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Erste Erfahrungen mit Web-Design

 

Lang, lang ist’s her ...

 

Ich kann mich an eine heiße Diskussion mit Frau Koschine und Herrn Dannenberg im Herbst 1993 erinnern: Es ging um die praktische Nutzung des Internets an unserer Hochschule. Ich vertrat die Ansicht, das Internet ist für mich schon wegen der entsetzlich langen Reaktionszeiten undiskutabel. Es bietet nichts, was ich nicht auch per Telefon und Fax (schneller!) erledigen kann. Und mindestens 99 Prozent dessen, was es im Internet gibt, ist für mich weder nutzbar noch interessant. Die beiden Kollegen konnten gegen die geringe Geschwindigkeit nicht argumentieren. Den Müll aber kann man umgehen, indem man genau weiß was man will und Suchmaschinen einsetzt. Und natürlich gibt es mit dem Internet auch qualitativ neue Funktionen: Wie z.B. beschaffe ich mir schneller Treiber oder andere Software aus den USA, als über das Internet?

Diese Diskussion fand statt, nachdem uns Herr Dannenberg das erste Mal das Internet im PC-Atelier der Hochschule (damals noch im neuen Lehrklassengebäude) vorgeführt hatte. Seit dem 01. September 1993 waren wir über ein Modem (9,6 Kbit/sec) und eine Telefonleitung mit dem Rechenzentrum der Universität Halle verbunden, wo sich ein Internet-Knoten befand. Die Diskussion war typisch, denn das Internet war nur etwas für Insider und in der Öffentlichkeit kein Thema. Aber über ein spezielles Förderungsprogramm der Bundesregierung wurde schon in den 80-er Jahren ein Datennetz aufgebaut, das alle Universitäten und Hochschulen verbinden sollte. Jetzt ging es daran, auch die neuen Länder in dieses Netz einzubinden. Unsere Hochschule war über Frau Koschine seit 1992 an diesen Vorbereitungen beteiligt. Das Modem und die Mitgliedschaft im DFN-Verein seit dem 01. Oktober 1993 waren die bisherigen Ergebnisse dieser Bemühungen. In unserer konträren Diskussion waren wir uns eigentlich nur in einem Punkt einig: Hier entsteht ein neues Medium, dessen zukünftige Bedeutung schwer abzuschätzen ist. Gerade deshalb war es nötig alles zu tun, um diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und uns technisch darauf vorzubereiten.

Diese Diskussion ist erst vier Jahre her. Auf keinem anderen Gebiet hat sich in so kurzer Zeit eine ähnlich stürmische Entwicklung vollzogen, wie im Bereich des Internets. Es ist auch längst klar, welche neuen Funktionen das Internet bereitstellt (1 und 2). Trotzdem hat die Übersetzung von WWW als ‚World Wide Waste‘ einen realen Hintergrund. Eine gesunde Skepsis ist auch hier sinnvoll und nützlich. Wenn man aber in der Lage ist, zwischen Sinn und Unsinn zu unterscheiden, bietet das Internet schon heute überraschend viele praktische Vorteile.

 

Die Adresse http://www.burg-halle.de

Ende 1994 beantragten und erhielten wir die eigene Internet-Domain für unsere Hochschule unter der Adresse burg-halle.de - ‚burg.de‘ war leider schon vergeben. Damit nabelten wir uns von der Universität Halle ab, die uns in allen Fragen der Netzanbindung vorbildlich fachlich unterstützt hat. Im Sommer 1995 zogen wir in das Medienzentrum um. Alle dort vorhandenen Arbeitsplätze waren von Anfang an intern vernetzt und extern über eine Standleitung zur Universität Halle mit dem Internet verbunden. Ein Jahr später, im Herbst 1996, erfolgte die direkte Anbindung der Hochschule an das Internet über ein Glasfaser-Backbone (FDDI) mit einer Leistung bis zu 100 Mbit/sec. Auch die interne Backbone-Verbindung zwischen Medienzentrum und der Burg und dem Weißen Haus konnte in Betrieb genommen werden. Die interne Vernetzung der Hochschule ist noch nicht abgeschlossen, aber das Weiße Haus ist heute komplett vernetzt, auch die Bibliothek und die gesamte Verwaltung im Bereich Neuwerk 7. Im Frühsommer 1997 wurde das Hermesgebäude über eine Richtfunkstrecke an das Telefonnetz der Hochschule angekoppelt. Mit diese Lösung ist auch die Internetanbindung für das Hermesgebäude kostengünstig möglich. Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch den Leiter des Rechenzentrums, Herrn Dannenberg, vorangetrieben, technisch ausgelegt und koordiniert.

