Textile Künste

Studienrichtung Textile Künste des Diplom-Studiengangs Malerei/Grafik

Lehrkonzept
Das Studium in der Fachklasse Malerei / Textile Künste umfasst 10 Semester. Im Grundlagenstudium steht die Ausbildung der individuellen gestalterischen, handwerklich-technologischen Fähigkeiten, die Aneignung von theoretischem Wissen und somit die Suche und Entwicklung eigener Ausdrucksformen und deren Reflexion im Vordergrund. Das Fachstudium bietet Raum für umfangreiche Untersuchungen, freies individuelles Arbeiten und Experimentieren im Atelier sowie den Werkstätten und die Teilnahme an umfangreichen, oft auch architekturbezogenen Kunstprojekten. Gruppenprojekte und die Zusammenarbeit mit den anderen Fachgebieten sind wünschenswert und werden gefördert.

Unser Lehrangebot besteht aus drei sich ergänzenden Teilen oder auch Spezialisierungen. Neben den Textilen Künsten sind es die Malerei und die baugebundene Kunst, welche die gewollte Einheit in Vielfalt bilden und unseren Kunstbegriff immer wieder neu öffnen und erweitern. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem architektonischen Raum und dessen Wirkung auf den Menschen ist für alle drei Disziplinen zentraler und verbindender Aspekt. Die Wahl der künstlerischen Mittel ist prinzipiell freigestellt, folgt der Idee die Gestalt annehmen soll und basiert letztendlich auf den erworbenen Fähigkeiten. Grundsätzlich geht es um die freie Entwicklung und Entfaltung der künstlerischen Fähigkeiten der einzelnen Studierenden. Anliegen ist die Schaffung des dafür notwendigen Freiraums auch über das Studium hinaus.

Ein wichtiger Ausgangspunkt des Studiums in unserer Fachklasse ist die experimentelle Auseinandersetzung mit textilen Techniken und Materialien und dabei das Erfahren der Potentiale und Grenzen des Textilen als Medium für die künstlerische Umsetzung von Ideen und Konzepten. Ein Aspekt der Lehre und Forschung ist hier insbesondere die Vermittlung der Technik des Gobelinentwurfs, verbunden mit der inhaltlich-formalen Auseinandersetzung mit dem historischen Bildteppich/Gobelin als eigenständige Schöpfung der europäischen Kulturgeschichte. Die Erarbeitung der zum Verständnis dieses speziellen Metiers notwendigen handwerklich-technologischen Kenntnisse und Fertigkeiten sind Teil des fachspezifischen Grundlagenstudiums. Ein weiterer grundlegender Aspekt ist die Kultivierung der digital gesteuerten Jacquardweberei als bildgebendes Medium. Zum einen untersuchen wir die Potenz dieser Technologie für die Entwicklung künstlerischer Ausdrucksformen. Dabei ist die Untersuchung der sozio-kulturellen Bedeutung von technischen Bildern ein grundlegender Aspekt des Entstehungsprozesses textiler Bildwelten. Andererseits steht das Thema des textilen Raumes, die experimentelle Suche und Entwicklung neuer Konstruktionsprinzipien aus dieser Technologie heraus und somit die Suche nach neuen Materialien für den Einsatz in der Architektur im Mittelpunkt unserer Forschung. Ausgangspunkt ist hier das freie Experiment. Funktionale, Formale und ästhetische Aspekte finden ihre Formulierung im Verlauf der Untersuchungen. Weitere fachspezifische Techniken wie Siebdruck, Stickerei, Knüpftechnik, Tufting und Papierschöpfen können in Zusammenarbeit mit den hochschuleigenen Werkstätten und in der Staatlichen Textil-und Gobelinmanufaktur erlernt und erprobt werden.

