Prof. Dr. phil. habil. Hanne Bergius

Das Lachen Dadas - Klappentext

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Mit diesem Buch wird die bisher umfassendste Darstellung der Berliner DADA-Bewegung (1917-1922) vorgelegt. Die Zeit entscheidender politischer Ereignisse und Richtungskämpfe, der Zusammen-bruch des Kaiserreiches, die Novemberrevolution und die Konstituierung der ersten deutschen Republik ließen Berlin seit 1918 zum geeignetsten "Ort da..da.." werden. Mehr als in den anderen euro-päischen Dada-Zentren wurden die Dadaisten hier zu einer provozierenden Kulturrevolte herausgefor-dert. Sie reichte von linksradikalem Engagement bis zu autonomen ästhetischen Experimenten und wurde unfreiwillig auch vom hochstaplerisch-ironi-schen Gestus eines Welterlösers geprägt. In pro-duktiver Destruktion versuchte der ›Club Dada‹ ei-nen Ausbruch aus der "morsch verwesenden Kultur Europas". Den "geistigen und sozialen Mechanis-men der christlich-bürgerlichen Welt" wurde der Kampf angesagt und ein Entgiftungsprozß versucht, in den nicht nur bildende Kunst und Literatur, sondern auch Musik, Psychoanalyse, Philosophie und Politik hineingezogen wurden. Das Lachen erwies sich dabei als subversives Instrument der dadaistischen Kultur-Guerilla: als Instrument der Skepsis, der Sinnstörung und Aufklärung. Es sollte auch die durch den Ersten Weltkrieg ausgelöste Verzweiflung zu bewältigen helfen und den Haß auf die bürgerliche Gesellschaft in groteske Realitäts- und Kulturkritik umsetzen.

Im ersten Teil des Buches werden die Bewegungen vorgestellt, die Dada Berlins radikale Absage an das tradierte Menschen- und Kulturbild vorbereite-ten, im speziellen frühexpressionistische und futuri-stische Aktivitäten.

Der umfangreiche zweite Teil enthält Aufsätze zu den "energischen und intelligenten Persönlich-keiten" dieser Bewegung, sowohl zu den ›Kern-Dadaisten‹ als auch zu den peripheren Teilneh-mern. Nicht künstlerische Leistungen standen für sie im Mittelpunkt, sondern die Koinzidenz von ›Kunst‹ und ›Leben‹. Ihre unterschiedlichen Voraus-setzungen und Ausprägungen bündelte Dada in einem grotesken Spiel der Kunstlosigkeit, das die etablierten Kunstarten gesamtästhetisch zerstörte, um zu einer alle Sinne anregenden, umfassenden Weltsicht zu gelangen.

Der dritte Teil des Buches zeigt, wo und wie die Dadaisten die Zündschnüre legten, die zu den skan-dalösen Explosionen der Dada-Veranstaltungen führten. Der destruktive aktionistische Gestus und die symbolischen Aggressionen waren nach An-sicht der Berliner Dadaisten notwendig, um das ver-krustete Bewußtsein des bürgerlichen Publikums aufzusprengen und dessen Blick für die Realität auf ungewöhnliche Weise zu schärfen. Die Risse und Schocks, die Unvereinbarkeiten und Widersprüche der "gesamten brutalen Realität" sollten spürbar werden. Viele Dokumente und bisher nicht bekannte Materialien ermöglichen nun erstmals eine Rekon-struktion dieser legendären Dada-Manifestationen.

Dada, lange Zeit nur kleinen Avantgardekreisen bekannt, erreicht seit den siebziger Jahren das kriti-sche Bewußtsein und Lebensgefühl einer neuen Generation. Mit Dada verbindet sie die Verletzung und Umkehrung gesellschaftlicher und ästheti-scher Normen und das groteske Spiel mit einer anzuzweifelnden Gesellschaft. Mit Dada verbindet sie aber auch die Gefahr der kommerziellen Ver-einnahmung ihrer Protestformen.

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