Der Benutzer des Medienzentrums ahnt in der Regel nichts davon, welch hoher technischer Aufwand für die interne Vernetzung erforderlich ist und welche Organisationsleistungen vom Rechenzentrum dafür zu erbringen sind ( 3 ). Er hat Mühe, sich den Unterschied zwischen Benutzername und Paßwort zu merken. Dabei sind das nur die äußeren Merkmale, die mit der Ausgabe der Zutrittskarte für das Medienzentrum verbunden sind. Mit der Registrierung stehen dem Benutzer aber gleichzeitig auch ein mit dem Paßwort geschützter Speicherbereich von 150 MB, eine E-Mail Adresse und eine Internet-Adresse zur Verfügung. Er kann sich damit selbständig ein Netzlaufwerk einrichten und dort ohne weitere Mitwirkungsleistungen des Medienzentrums seine Internet-Seiten veröffentlichen und ständig aktualisieren. In diesen Adressen findet sich immer die Burg-Adresse wieder, denn jede E-Mail- und WWW-Adresse im Medienzentrum hat die gleiche Form:

 

E-Mail: benutzername@burg-halle.de

Internet: http://www.burg-halle.de/~benutzername (URL)

 

Die E-Mail-Nutzung erfolgt in großem Umfang, besonders auch durch die Studenten. Die Nutzung der eigenen Internet-Adresse steht erst am Anfang. Im September 1997 waren 550 Benutzer im Medienzentrum registriert, aber nur 10 Studenten und 5 Mitarbeiter der Hochschule machten von der Möglichkeit gebraucht, eigene Seiten im Internet zu plazieren.

  

WWW – ein neues Medium

Der interessanteste und populärste Dienst des Internets ist das World Wide Web (WWW). Es entwickelt sich vehement zu einem öffentlichen Medium mit völlig neuen Eigenschaften. Dateien, die mit der Seitenbeschreibungssprache HTML geschrieben wurden und in der Form *.html vorliegen, können weltweit im Internet versendet, empfangen und mit sogenannten Web-Browsern am Bildschirm sichtbar gemacht werden. Auf diese Weise werden Web-Seiten zu einem neuen, sehr flexiblen Medium, mit dem Text, Bilder, Videos, Sound und Links zu anderen Web-Seiten gleichzeitig weltweit publiziert werden können. Andere Dienste wie News und E-Mail können mit dem WWW verknüpft werden. Die Funktionen, die dieses Medium zu einem qualitativ neuen Medium machen sind die weltweite, mit dem Telefon vergleichbare Verfügbarkeit, die Life-Aktualität, die Aufhebung des Unterschieds zwischen Anbieter und Nutzer (jeder kann Anbieter und Nutzer sein) und die extreme Stabilität gegen jede Art störender Eingriffe und nationaler, rechtlicher Beschränkungen.

  

Technik des Web-Design

Web-Design heißt Seiten oder Folgen von Seiten (Webs) zu gestalten, die im Internet publiziert werden. Da diese Seiten in der Regel nur auf dem Bildschirm eines Monitors sichtbar sind, spielt dabei auch das Screen-Design eine wesentliche Rolle. Die erste Voraussetzung für diese Seiten ist, daß sie in HTML (Hyper Text Mark up Language) beschrieben sind. Derzeitig ist HTML 3.2 die gültige Version. Das World-Wide-Web-Consortium (W3C) fühlt sich für diese Sprache zuständig und bemüht sich um Standards. Gegenwärtig ist ein HTML-Update in Arbeit, das auch als ‚Dynamic HTML‘ bezeichnet wird (5). An der Grundstruktur von HTML wird nicht gerüttelt, vorhandene Fähigkeiten werden erweitert. So ist beabsichtigt, parallele Entwicklungen wie Java-Applets, ActiveX-Controls und die Skriptsprachen Javascript, Jscript und VBScipt in HTML einzubinden. Der Schwerpunkt des neuen Standards liegt allerdings auf sogenannten ‚Stylesheets‘ (11). Sie sind mit Dokumentenvorlagen der Textverarbeitung zu vergleichen und erfüllen im Prinzip auch deren Funktion. Von dieser Technik werden wesentliche Erleichterungen für das Web-Design erwartet. Nur die neusten Versionen der beiden konkurrierenden Browsers (Navigator 4.0 und Internet Explorer 4.0) können Web-Seiten anzeigen, die mit Dynamic HTML geschrieben wurden.

Für die Technik des Internets stellt es einen großen Vorteil dar, daß die Betriebssysteme der Rechner keine Rolle spielen. Der Datenaustausch im Internet wird in erster Linie über das einheitliche File Transfer Protocol (FTP) geregelt. Das Internet Protocol (IP) regelt die Datenübertragung, es codiert beim Versenden die Daten und decodiert sie beim Empfänger wieder. Der Nutzer kann diese technischen Determinanten nicht beeinflussen, sie sind durch internationale Standards gesetzt. Für die Erstellung von Web-Seiten ist damit die alles entscheidende Frage, wie die Umsetzung des graphischen Entwurfs einer Web-Seite in HTML erfolgt (7).

Es gibt derzeitig drei Möglichkeiten, eine Web-Seite als Datei im Format *.html zu erstellen: Die erste Variante ist die durchgängige Programmierung in HTML. Sie ist aufwendig, erfordert Programmierkenntnisse und die Denkweise der Softwareentwicklung. Die zweite Möglichkeit ist die Verwendung von HTML-WYSIWYG-Editoren. Dabei handelt es sich um Softwareprogramme, die den Gestalter auf der Oberfläche grafisch arbeiten lassen und im Hintergrund die komplette Seite in HTML umsetzen. Das dritte Verfahren ist das einfachste und heißt S&K. In der Übersetzung bedeutet das Schau & Klau. Es wird einfach die Seite, die für die eigenen Zwecke gut geeignet ist, aus dem Internet kopiert. Alle Gestaltungselemente werden beibehalten, der sachliche Inhalt aber wird ausgetauscht. Das hört sich sehr nach Verletzung des Urheberrechts an. Es erfüllt auch diesen Tatbestand. Trotzdem ist dieses Verfahren gängige Praxis und in den wenigen Fachbüchern die es zum Web-Design heute gibt ( 4, 10 und 11) wird das Verfahren sogar als legitim befürwortet. Hier zeigen sich auch die Nachteile dieses neuen Mediums: Eine Verfolgung der Verletzung von Urheberrechten ist praktisch nicht möglich.