Die Malerei ist für uns unverzichtbarer Katalysator für die Entwicklung der eigenen künstlerischen Sprache im Umgang mit Farbe und Raum, so wie der Annäherung an die Form. Im direkten Gegenüber von Künstler und Leinwand ermöglicht sie die elementare Erfahrung unmittelbar aus sich selbst heraus zu schöpfen. Die Malerei eröffnet mit ihren auch spontanen, intuitiven und emotionalen Möglichkeiten ein produktives wie kreatives Spannungsfeld zu den textilen und baubezogenen Techniken, die im Unterschied zu ihr unabdingbar mit umfangreicher Planungsarbeit verbunden sind und wirkt damit als deren Korrektiv. Zwischen der Textilen Wand, der Tapisserie, der Gobelin-Serie, der Tapete und der Wandmalerei nimmt die Malerei auf mobilen Trägern eine transformative Position ein. Wir interpretieren den Begriff Malerei ausgehend von einer ihrer historischen Wurzeln – der Tüchleinmalerei, einer meist großformatigen Leinwand-Malerei mit wässrigen Farben, die auf dem Boden entstand; die schon allein wegen ihrer riesigen Formate ohne Keilrahmen auskommen musste; nicht selten den teuren Gobelin ersetzen sollte und mit so genannten „Hungertüchern“  oder spätantiken, bemalten Behängen äußerst attraktive Exemplare hinterlassen hat, deren Zuordnung sowohl zu den Textilen Künsten wie zur Malerei gleichermaßen möglich ist. Formen dieser Malerei nähern sich dem Karton, wie er für die Gobelinwirkerei, die Glasfenster- oder Mosaikenproduktion unerlässlich ist oder auch dem Theaterprospekt an, also definitiv raumbezogenen bzw. raumbestimmenden Gattungen. Aus dieser historisch gegebenen Perspektive verschwimmt die Grenze zwischen Malerei und Tapisserie auf wohltuend leichte Weise. Die Gobelinwirkerei wird als malerische Variante, die Wandmalerei als gemalte Tapete fassbar, und die Textile Wand - oder einfach die Bildwand - kann zum eigentlichen Thema werden.

Das Erlangen der Fähigkeiten und theoretischen Kenntnisse zur künstlerischen Auseinandersetzung mit architektonischem Raum und dessen Wirkung auf den Menschen darin, stellt einen wichtigen Aspekt der Entwicklung einer die Gesellschaft analysierenden und in ihr wirkenden Künstlerpersönlichkeit dar. Im Rahmen von Drittmittelprojekten im Kontext öffentlicher Bauvorhaben erhalten die Studierenden Einblicke in die Entstehung architektonischen Raums von der Planung bis zur Fertigstellung und dessen Nutzung, um Möglichkeiten künstlerischer Beeinflussung zu verstehen. Hier geht es um die Frage, welchen Beitrag der Künstler im Spannungsfeld Architektur, Kunst, Arbeitswelt, Freizeit, Individuum leisten kann. In dieser Auseinandersetzung mit der Gesellschaft geht es nicht ausschließlich um Interventionen, sondern vor allem um das partnerschaftliche Zusammenarbeiten aller Disziplinen und aller Beteiligten.

Kommunikation: Einzelkonsultationen sind die in der Fachklasse übliche Kommunikationsform zwischen Studierenden und Lehrenden. Darüber hinaus haben sich kollektive Präsentationen, gemeinsame Themenabende im Atelier und vor allem die Arbeit an gemeinsamen Projekten bewährt. Die täglichen Gespräche im Atelier klären mitunter offengebliebene Fragen.

Voraussetzungen

Allgemeine Hochschulreife und künstlerische Eignung. Keine fachspezifischen technisch-handwerklichen Vorkenntnisse gefordert. Ausnahmefälle: Bei überragender Begabung in Verbindung mit beruflicher Erfahrung kann auf die allgemeine Hochschulreife verzichtet werden.

Abschluss

Diplom für Bildende Künste

Studienbeginn

Wintersemester, Studienanfänger: 2-6

Regelstudienzeit

Grundstudium: 4 Semester
Hauptstudium: 6 Semester einschließlich Diplomarbeit
Diplomarbeit: schriftliche und praktische Arbeit, Diplomkolloquium

Kosten

Keine Studiengebühren

Studien- und Prüfungsordnungen

Link zu den studienrelevanten Rechtsgrundlagen

Aufbaustudiengänge

Bildende Kunst
Meisterschülerstudium