Allgemeines Profil
Allgemeine Informationen über den Studienbereich Kunstvermittlung
Fachdidaktik
Kunstdidaktik als Professionalisierungspraxis
Im Kontext der Kunstlehrerbildung bedarf es eines phasenübergreifenden
Verständnisses didaktischer Lehre, wonach die Entwicklung von
Lehrerprofessionalität als lebenslanger berufsbiografischer Prozess zu
verstehen ist. Die Besonderheit kunstpädagogischer Professionalität
wird durch eine jeweils individuelle, zugleich kritisch reflektierte
Balancierung zwischen der auszubildenden künstlerischen Identität und
dem zu entwickelnden professionellen pädagogischen Habitus bestimmt.
Fallseminare und theoriegeleitete schulpraktische Studien sind genauso
elementarer Bestandteil des kunstdidaktischen Studiums wie
phasenübergreifende Angebote für Lehrende, Referendare und Studierende,
die einen Rahmen für den diskursiven Austausch über Möglichkeiten der
Initiierung kunstnaher Prozesse im schulischen und außerschulischen
Kontext sowie für deren unmittelbare Erprobung und kritische Reflexion
bieten können. Studierende erhalten so Einblick in die Probleme der
schulischen Praxis, Referendare werden angehalten, ihre neu erworbenes
Selbstverständnis in Rückblick auf ihre eigene künstlerische Praxis zu
hinterfragen und für Lehrende eröffnet sich in Anlehnung an das
aktuelle Kunstgeschehen sowie den fachdidaktischen Diskurs eine
Vielzahl neuer Ideen und Konzepte für die eigene Unterrichtspraxis.
Dr. Andrea Dreyer
Fachdidaktik als Professionswissenschaft
Fachdidaktik versteht sich heute als Professionswissenschaft, die
zwischen Theorie und Praxis vermittelt (vgl. dazu auch den Beitrag von
Andrea Dreyer). Grundlegend sind die jeweiligen Rahmenrichtlinien oder
Lehrpläne eines Bundeslandes für das Fach Kunst und die darin
ausgewiesenen Bezugsfelder des Faches: Malerei, Grafik, Plastik,
Architektur, Alltagsästhetik und Medien. Wissenschaftliches Wissen,
Alltagswissen und breite Kenntnisse künstlerischer Handlungsformen
werden miteinander vernetzt und in Lehr- und Lernprozesse transformiert.
Dementsprechend stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt der Fachdidaktik
im Rahmen der Lehrerbildung:
Alterspezifische Erforschung von Prozessen des Wissenserwerbs und der
künstlerischer Praxis in den oben genannten Bezugsfeldern
Entwicklung von Lehr- und Lernmitteln (Unterrichtsmedien, didaktisches
Design)
Evaluierung ausgewählter Inhalte in konkreten Unterrichtsprozessen.
Auf der Grundlage des Erwerbs einer breit angelegten künstlerischen
Ausbildung und umfassender fachwissenschaftlicher Kenntnisse in den
Bezugswissenschaften wie Kunstgeschichte, Ästhetik, Philosophie u.a.
stellt die Fachdidaktik folgende Anforderungen an die Studentinnen und
Studenten:
Kenntnisse kunstpädagogischer Konzepte,
Kenntnisse von Modellen der Unterrichtsplanung und -analyse im Fach
Kunst,
Kenntnisse der Bild- und Medienanalyse,
Kenntnisse der Didaktik der Unterrichtsmedien,
Kenntnisse der Theorie künstlerischer Prozesse im Unterricht.
Der Einblick in die Schulpraxis während des Studiums ist dabei von
elementarer Bedeutung. Hinzu kommen Möglichkeiten der Beteiligung an
kunstpädagogischen Projekten im außerschulischen Bereich, womit
deutlich werden soll, dass das Schulfach Kunst Teil der allgemeinen
kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen ist. Diese Aspekte
gelten auch für den Studiengang Diplomkunstpädagogik, der für eine
künstlerische Arbeit in den unterschiedlichsten Institutionen im
kulturellen und sozialen Bereich qualifiziert. Im Sinne einer
Berufsfeldanalyse spielt hier die kunstpädagogische Projektarbeit als
Praxiserprobung eine besonders wichtige Rolle. In den vergangenen
Jahren wurde dabei ein dichtes Netz von Kooperationen in Halle und
außerhalb entwickelt, von Museen, Galerien und Theatern über Kliniken
bis zu Justizvollzugsanstalten. Einbezogen in dieses Netz sind auch
Firmen aus der Industrie.
Prof. Josef Walch