Die Technik für das Web-Design befindet sich heute in der Entwicklungsphase, in der sich vor zehn Jahren Textverarbeitungs- und Graphiksysteme befanden. Ich kann mich gut daran erinnern, daß es damals sehr nützlich war, z.B. mit der Programmiersprache BASIC umgehen zu können. Was man mit dem ‚Textprozessor‘ nicht schaffte (zum Beispiel Tabellen), wurde mit BASIC realisiert. Aus dieser Parallele kann man mit ziemlicher Sicherheit den Schluß ziehen, daß den WYSIWYG-Editoren die Zukunft gehört. Das Angebot solcher Editoren ist völlig unübersichtlich, täglich kommen neue auf den Markt und andere verschwinden. Das Bild 1 (entnommen aus (8) ) zeigt in einer Übersicht einige der derzeitig angebotenen Editoren und ihre Funktionen.

Mit allen Editoren stößt man ganz schnell an die gestalterischen Grenzen, die durch die Technik des WWW und durch die Seitenbeschreibungssprache HTML gesetzt sind: Die Verwendung von Schriftart, Schriftgröße und Farbpaletten ist stark eingeschränkt. Die Positionierung von Text und Bild ist umständlich und ungenau und muß derzeitig noch über den Umweg von Tabellen erfolgen. Die Layertechnik ist noch unterentwickelt (11) und es sind bestimmte Bildformate einzuhalten. Auch heute noch ist die Geschwindigkeit das größte Problem im Internet. Sie zwingt zu extremer Reduzierung des Dateiumfanges. Je kleiner eine Datei, um so schneller wird sie transportiert und visualisiert. Verschiedene WYSIWYG-Editoren erzeugen für die gleiche Seite einen unterschiedlichen Quellcode. Das kann bei der Darstellung mit einem Browser zu Kompatibilitätsproblemen führen. Mit den neuesten Versionen (4.0) der Browser von Netscape und Microsoft taucht ein weiteres Problem auf: Die beiden führenden Internet-Browser sind nicht mehr kompatibel. Sie unterstützen nicht mehr in gleichem Umfang die Skript-Sprachen. Das führt u.U. dazu, daß einzelne Seiten oder ein ganzes Web nur noch mit einem dieser Browser vollständig darzustellen sind.

  

Bild 1 HTML-Editoren und ihre Funktionen

 

Sieht man von den durch die Technik des Internets gesetzten Beschränkungen ab, gibt es bei den im Bild 1 aufgeführten Editoren keine wesentlichen Unterschiede. Einige zusätzliche Tools, wie z.B. der Explorer von FrontPage, sind sehr nützlich und unterstützen die Arbeitsweise der Editoren. Die Versionen 4.0 des Navigators und des Internet-Explorers enthalten jetzt auch je einen leistungsfähigen HTML-Editor. Allerdings fehlt dabei ein Werkzeug wie der FrontPage-Explorer. Da man mühelos weitere 30 Editoren als Share- oder Freeware ‚aus dem Netz fischen‘ kann, wird die Auswahl wieder zur Glaubensfrage.

Wir haben unsere ersten Erfahrungen mit FrontPage 97 gemacht. Der Editor ist übersichtlich aufgebaut und lehnt sich an die Arbeitsweise eines Texteditors an. Der dazugehörige FrontPage-Explorer (Bild 2) erweist sich als sehr nützliches Werkzeug besonders für umfangreiche Webs. Mit ihm können die gesetzten Links überprüft, die vollständige Einbindung aller Dateien eines Webs kontrolliert, Suchfunktionen aktiviert und die Verknüpfung der Seiten mit- und untereinander grafisch dargestellt werden. Ohne ein solches Tool verliert man in einem umfangreichen Web schnell die Übersicht.

  

Bild 2 Darstellung der Bestandteile einer Web-Seite durch den FrontPage-Explorer

  

Erster Softwarekurs zu Web-Design

Im Juni 1997 fand der erste offizielle Softwarekurs zu Web-Design im Medienzentrum statt. Frau Koschine behandelte in diesem Kurs die Grundzüge der HTML-Technik und der Produktion von Web-Seiten. Die Kursteilnehmer waren von Anfang an mit Ihren ersten Web-Versuchen im WWW präsent. Für die Erzeugung von HTML-Seiten wurde der Editor von FrontPage 97 benutzt. Das Interesse an diesem Kurs war so groß, daß ein Kurs zum Web-Design ab Studienjahr 1997/98 als fester Bestandteil in das Lehrangebotes des Medienzentrums aufgenommen wurde.

