Ziele der philosophischen Ausbildung an der BURG

Professur für Philosophie, Prof. Dr. phil. Mirjam Schaub
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Ziele der philosophischen Ausbildung an der BURG

Ich möchte den Studierenden die Scheu vor den philosophischen Gebilden und Theoriesprachen – Wittgensteins, Adornos, Heideggers, Luhmanns, Sontags, Arendts, Latours usf. – nehmen. Theorien sind keine sakrosankten Gebäude, die man nur in langen Hosen betreten darf. Auch sind sie längst nicht so abstrakt, wie sie sich geben. Theorien stecken voller Affekte, Verkürzungen, Resten von körperlichen Erfahrungen. Auch sie sind Moden unterworfen, gehorchen den Gesetzen der Virulenz und der Ansteckung. Zwar zeichnen sie sich durch einen hohen Grad von Sublimierung aus, doch unter der Oberfläche der glatten Begriffe stößt man auf die Idiosynkrasien, die Abneigungen und Neigungen ihrer Autor_innen. (Vgl. der zusammen mit Regine Strätling, Markus Rautzenberg und Joachim Küpper von mir bei Fink 2013 herausgegebene Band The Beauty of Theorie. Zur Affektökonomie von Theoriebildung, darin: Vom Nachleben der Theorie im Kunstraum – sowie das des Theoretikers als Auto-Ikone, München: Fink 2013, S. 185–212.)

Enzyklopädisches Wissen und Jargonfestigkeit sind daher nicht das vorrangige Ziel, wohl aber die Ausbildung von Reflexions-, Kritik- und Artikulationsvermögen. Neben einem belastbaren Überblick, geht es mir um exemplarische Zugänge zur philosophischen Tradition, die sodann Raum lässt für eigene Vertiefungen, spezifische Lösungen, genaue Impulse. Ziel ist die mitunter überraschende Verbindung aus Idee und Form, Gedanke und Konzept, historischer Linie und punktueller Intervention. Dazu braucht es zwei sehr unterschiedliche Temperamente des Denkens: reflektierende Urteilkraft und d.h. kritisches, ideengeschichtlich informiertes Unterscheidungsvermögen, aber auch synthetisches Bewusstsein und synthetisierendes Denken, also kurz Analyse und Erfindungsgabe. Manchmal genügt ein spätes Gespräch am Küchentisch; oder, noch besser, das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt zu lesen. Aber auch das Lesen selbst will gelernt sein – um endlich das begrifflich fassen zu können, was im künstlerischen und gestalterischen Prozess geschieht, wie Neues entsteht.

Wichtigste Eintrittsvoraussetzung in das gemeinsame Arbeiten bleibt daher die Bereitschaft zu regelmäßigem, gründlichem und wiederholtem Lesen. Für die inhaltliche wie methodische Vielfalt, ja Abwechslung bürgen allein die zahllosen Textgattungen – Pamphlete, Kritiken, Traktate, Rezensionen, Meditationen, Essais – der Philosophie. Ich möchte, dass die Studierende den Reichtum, die Schönheit und den Wagemut des philosophischen Denkens kennen- und schätzen lernen, bevor sie sich emphatisch für oder gegen die eine oder andere Schule entscheiden.

Mirjam Schaub

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Schleifweg 6, 06114 Halle
Zimmer 014, Tür links im Großen Seminarraum