Bildhauerei in Oberhausen

Jana Mertens und Paul Werner mit einem gemeinsamen Projekt bei Burg 10x10 im Kunstverein Oberhausen

Ansicht 1

Prof. Bruno Raetsch zur Vernissage am 16.6. 2013

Sie sehen hier das Ergebnis eines Versuches, einer Versuchsreihe, die vom hiesigen Kunstverein und dessen Vorsitzenden Ortwin Goertz seit Jahren fleißig gepflegt wird.

Der Verein stellt an diesem Ort Kunstakademien vor, gibt diesen etwas Schlaglicht, sieht ganz gemütlich dabei zu, wie diese zappeln, untergehen oder einfach nur weiterfahren. Ob der Versuch mit uns nun gelungen ist, oder an die Wand gefahren wurde, müssen vor allem Sie für sich entscheiden.

Als wir uns dafür entschieden haben, hier, am Rande von Oberhausen, neben Essen und dem Bauernhof dieses Stück zu wagen, war das Wetter trüb, die Garage dunkel und mit einem Auto sehr sinnvoll bestückt. Im Hof steckten bunte Spieße, die Stahlseile der Fahnenstangen klimperten etwas verlassen und melancholisch vor sich hin. Herr Goertz strahlte-wir konnten nur noch ja sagen!

Zehn mal zehn mal zehn Meter.

Das ist nicht besonders viel Platz für eine Kunsthochschule mit zwei Fachbereichen und etwa eintausendvierhundert Studenten. Diese grausame Einsicht hatte mich nach dem ersten Kontakt nicht mehr schlafen lassen... Der erste Gang in die Halle (nach zwölf Wochen...) hat mir diesen, den Schlaf zurückgebracht.

In der Regel verzichte ich bei der Aufteilung von Ausstellungsraum sehr gern auf Kollegen. Vor allem, wenn dieser, der Raum nicht besonders groß ist. Rudolf Schäfer, Professor für Fotografie, und Frithjof Meinel, Professor für Industriedesign und Dekan des Fachbereich Design waren entgegen meiner Befürchtung sehr harmoniebedürftig.

Es gab eigentlich nur eine einzige, zu klärende Frage. Wollen wir die Kiste bis unters Dach vollrümpeln? Soll jede unserer Klassen ein Stück Gesicht zeigen dürfen? Oder zeigen wir einen winzigen Ausschnitt unseres Spektrums, brechen die Kunsthochschule auf wenige Positionen herunter, lassen diesen aber dafür relativ viel Spielraum und so wiederum die Möglichkeit einen kleinen Ausschnitt sehr deutlich auszuleuchten und im besten Fall Lust auf das Große und Ganze zu generieren.

Nach einer Stunde einigten wir uns brüderlich auf die eingekochte Variante und verteilten die Reviere. Zwei Klassen Fachbereich Design, zwei Klassen Fachbereich Kunst.

Rudolf Schäfer, Professor für Fotografie und Frithjof Meinel, Professor für Industriedesign stehen mit einigen ihrer Studenten, Orestia Kapidani (Fotografie), Christine Rackel und Philipp Stingl (Industriedesign) für das Design.

Für die Kunst stellen sich ebenfalls sehr ausschnitt- und hoffentlich lebhafthaft-einprägsam die Malerei/Textilklasse von Ulrich Reimkasten und die Bildhauerklasse von Bruno Raetsch vor.

Beteiligte Künstler sind: Maria Nickel, sie studiert seit 2008 in der Klasse von Reimkasten, Jana Mertens und Paul Werner. Beide studieren seit 2009 in meiner Klasse Bildhauerei.

Wenn ein Künstler für eine Ausstellung plant, gleicht er seine Koordinaten sehr hoheitsvoll mit diesem temporär verfügbaren Ort ab. Der Erfolg, das Scheitern, die Langeweile stehen allein ihm zu. Oder, er überläßt den ganzen Quatsch einem wohlmeinenden, fein ordnenden Kurator, kann sich entspannt zurücklehnen und die Dinge einfach geschehen lassen. In diesem Fall wird alles, gerecht oder ungerecht, geteilt. Hier müssen unsere Studenten allerdings etwas ausbaden, daß sie selbst nicht eingebrockt haben. Sie begeben sich mit Fragmenten ihrer Arbeit an einen fremden Ort, lassen sich auf diesen ein, oder auch nicht, verändern unser Konzept, oder auch nicht. Sie haben wenig Zeit für die notwendige, innere Verschränkung mit dieser, nicht ganz einfachen, neuen Situation, mit Arbeiten, deren Präsenz vielleicht gewöhnungsbedürftig ist. Es gibt wenig Sicherheiten.

Die eigene Arbeit kommt ihnen vielleicht fremd im neuen Kontext vor. Mal schnell nach Hause fahren – geht nicht! Selbst das Bier schmeckt nicht wie sonst im heimatlichen Hochschulatelier. Es gibt nur zwei gültige Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen.

Die erste: ab in den Urlaub, und die Berufsentscheidung überdenken. Die zweite: das Ding durchziehen, kein Schlaf, wenig Pizza, viel Bier.

Das Ergebnis kann nur richtig scheiße oder richtig gut sein.

Nach einem im Bermudadreieck von Oberhausen, zwischen Theater, Stadthalle und Gasometer verbrachten Abend könnte das bedeuten, sich zwischen Udo Jürgens und Eric Clapton entscheiden zu müssen.

Für unsere Ausstellung bevorzuge ich persönlich Sexpistols vom Band!