 

Methodik des Web-Design

Web-Design ist eine neue Disziplin. Sieht man von den Online-Diensten und den Mailboxen ab, die vor dem WWW im Netz existierten, so ist das Web-Design maximal fünf Jahre Alt. Das ist auch der Grund, weshalb es dafür bisher kaum Studiengänge gibt. Erst im Jahr 1997 sind zwei Bücher zum Web-Design erschienen ( 4, 10 und 11 ), die bisherige Erfahrungen zusammenfassen.

Aus meiner Sicht gibt es fünf Aspekte, die beim Web-Design zu berücksichtigen sind:

  1. Das Ziel und das Konzept
  2. Der sachliche Inhalt
  3. Die Gestaltung
  4. Die technische Umsetzung
  5. Die Aktualisierung

Jeder, der ein Web auf die Beine bringen will, wird mit diesen Problemkreisen konfrontiert. Er tut gut daran, sich wenigstens bewußt zu machen, daß es ohne eine Lösung dieser z.T. gegenläufigen Probleme kein Web geben wird, das Qualitätsansprüchen genügt. Gegenwärtig und weltweit ist das WWW das Experimentierfeld der Seiteneinsteiger, der All-round-Künstler und der Techniker. In der Regel werden deshalb heute Webs von einem ‚Macher‘ auf die Beine gestellt, der alle diese Aspekte alleine unter einen Hut bringt und der kein explizites Konzept, sondern nur ein Ergebnis kennt. Dieses Vorgehen ist in der jetzigen Phase der Entwicklung normal und nützlich. Es gibt auch genug außerordentlich kreative Köpfe, die unter solchen Bedingungen hervorragende Ergebnisse erreichen. Nur die Aktualisierung bleibt bei diesem Vorgehen meistens auf der Strecke. Ob ein solches Verfahren funktioniert, richtet sich auch ganz entscheidend danach, ob es sich um drei Seiten oder ein hundertseitiges Web handelt.

Aus methodischer Sicht steht fest, daß die Produktion eines Webs ein so komplexes Problem darstellt, daß es optimal nur arbeitsteilig produziert werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist es sinnvoll, die o.g. Aspekte einzeln zu betrachten und ihre gegenseitige Bedingtheit zu analysieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse gestatten es, ein Produktionsverfahren für ein Web zu entwickeln. Solche Untersuchungen sind auch für ‚Einzelkämpfer‘ interessant, weil dadurch mindestens erkennbar wird, an welchen Punkten Gefahren lauern und wo man deshalb Spezialisten konsultieren sollte.

Unsere Erfahrungen mit Web-Design resultieren aus den Webs der Burg Giebichenstein, des Fachgebiets NTG, des Medienzentrums und den Web-Seiten des Instituts CA&D. Diese Webs werden im nächsten Abschnitt kurz vorgestellt. Zu den einzelnen Aspekten der Produktion eines Webs haben wir folgende Erfahrungen gesammelt:

 

Das Ziel und das Konzept

Vor der Entwicklung eines Konzepts und vor jeder Gestaltung muß es um die Klärung und Präzisierung der Aufgabenstellung gehen. Je klarer bekannt ist, welche Ziele erreicht werden sollen, um so einfacher ist es, für diese Zielstellungen ein Konzept zu entwickeln. Es ist dringend zu empfehlen, bei der Erarbeitung des Konzepts zwischen dem sachlichen und dem gestalterischen Konzept zu unterscheiden.

Das sachliche Konzept liegt dann vor, wenn die Seitenstruktur des Webs existiert. Dazu muß bekannt sein, welcher sachliche Inhalt einer Seite zugeordnet wird und welche Hierarchie diese Seiten besitzen. Jedes Web besitzt eine HomePage (Eingangsseite), die für das Ziel und die Navigation im Web von entscheidender Bedeutung ist. Für die unter der HomePage liegenden Seiten muß ein Optimum zwischen Tiefe und Breite gefunden werden. Auf die Navigation im Web ist besonderer Wert zu legen. Die gegenseitige Verknüpfung aller Seiten und das Navigieren im Web kann sehr gut experimentell untersucht werden, wenn die Seitenstruktur als ein Web realisiert wird, das nur die geplanten Überschriften, aber keinen Inhalt und keine Gestaltung aufweist. Das sachliche Konzept sollte auch die Frage behandeln, welcher Inhalt zum Web gehört und ab wann Links zu anderen Webs geschaltet werden. Damit werden die Schnittstellen zu anderen Webs definiert, die den gleichen oder einen ähnlichen Inhalt behandeln. Ein Beispiel: Wo ist das Interface, über das man von der Darstellung der im Medienzentrum arbeitenden Fachgebiete zu den offizielle Seiten dieser Fachgebiete im Web der Burg Giebichenstein kommt?

Das gestalterische Konzept setzt auf das sachliche Konzept auf. Es beantwortet die Frage, mit welchen gestalterischen Mitteln die Präsentation des sachlichen Inhalts verstärkt werden kann und wie die emotionale Wirkung des Webs zu optimieren ist. In der gestalterischen Konzeptphase sollte man sich nicht vorrangig mit Fragen der technischen Umsetzung auseinander setzen. Primär sollten sich die gestalterischen Forderungen am Ziel und der Aufgabenstellung für das Web ausrichten und nicht an den technischen Möglichkeiten.

