Bildhauerei Metall / Aktuelles 09.07.2018

ANTJE DATHE "Schattenseite" Die Arbeit "Schattenseite" von Antje Dathe erhielt den 3. Platz beim Wettbewerb zum Gedenken an die Opfer der "Marburger Jäger"

Bei dem Kunstwettbewerb für eine Gedenkinstallation im Schülerpark Marburg, in Gedenken an die Opfer der "Marburger Jäger" wurde die Arbeit "Die Schattenseite" von Antje Dathe am 7. Juni 2018 mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Antje Dathe studiert im 9. Semester in der Bildhauerei/Metall Klasse bei Frau Prof. Andrea Zaumseil. Der Kunstwettbewerb wurde von der Stadt Marburg ausgeschrieben, um eine Gedenkinstallation für die Opfer der Marburger Jäger zu entwerfen. Dem bereits vorhandenen Kriegerdenkmal der Marburger Jäger sollte so in direkter Kommunikation und Konfrontation eine Gedenkinstallation gegenübergestellt werden. Ziel sollte es sein, einen Beitrag für die Aufarbeitung der Geschichte des Militarismus in Marburg zu leisten. Die Marburger Jäger waren eine spezielle Militäreinheit (1866 - 1919), welche an dem Völkermord der Herero und Nama beteiligt waren. Der Entwurf von Antje Dathe fügt dem Denkmal einen Schattenwurf hinzu. Damit die Schattenseite der Geschichte der Marburger Jäger beleuchtet und aufgezeigt werden kann. Der Schatten erstreckt sich vom Fuße des Denkmals, bis zum Gehweg unterhalb der Denkmalanlage. Vom Gehweg aus, soll sich die Installation allmählich aus dem Boden erheben. Der Schatten besteht aus anthrazitfarbenen Natursteinstelen, welche eine individuelle Form besitzen. Durch diesen individuellen Charakter der einzelnen Stelen soll auf die unzähligen namenlosen Opfer der Marburger Jäger hingedeutet werden. Die bruchrauhe Kopffläche, als vereinendes Merkmal, steht symbolhaft für das verfrüht beendete Leben der Opfer. Der anthrazitfarbene Naturstein soll gemeinsam mit der Anordnung der einzelnen Stelen und Platten den dunklen Charakter des Schattens unterstreichen, welcher den Marburger Jägern anhängt. Als würden sich die Opfer aus dem Schatten erheben wollen und den Tätern mahnend gegenüber treten. Auf 5 Stelen verlaufen vertikal angeschnittene Schriftzüge, welche die verheerenden Einsätze benennen. Der Betrachter des Kriegerdenkmals der „Marburger Jäger" soll sich mit beiden Seiten der Geschichte gleichzeitig auseinander setzten. Er kann sich nicht den Folgen der militärischen Einsätze der Marburger Jäger entziehen und nur eine Lesart der Geschichte beleuchten.

Bildhauerei Metall / Projekt 22.06.2018

VERTIKALSPANNUNG Diplomarbeit Stine Albrecht 2018

Die Vertikalspannung ist ein Phänomen, unter der die Menschen in allen Epochen und sämtlichen Kulturräumen stehen. Sie bauen Gegensatzpaare auf, die attraktive und abstoßende Formen des menschlichen Verhaltens unterscheiden. Solche Gegensatzaare sind z.B. Wissen – Unwissen, Stärke – Schwäche, Vollkommen – Unvollkommen. In allen genannten Beispielen ist der erste Begriff die Zugkraft “von oben“, die für Orientierung sorgt und der zweite polarisierende Begriff ist die Vermeidungsgröße. Der Mensch hat die vertikalen Spannungen in sich selbst und wir spüren sie als eigenen inneren Apell, oder von außen als gesellschaftlichen Druck. Ich lebe zwar schon, aber etwas sagt mir mit unwidersprechlicher Autorität: Du lebst noch nicht richtig. Dieses Noch – Nicht, die Orientierung an ein „höheres Leben“, die Spannung im Zwischenraum von Vermeidung und Anziehung, ist die Vertikalspannung. Elastische Edelstahl – Bleche werden mit Kinetischer Energie angehoben, gebogen und gespannt, dabei weicht die Zweidimensionalität der Dreidimensionalität und aus einer Fläche entsteht ein Körper, ein Gebilde. In Form von Steckverbindungen wird diese am Körper verrichtete Arbeit in Form von potentieller Energie gespeichert. Die eingesetzte Verformungsarbeit bei elastischen Körpern wird als Spannungsenergie gespeichert, die durch eine Zustandsänderung zu- oder abnehmen kann. Spannen wurde für mich zum Formungs- und Ordnungsprinzip mit der Absicht Metallobjekte aus der Materialfläche heraus zu formen, zu spannen und die Spannung zu halten. Puristisch, kühl, fast distanziert vermitteln die strengen geometrischen Formationen die Steigerung der Minimalisierung. Betreuer für den praktischen Teil: Prof. Rolf Wicker Prof. Stella Geppert

