. Dafür bedarf es letztlich professioneller Gestalter, die gezielt Konzepte entwickeln können, frei von subjektiven Vorlieben und auf breite Akzeptanz bauend.