 

Der sachliche Inhalt

Der sachliche Inhalt eines Webs muß von dem schriftlich (!) beigebracht werden, der dafür die sachliche Kompetenz besitzt. Jedes andere Verfahren führt zu Peinlichkeiten, nachträglichen Korrekturen und zu Mehrarbeit. Es ist eine Illusion, der die meisten Auftraggeber und 'Macher' erliegen, daß man den sachlichen Inhalt Designern oder Technikern überlassen kann. Die richtige Darstellung des sachlichen Inhalts ist eine absolute Voraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Web.

 

Die Gestaltung

Die Gestaltung besteht nicht nur aus ‚Screen-Design‘, aus Schriftart, Schriftgröße, Farbe und geschickt manipulierten und positionierten Bildern. Auch das sachliche Konzept ist bereits Gestaltung. Die Seitenstruktur, die Navigation, die Auswahl und die Präsentation des sachlichen Inhalts sind ohne Berücksichtigung gestalterischer Aspekte nicht zu konzipieren. Hier zeigt sich aus meiner Sicht eine exemplarische Besonderheit des Web-Designs z.B. gegenüber dem Industrie- Design: Konzept, sachlicher Inhalt und Gestaltung bilden beim digitalen Produkt ‚Web‘ de facto eine unlösbare Einheit. Diese enge Verbindung ist vergleichbar mit Produkten der Kunst, des Grafikdesigns und des Films. Trotzdem bin ich der Auffassung, daß die Produktion von Webs arbeitsteilig erfolgen muß, weil die Palette der zu beherrschenden Probleme für einen ‚Einzelkämpfer‘ zu groß ist. Nachdem die Zielvorgaben eindeutig fixiert sind, sollte der Gestalter die Produktion des Webs dominieren und koordinieren und sich (mindestens in der Anfangsphase) möglichst wenig um die technische Umsetzung kümmern. Mit einem technischen Problem muß er aber von Anfang an rechnen: Bei allen Entwürfen ist zu berücksichtigen, daß es kein ‚Original‘ eines Webs gibt. Auf jedem Bildschirm sieht dieses digitale Produkt anders aus, abhängig von Bildschirmgröße, Auflösung, Grafikkarte, Browser und Betriebssystem. Mit dieser, für Gestalter deprimierenden Tatsache, muß der Web-Designer auf Dauer leben.

 

Die technische Umsetzung

Die technische Umsetzung der Konzeption des Webs ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil noch keine ausgereiften Tools dafür zur Verfügung stehen und die Technik des Internets die Gestaltungsmöglichkeiten radikal beschränkt. Deshalb wird der Designer hier eine ähnliche Situation wie z.b. im Industrie-Design vorfinden: Die meisten seiner kreativen Ideen sind technisch nicht machbar. Die Kompromißbereitschaft und die Kompromißfähigkeit ist unumgänglich. Auch hier ist aber Arbeitsteilung wieder sehr zu empfehlen, denn im Endeffekt geht es um die Entwicklung einer Software – und dafür gibt es Spezialisten. Die technische Umsetzung des Webs besteht aus Problemen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Die Eingabe von Text ist – abgesehen von der Schriftart – wie das Schalten beliebiger Links, unproblematisch. Bilder sind mit allen Techniken der Bildbearbeitung vorzubereiten. Dabei muß zwischen minimaler Dateigröße, Bildqualität und Farbpalette ein Kompromiß gefunden werden. Für die Animation von Texten und Grafiken gibt es inzwischen interessante Tools. Bewegte Bilder (Videos) sind derzeitig im Internet nur im Briefmarkenformat zu beherrschen, der Speicherbedarf ist sonst zu hoch. Eine Alternative zum Video stellt QuickTimeVR dar, wenn sich der Anwendungsfall dafür eignet. Für die Bearbeitung von Tonsequenzen existieren hervorragende Werkzeuge. Die Einbindung von Sound in ein Web ist kein Problem. Die große Frage aber ist, beim wem der Sound wirklich ankommt. Das hängt vom Browser und von der Ausstattung des Rechners beim Nutzer ab. Inzwischen werden WebBots und ganze Bibliotheken von Java-Applets angeboten. Damit werden immer wiederkehrende Funktionen in Webs modular bereitgestellt. Diese Bausteine werden einfach in das Web eingefügt (z.b. ein Bestätigungsfeld). Bleiben trotzdem noch ‚Sonderwünsche‘ offen, so sind sie nur durch Programmierung des Quelltextes zu lösen (Beispiel: DEGA im CA&D-Web).

 

Die Aktualisierung

Die Aktualisierung eines Webs wird in der Regel ganz vergessen oder unterschätzt. Die Life-Aktualität ist aber gerade ein entscheidender Vorteil des WWW. Deshalb ist ein Web nie fertig, es lebt, entwickelt sich und erfordert ständige Aktualisierung. Die Aktualisierung ändert in der Regel nichts am Konzept und an der Gestaltung des Webs. Meistens geht es darum, den sachlichen Inhalt zu aktualisieren. Deshalb fällt diese Aufgabe in die klassischen Ressorts Pressedienst und Öffentlichkeitsarbeit. Ein HTML-WYSIWYG-Editor ist das richtige Werkzeug für die Aktualisierung. Er ist wie ein Texteditor zu bedienen. Es bedarf nur einer klaren Zuordnung der Verantwortung, dann ist die Aktualisierung eines Webs gesichert.

