Blockseminar als Exkursionsvorbereitung:

Das Lächeln der Auguren.

Kulte, Glauben und Philosophien im Alten Rom.

Philosophisches Kompaktseminar. Verpflichtend für die Exkursionsteilnehmer_innen nach ROM aus dem FB Kunst. Frei außerdem für alle anderen Interessierten.

Leitung: Prof. Dr. Mirjam Schaub
15. und 16. Februar 2019 in BERLIN (!). Der genaue Ort wird noch bekanntgegeben.

Verbindliche Vorbesprechung am Donnerstag, 29. November 2018, 13-14 Uhr in der Bibliothek im Neuwerk 7

„Wohlbekannt ist der alte Spruch Catos, er wundere sich, das ein Haruspex nicht lächle, wenn er einen anderen Haruspex sehe.“ (Cicero)

“Tanti auguri” – so beglückwünscht man sich noch heute überall in Italien zum Geburtstag. Die Rede führt zurück auf das Amt des römischen Augur, den staatlich bestellten und alimentierten Vogelflugdeuter, der neben dem Haruspex, der für das „Lesen“ tierischer Eingeweide (wie der Leber) zuständig war, das Schicksal Roms vorhersehen und für dessen sprichwörtliche ‚Ewigkeit‘ zu sorgen hatte. Das Fressverhalten der Hühner sollte dafür schicksalhafte Indizien liefern. Daneben formierte sich ein Priesterkollegium, dessen Vorsitz u.a. auch Caesar, und Augustus als pontifex maximus, als „oberster Brückenbauer“ innehatten, um zwischen der weltlichen und der geistigen Sphäre zu vermitteln. Auf dem Forum Romanum hüteten sechs Priesterinnen, zur Keuschheit verpflichtete Vestalinnen, das heilige römische Herdfeuer, Symbol für die Macht und Unabhängigkeit der Stadt. In ihrem Tempel wurden, aufgrund der Unantastbarkeit des Ortes, auch die Testamente der adeligen Senatoren und staatliche Verträge hinterlegt. Die Verzahnung von weltlicher und kultischer Macht wird hier greifbar.

Rom leistete sich einen einzigartigen Staatskult, in deren Schutz polytheistische Kult- und Opferhandlungen (Speiseopfer), die Verehrung alter etruskischer Hausgötter (wie die Laren und Penaten), die Übernahme der 12 griechischen Olympier, und später sog. „orientalische Kulte“ gedeihen und florieren konnten, wie der persische Zoroastrismus, das Judentum und seine wohl merkwürdigste Sekte, die Christen.

Die Römer bleiben dabei außerordentlich tolerant, pragmatisch. Weltläufig und undogmatisch wie sie waren, bleib ihnen religiöser Eifer völlig fremd. Um so überraschter und sensibler reagierten sie auf missionierende Religionen, wie das Christentum. Die Christenverfolgungen unter den Kaisern Nero und Diokletian machten die seltsame Sekte bald weltbekannt, denn das bewusste Sterben-Wollen für seinen Glauben als Märtyrer in aller Öffentlichkeit stellte ein so verstörendes Phänomen wie ernstzunehmendes Problem dar.

In dem zweitätigen Kompaktseminar wollen wir uns über die Natur der verschiedenen römischen Kulte Klarheit verschaffen, bevor wir uns über die wachsende Begeisterung für die (aus Griechenland) importierte, philosophische Stoa (mit ihren z.T. rigiden Rückzug auf sich selbst) bis zum Aufruhr des Christentums vortasten, das nicht wenige für den Verfall des weströmischen Reiches mit verantwortlich machen. Ganz sicher prägt die christliche Transsubstantiationslehre als die dauerhafte Verwandlung von Brot und Wein bis heute das barocke Gesicht der Stadt.

Damit zielt die Exkursionsvorbereitung auf das heute nur noch in Ansätzen erhaltene, unsichtbare Gespinst aus Glauben, Staatskult, Philosophie und Religion, das dennoch, wie eine feine Textur, das soziale und kulturelle Gefüge Roms auf so beeindruckende Weise über 1.200 Jahre lang zusammenhielt.

Lehrende(r)

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub

Lehrende(r)

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub