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Im Unterschied zur Lehre und Forschung an der
Universität gibt es an der Hochschule für Kunst und
Design wissenschaftliche Forschungsgebiete, die unmittelbar von
der gegenwärtigen Praxis von Kunst und Design inspiriert
sind und ein wechselseitiges produktives Verhältnis zwischen
Theorie und Praxis anstreben. Insofern hat sich Forschung und
Lehre von Kunst, Design- und Architekturgeschichte an ei-ner Hochschule
der Künste den Anforderungen ge-genwärtiger Diskurse
und Auseinandersetzungen di-rekt und problembezogen zu stellen
und, aus der Gegenwart wahrgenommen, Deutungen der Ge-schichte
des Fachgebietes eher zu bedenken. Die Geschichte der Künste
(der freien, der nützlichen, der medialen, der architektonischen)
wird daher nicht in abgeschlossenen Phänomenen und Epo-chen
wahrgenommen, sondern in ihren Entste-hungs- und Handlungszusammenhängen,
in ihren Bedeutungsgebungen und Projektionen, ihren Nutzungen
und Wirkungen, denn es gilt den Weg vom historischen Bewußtsein
zum Handeln kritisch zu bedenken.
Die Forschung in den Geschichtswissenschaften
der Künste wendet sich jenen Gebieten zu, die von der etablierten
Kunstgeschichte der Universität bisher weniger in Betracht
gezogen wurden. Das betrifft vor allem die Geschichte des Design,
des Kunsthandwerks, der Gestaltung der Alltagskul-turen und der
Medien. Auch die Reflexion des Zu-sammenhangs zwischen den freien
und nützlichen Künsten würde als Forschungsgebiet
unmittelbar aus dem Kontext der Hochschule hervorgehen. Es wurden
von einer künstlerischen Assistentin For-schungsschwerpunkte
überdies angeregt, die sich mit der Hebung der ästhetischen
Qualität des Kunsthandwerks aus der sog. Dritten Welt in
einer Dissertation auseinandersetzen wollte. Auch könnte
die eigene historische Reflexion und Aufarbeitung der Fachgebiete
in den Forschungszusammenhang von Dissertationen treten. Hier
ist ein großer Bedarf in den Fachgebieten des Design und
des Kunst-handwerks da. Die Aufarbeitung des Fachgebietes z.B.
der Klasse Buchkunst und der Klasse Textil ist bisher allein von
den leitenden Professoren ausge-gangen, wäre aber durch Vergabe
von Dissertatio-nen ein großer Anreiz für die StudentInnen.
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Schwerpunkte meiner Forschung und Lehre sind folgende
Themen. Zu ihnen liegen Auf-sätze und Bücher vor und
sind überdies For-schungsprojekte geplant
(s. Publikationsliste ):
- Differenzen und Interdependenzen zwischen Kunst,
Design und Architektur
- Geschichte und Zukünfte des Körpers und seine medialen
Konstruktionen seit der Re-naissance
- Urbanität und Moderne seit dem 19. Jahrhun-dert. Die Großstadt
als Brennpunkt von Innova-tionen und Veränderungen , von
Wider-sprüchen und Auseinandersetzungen als Her-ausforderung
für die Künste, ihre Konzepte und Projekte.
- Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert und ihre Wirkung
auf die Künste und ihre Ver-hältnis zur Alltagskultur.
Ihre Reformprojekte zwischen Kulturpessimismus und Fortschritts-gläubigkeit.
Gestaltungsprojekte der Industrie-kultur bis zur Ablösung
durch die Computer-industrie.
- Das Verhältnis von High and Low Culture vom 19. Jahrhundert
bis zur gegenwärtigen
Kunstproduktion. Zur unterschiedlichen Auf-wertung der Trivialkultur
durch die Künste.
- Utopien der Avantgarden der Moderne vom sozialen Glück
und individueller Freiheit und ihre Infragestellungen durch die
Postmoderne.
- Ambivalenzen der Klassischen Moderne. Ihre Ästhetik und
Artistik zwischen Polaritäten der Konstruktion und Destruktion,
der Autonomie und des Engagements, der Ratio und der Irra-tionlität
, der Ironie und Melancholie. Sprengung der Künste von innen
und sozial-politisches Engagement nach außen. Die Än-derung
dieser polaren Konstellationen in der Postmoderne zu einem offenen
Prozess von Widersprüchen.
- Nietzsches Einfluß auf die Künste der zwan-ziger
Jahre, insbesondere auf Dada.
- Das internationale Beziehungsgeflecht der Künste seit den
zwanziger Jahren bis zur Ge-genwart:
1) Die Beziehungen zwischen europäischer und amerikanischer
Kunst-, Design- und Architek-turgeschichte : "fictions of
the west, fictions of Old Europe...", aber auch konkrete
Einflußnahmen, von den zwanziger Jahren über die Nachkriegsmoderne
bis in die Revisionen der Moderne und gegenwärtigen Diskussionen
der sog. Reflexiven Moderne hinein.
2) Die Beziehungen zwischen der Kunst Ost-europas und Westeuropas
seit den zwanziger
Jahren. Austausch künstlerischer und architek-tonischer Gestaltungsverfahren.
Die Bedeu-tung des Konstruktivismus überdies für den
Dekonstruktivismus.
3) Die Beziehungen zwischen asiatischer, im speziellen japanischer
und europäischer bzw.
amerikanischer Kunst-, Design- und Architek-turgeschichte - insbesondere
zenbuddhisti-scher Einflüsse auf die Ästhetik der Moderne.
Da das Interesse der StudentInnen an diesem Themenkomplex besonders
groß ist, sind hieraus zwei konkrete Forschungsarbeiten
entstanden, die sich als Dissertationen profi-lieren könnten
- in Architekturgeschichte über den Einfluß Japans
auf europäische bzw. amerikanische Architektur (am Beispiel
von Muthesius und Neutra u.a.) und im kunsthisto-rischen Bereich
über Zusammenhänge zwi-schen kalligraphischen Zeichensetzungen
und abstrakter Moderne im 2o. Jahrhundert.
- Entwicklung der Medien und hieraus resul-tierender neuer Gestaltungsverfahren:
Reflexion des "pictorial turn" schon seit den zwanziger
Jahren des 2o. Jahrhunderts.
- Das Avantgardeprinzip der Montage und sei-ne vielschichtigen
konzeptuellen Beziehungen zwischen Inventar und Widerspruch in
den unterschiedlichen "Ismen".
Die Verschleifung des avantgardistischen Widerspruchs durch die
Vereinnahmung des
Prinzips Montage durch die Kommunikations-medien bis zum Sampling
gegenwärtiger
Computerverfahren.
- Entwurfskulturen der Künste - ihre medialen Entwicklungen
und Veränderungen seit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.
Insbesondere das Verhältnis des Entwurfes zu technischen
und medialen Innovationen.
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