 

Das Produktionsverfahren

Mit den bisher gesammelten Erfahrungen halte ich das folgende Verfahren für geeignet, ein umfangreiches Web in hoher Qualität zu realisieren:

1. Formulierung der Aufgabenstellung

Der Auftraggeber formuliert (schriftlich !), welche Ziele er mit dem Web erreichen will, aus welchen Teilen der Gegenstand des Auftrags besteht, was er wann, zu welchem Preis, wie und in welcher Qualität sehen will.

2. Zusammenstellung des Arbeitsteams.

Im Arbeitsteam müssen die Bereiche sachlicher Inhalt, Web-Design und technische Umsetzung durch kompetente Fachleute vertreten sein. Hilfreich ist, wenn bei Bedarf Spezialisten aus den Disziplinen Management, Marketing und Kommunikationsdesign konsultiert werden können. Im Team muß klar gestellt sein, wer die Leitung hat, denn der koordiniert und trifft die notwendigen Entscheidungen.

3. Entwicklung des sachlichen Konzepts

Das sachliche Konzept ist auf die ‚Portionierung‘ des sachlichen Inhalts, die optimale Navigation und die leichte Lesbarkeit des Webs ausgerichtet. Die Entwürfe dafür werden zur experimentellen Erprobung technisch umgesetzt: Praktisch ohne gestalterische Mittel und mit nur minimalem sachlichen Inhalt. Die im WWW lauffähige Seitenstruktur des Webs stellt das sachliche Konzept dar.

4. Entwicklung des gestalterischen Konzepts

Der Entwurf für das gestalterische Konzept sollte in der ersten Phase in mehreren Varianten und ohne den Rechner erfolgen. Dadurch wird vermieden, daß von Anfang an eine Beschränkung auf die vorhandenen technischen Möglichkeiten erfolgt. In einer zweiten Konzeptphase muß aber geklärt werden, ob und mit welchem technischen Aufwand das gestalterische Konzept zu realisieren ist. Dazu sind Teile des gestalterischen Konzepts mit minimalem sachlichen Inhalt technisch umzusetzen.

5. Zusammentragen des sachlichen Inhalts

Mit dem sachlichen Konzept steht fest, welcher sachliche Inhalt benötigt wird. Parallel zu allen anderen Aktivitäten kann der sachliche Inhalt (von den unterschiedlichen Verantwortlichen) angefordert, eingeholt und aufbereitet werden.

6. Entscheidung über das Konzept

Der Auftraggeber hat zu entscheiden, welches sachliche und gestalterische Konzept realisiert wird. Dazu werden ihm beide Konzeptteile, lauffähig im WWW vorgestellt. Varianten sind wünschenswert. Experimente mit unterschiedlicher Auflösung und verschiedenartigen Browsern sollten dem Auftraggeber vorgeführt werden. Zum Abschluß ist eineindeutig zu fixieren, welche Teile des Konzepts zu realisieren sind und welche Seitenstruktur das zukünftige Web besitzt.

7. Realisierung des Konzepts

Die Realisierung des Konzepts ist die Produktion des Webs. Sie beginnt mit dem endgültigen Aufbau der Seitenstruktur einschließlich der durchgängigen Gestaltungsvorgaben. Parallel dazu wird der sachliche Inhalt in die Seiten ‚eingefüllt‘. Erst jetzt werden auch die Links geschaltet. Es ist unbedingt darauf zu achten, daß eine ständige Kontrolle des entstehenden Webs über einen (oder mehrere, unterschiedliche !) Browser erfolgt.

8. Abnahme und Übergabe

Die Vorführung des Webs im WWW und die verbindliche Vereinbarung zur Erbringung von Restleistungen und zur Beseitigung etwaiger Mängel führt zur Abnahme und Übergabe. Die Behandlung von Nutzungs- und Urheberrechten muß unstrittig geregelt sein. Festlegungen zur laufenden Aktualisierung des Webs sind Sache des Auftraggebers. Es ist üblich, daß für die laufende Pflege und Aktualisierung des Webs ein WebMaster verantwortlich gemacht wird

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Webs an der Burg Giebichenstein im Jahr 1997

Mit den folgenden Bildern wird der Arbeitsstand der umfangreichsten Webs der Burg Giebichenstein dokumentiert. Es handelt sich um die Webs der Burg Giebichenstein, des Fachgebietes NTG, des Medienzentrums und des Instituts CA&D. Ihre Eingangsseiten und das Impressum werden mit dem publizierten Stand in der ersten Septemberwoche 1997 dargestellt. Da sich diese Webs in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden, unterschiedliche Funktionen erfüllen sollen und mit sehr unterschiedlichen Arbeitsmethoden realisiert wurden, scheint mir ein Vergleich und die Fixierung des Ist-Standes (auch im Hinblick auf die Web-Designer im Jahr 2022 !) sehr interessant. Um die Vergleichbarkeit zu erleichtern, werden die Webs nach einer einheitlichen Gliederung charakterisiert.

