Lehrangebote

Studienrichtung Bildhauerei Figur des Diplom-Studiengangs Plastik

Lehrkonzept

Im Kern basiert meine Lehre auf der Vorstellung komplex-räumlicher Kompositionen. Ich meine damit Bildkonstruktionen, welche komplette Raumausschnitte in sich tragen und damit die Voraussetzung erfüllen, Zuordnungen jenseits gängiger Begrifflichkeiten, wie Klein- oder Monumentalplastik, vorzunehmen.
So ist es mir möglich, landschaftliche, gesellschaftliche Handlungsspielräume zu entwickeln und bereitzustellen, deren Bedeutung für den Betrachter einzig über die, von diesem eingenommene Betrachtungsposition und der sich daraus ergebenden Perspektive ableitet.
Der durch den Künstler festgelegte Raumausschnitt kann, ähnlich wie bei einem Foto, nicht durchbrochen werden, lässt aber gerade durch diese, sehr bewusst vorgenommene Ausschnittwahl eine umfassende, gedankliche Weiterentwicklung durch den Betrachter zu.
Mir, also dem Autor, ist es überdies möglich, wichtige Details aus der Komposition zu ziehen und als ergänzende Information dieser zur Seite zu stellen.
Hierbei kann es sich um landschaftliche, wie natürlich auch figürliche Fragmente des Bildes handeln. Die Bedeutung dieser ausgewählten Details gewinnt durch diese Entscheidungen in einem, je nach Detailgenauigkeit sehr unterschiedlichen Maß und läßt für den Betrachter sehr deutliche Rückschlüsse auf das Thema des Künstlers zu. Da eine, in dieser Komplexität sehr aufwendige Bildhauerei technisch und räumlich an Grenzen stoßen kann, empfehle ich die Entwicklung eines zweiten Mediums.
In der Regel ist dies die Zeichnung. Hier ist es möglich, gerade bei der Behandlung von Landschaft, die Komplexität und damit die Informationsfülle, bzw. deren Auflösung in Strukturen deutlich zu steigern.
Meine Vorgehensweise, also die (Ur-)Auseinandersetzung, das Experiment mit Raumgefüge, bedingt in der Regel eine festgelegte Bildkomposition. So können die Bilder im wesentlichen unabhängig von zufälligen, umfassenden Raumgefügen, im Gegensatz zur Installation, sehr direkt aus sich heraus wirken. Die Wege, welche der Betrachter wählt, um sich den Bildraum zu erschließen sind jederzeit, auch nach Jahren, wieder auffindbar. Mein Ansatz unterscheidet diese Bilder elementar von der Installation, welche für meine Lehre nur im Randbereich von Bedeutung ist. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, müssen meine Studenten ein von mir, auf dieses Ziel genau abgestimmtes Basisprogramm durchlaufen. Dieses beinhaltet das Erarbeiten sehr spezieller künstlerischer, bildhauerischer Methoden und handwerklicher Mittel wie auch die parallele, sehr frühe Erkennung und Herausschälung persönlicher Ikonografien und Potenziale.Für diese Form der Lehre, wie auch der künstlerischen Forschung existiert ein fein justiertes Atelier- und Werkstattgefüge.

Das Fundament für einen möglichst selbstverständlichen Umgang mit dem künstlerischen Gegenstand wird in den ersten vier Semestern gelegt. Diese Grundlagenausbildung ist obligatorisch und in dem dafür vorgesehenen Zeitfenster zu absolvieren. Die Studenten können aus verschiedenen Angeboten wählen. Ebenfalls wichtiger Bestandteil dieser Ausbildungsphase ist eine freie/experimentelle plastische Arbeit. Diese wird individuell abgestimmt und durch den Fachgebietsleiter betreut. Das Hauptstudium (ab dem 5. Semester) dient der individuell-künstlerischen Entwicklung des Studenten. Thematisches, experimentell-bildhauerisches Arbeiten ist erwünscht. Die Einbeziehung anderer Medien ist möglich.

Prof. Bruno Raetsch

Studienbegleitende Lehrangebote

Bildnerische Grundlagen
Kunstwissenschaften