Bildhauerei Metall / Projekt 06.03.2018

IN SILENCE Diplomarbeit 2018 von Lisa Kohl

STATEMENT In meinem bisherigen Kunstschaffen habe ich mich mit Rauminstallation, Sound-Video- Installation und dem Arbeiten mit objets trouvés beschäftigt. In raumübergreifenden, ortsgebundenen und situationsbezogenen Plastiken und Bildern manifestieren sich meine inhaltlichen Schwerpunkte um Prekarität, Migration, Verortung und Ortlosigkeit sowie der/ die/ das Fremde. Aus einer Dringlichkeit heraus suche ich die Begegnung mit Menschen und Orten – sie sind Auslöser meines Schaffensprozesses. Schon lange stelle ich mir die Frage, welche Verantwortung wir als Kunstschaffende in der Gesellschaft tragen und welchen Einfluss wir auf sie haben können. Ich sehe eine Form der Notwendigkeit, meine Erfahrungen, Empfindungen und meine Betroffenheit in Bezug auf sozial politische Entwicklungen auf künstlerische Weise zu veräußern, die Kunst als Sprachrohr zu nutzen. Dies bedeutet, mich den Erlebnissen derer zu öffnen, welche kein Recht auf Wortmeldung haben, um für sie Zeugnis abzulegen. Wie schaffe ich Gehör, wie werde ich innerhalb eines Ausstellungskontextes zu einem Sprachrohr für Andere? – In meiner Arbeitsweise stoße ich auf Kernfragen des Zeigens und des Sprechens im künstlerischen Kontext. Das direkte Erleben, wie es Betroffene erleben oder erlebt haben, für Andere fassbar und greifbar zu machen, ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Mein Anliegen ist dennoch der Versuch Nicht-Zeigbares zu zeigen und auf Ungesehenes zu deuten; ein Spannungsverhältnis zwischen Realität und Repräsentation aufzubauen. Die Fragen nach dem Umgang mit Bildern, nach dem Bild als Repräsentation, nach der Verantwortung gegenüber dem Abgebildeten, sind die Grundbasis meiner Herangehensweise als Künstlerin. Politische Erfahrungen, Ideen und Vorstellungen auf poetische Art umzusetzen und in einen künstlerischen Kontext zu integrieren ist Ziel meines Schaffens. In meinen bisherigen Projekten suche ich in Ausstellungssituationen eine Form der Gegenüberstellung, die einen Dialog öffnet und eine Gesamtstimmung erzeugt, in die die Rezipient_innen eintauchen können. Integrierte optische, haptische und akustische Elemente evozieren Bilder, öffnen Assoziationsräume und erfordern eine sinnliche Form der Auseinandersetzung, um Bezüge herzustellen. Die Werke sollen als Stellvertreter für ein kollektives Gedächtnis stehen. Ich wende künstlerische Mittel an, spiele mit Widersprüchen, um unsere Wirklichkeit zu hinterleuchten, meinen Standpunkt und Blick auf das Weltgeschehen zu formulieren, metaphorische Andeutungen zu knüpfen und in Relation mit der Gegenwart zu bringen.