 

Das Web der Burg Giebichenstein

Starttermin: Mai 1996

Funktion: - Präsentation der Hochschule im Internet

- Information über Studienmöglichkeiten

- Information über aktuelle Ereignisse

- Schnittstelle zu HomePages von Mitarbeitern und Studenten

Umfang: ca. 30 Seiten (?)

Status: Eingeführtes Web, laufende Aktualisierung, Schnittstellen zu umfangreichen

Sub-Webs (z.B. Pressestelle, G. Nultsch)

Methode: ‚Alles aus einer Hand‘, All-round-'Könner', Burgwart und Student: Niklas Möller

 

Bild 3 Entwurf der Eingangsseite der Burg (Jörg Wittig) aus dem Jahr 1995 ( 1 )

 

Bild 4 Eingangsseite des Webs der Burg

Gegenwärtiger Stand: http://www.burg-halle.de

 

Bild 5 Impressum des Burg-Webs

 

Das Web des Fachgebiets NTG

Starttermin: April 1997

Funktion: - Information über das Fachgebiet Naturwissenschaftlich-Technische Grundlagen

- Mitarbeiter, Lehrveranstaltungen, Thesen zur Lehre

- Forschungsprojekte: Muskel-Solar-Mobil HALF, Kontakte mit Interessenten

Umfang: ca. 24 Seiten

Status: Eingeführtes, stabiles Web, laufende Aktualisierung

Methode: 'Alles aus einer Hand': Initiator und 'Macher' Karl Schikora

 

 Bild 6 Eingangsseite des Webs Fachgebiet NTG

Gegenwärtiger Stand: http://www.burg-halle.de/~ntg

 

 

Bild 7 Impressum des NTG-Webs

 

Das Web des Instituts CA&D

Starttermin: August 1997

Funktion: - Präsentation des Instituts CA&D im Internet

- Weltweite Suche nach Forschungspartnern

- Download der von CA&D entwickelten Software DECOS 3.3

- Erklärung der Handhabung dieser Software

Umfang: ca. 26 Seiten

Status: Entwicklung abgeschlossen, Testphase hat begonnen

Methode: Arbeitsteilung: Sachlicher Inhalt und Aktualisierung aus einer Hand,

Gestaltung und Spezialprogrammierung durch Spezialisten

 

Bild 8 Eingangsseite des CA&D-Webs

Gegenwärtiger Stand: http://www.burg-halle.de/~ca&d

 

Bild 9 Impressum des Webs von CA&D

 

Das Web des Medienzentrums

Starttermin: IV. Quartal 1997, abhängig von der Realisierung des gestalterischen Konzepts

Funktion: - Präsentation des Medienzentrums der Hochschule im Internet

- Vergleichbare Darstellung der im Medienzentrum arbeitenden Fachgebiete

- Information über Lehrangebote und Studienmöglichkeiten

- Information über Lehrmaterial im Netz

- Schnittstelle zu den Pages der Fachgebiete, der Mitarbeiter und Studenten

Umfang: ca. 60 Seiten

Status: Das sachliche Konzept ist realisiert und wir mit Inhalt gefüllt,

Das gestalterische Konzept erfordert den nochmaligen Umbau des Webs

Methode: Arbeitsteilung: Sachlicher Inhalt von unterschiedlichen Verantwortlichen,

Gestaltung, Spezialprogrammierung und Aktualisierung durch Spezialisten

 

Bild 10 Eingangsseite des Webs Medienzentrum (Sachliches Konzept)

Gegenwärtiger Stand: http://www.burg-halle.de/~mz

Das Web des Medienzentrum ist methodisch am interessantesten. Hier wird angestrebt, die Belange unterschiedlicher Fachgebiete und Personen dem Interesse einer Gesamtdarstellung des Medienzentrums unterzuordnen. Nur dadurch wird die Vergleichbarkeit der verschiedenen Fachgebiete für den von außen kommenden Web-Besucher möglich. Gleichzeitig aber werden Schnittstellen zu den eigenen Webs der Fachgebiete und der Mitarbeiter und Studenten geschaffen, über die der Besucher mehr erfahren kann, wenn er das will.

Bei diesem Web wurde versucht, das sachliche und das gestalterische Konzept arbeitsteilig zu entwickeln. Es wurde exemplarisch bewiesen, daß diese Verfahrensweise funktioniert. Die Bilder 8 und 9 zeigen das sachliche Konzept. Um beide Konzepte optimal zusammen zu führen, wird aber mehr Zeit benötigt, als bis zum Beginn des neuen Studienjahres zur Verfügung steht. Obwohl es organisatorisch und pädagogisch sehr vorteilhaft wäre, wenn dieses Web sachlich komplett und organisatorisch aktuell mit Beginn des Studienjahres genutzt werden könnte, wird dieses Interesse der qualitätsgerechten Gestaltung untergeordnet. Damit hat sich der Chefgestalter für dieses Web, Bernd Hanisch, gegenüber dem (drängelnden) Koordinator des sachlichen Inhalts durchgesetzt. Vorrang an einer Hochschule für Kunst und Design muß die Gestaltung haben.

 

Bild 11 Impressum des Webs Medienzentrum (Sachliches Konzept)

Das Web des Medienzentrums fügt sich nahtlos in das neue pädagogische Konzept des Fachgebiets Medientechnische Grundlagen ein. Dieses Konzept kann mit dem Schlagwort ‚Digitalisierung der Lehre‘ bezeichnet werden. Seit dem Studienjahr 1996/97 laufen die meisten Lehrveranstaltungen mit digitalen Präsentationen und Demonstrationen im Hörsaal des Medienzentrums ab. Das dazugehörige digitale Lehrmaterial steht den Studenten über das Intranet des Medienzentrums zur Verfügung. Durch den 24-Stunden-Betrieb des Medienzentrums ist der ständige Zugang zu diesem Material gesichert. Das Web des Medienzentrums stellt eine sehr sinnvolle Ergänzung zu diesem Lehrkonzept dar.

 

Rechtssituation im Internet

Der Deutsche Bundestag hat am 13. Juni 1977 das Multimediagesetz ( 6 ). verabschiedet. Sein offizieller Titel lautet: ‚Gesetz zur Regelung der Rahmenbedingungen für Informations- und Kommunikationsdienste‘ (IuKDG). Damit wurde die weitgehende Rechtsfreiheit beendet, die gleichzeitig auch eine beträchtlich Rechtsunsicherheit war. Das Gesetz legt fest, daß die Anbieter von Online-Diensten für eigene Inhalte ‚nach den allgemeinen Gesetzen‘ verantwortlich sind. Für fremde Inhalte, die sie auf ihren eigenen Systemen bereitstellen, sind sie ‚nur dann verantwortlich, wenn sie von diesen Inhalten Kenntnis haben und es Ihnen technisch möglich und zumutbar ist, deren Nutzung zu verhindern.‘ Für fremde Inhalte, zu denen sie lediglich den Zugang herstellen, tragen sie keine Verantwortung.

Klar geregelt sind damit zwei Fälle: Die Verantwortung für die eigenen Inhalte und die Straffreiheit für Links auf Seiten mit gesetzwidrigem Inhalt. Der dritte Fall, fremde Inhalte auf dem eigenen System, stellt eine Grauzone mit vielen Auslegungsmöglichkeiten dar.

Technisch ist die Veröffentlichung rechtswidriger Inhalte vielleicht auf dem eigenen System, nicht aber prinzipiell zu verhindern. Der spektakuläre Musterprozeß ( 9 ) gegen Angela Marquardt (Links zu den RADIKAL-Seiten) hat gezeigt, daß weltweit Mirror-Sites (Double eines Webs) entstehen, wenn der Server eines Anbieters gesperrt wird. Das Internet ist extrem resistent gegen inhaltliche Beschränkungen und jede Form von Kontrolle, Aufsicht oder Überwachung. Nur die technische Machbarkeit zählt. Hier liegt das rechtliche Dilemma des Internets. Der Pluralismus hat mit dem Internet das ihm entsprechende Medium.

Die Burg Giebichenstein ist mit dem Web-Server des Medienzentrums ein Anbieter von Online-Diensten und unterliegt damit dem Multimediagesetz (IuKDG), das am 1. August 1997 in Kraft getreten ist.

 

Literatur

( 1 ) Dannenberg, J.; Koschine, M.

Kommunikationsmöglichkeiten in Medienzentrum

(1995) Die Burg 9/95, Burg Giebichenstein

( 2 ) Dannenberg, J.; Koschine, M.

Kommunikationsmöglichkeiten in Medienzentrum

(1996) Mappe 1, Neuwerk 1, Burg Giebichenstein, Medienzentrum

( 3 ) Dannenberg – neuer Artikel XXX

(1997) Mappe 2, Neuwerk 1, Burg Giebichenstein, Medienzentrum

( 4 ) KENTIE, Peter

Web Graphics

Tools und Techniken für die Web-Gestaltung

(1997) Addison-Wesley Longman GmbH, Bonn, Paris u.a.

( 5 ) Monadjemi, Peter

Aktive Websites mit Dynamic HTML

(1997) PC Professionell, Oktober, Seite 256 - 261

( 6 ) N.N.

IuKDG in der Fassung des Beschlusses des

Deutschen Bundestages vom 13. Juni 1997

http://www.iid.de/rahmen/iukdgk.html#f1

( 7 ) N.N.

Web-Publishing, die besten Tips & Tricks der Profis

(1997) PC Professionell, Oktober, Seite 215 - 235

( 8 ) N.N.

PC-Shopping testet HTML-Editoren

(1997) PC-Shopping 8/97, Seite 96 - 105

( 9 ) NICLAS, Vilma

Freispruch zweiter Klasse im Berliner Internet-Strafprozeß

(1997) PC Magazin, September 1997

( 10 ) SIEGEL, David

Web-Site-Design

Killer Web Sites der 3. Generation

(1997) XXX

( 11 ) LIE Hakon Wium, BOS, Bert

Cascading Style Sheets, Layouts für das Web-Publishing

(1997) Addison-Wesley-Logmann

 

Autor

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Albrecht

Burg Giebichenstein, Halle/Saale

Fachgebiet Medientechnische Grundlagen

 

AL / 07.09.97 18:42 / 11.09.97 09:26 / 13.09.97 15:17 / 11.10.97 20:27 / 26.10.97 16:04

 


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