"The colours are a-changin´!"

Axel Müller-Schöll

Lokale Problemherde als Folge globaler Veränderungen treten zunehmend in unsere tagespolitische und kulturgesellschaftliche Wahrnehmung – akut (z.B. ethnisch verursachte Krisen) und chronisch (z.B. Naturkatastrophen). Für eine Auseinandersetzung vor Ort auf Hochschulebene fehlt meist eine adäquate dort ansässige Institution. Eine Art Task Force University of Design and Engineering könnte international zusammengesetzte Studiengruppen dorthin bringen, wo konzeptioneller und gestalterischer Ideentransfer brennend gefordert ist und so an Ort und Stelle experimentell und interdisziplinär initiativ werden – unter Einbeziehung und Anleitung lokaler Kompetenzen. 

Mit diesem Statement ist eine Vision beschrieben, frei erfunden und ohne Reminiszenz. Die Idee für die Verortung einer solchen Wander-Uni fußt zumindest auf einer wahren Begebenheit: Fast 30 Jahre lang hatte die US-Regierung versucht, ihren ehemaligen Flugzeugträger USS Oriskany abzuwracken. Alle möglichen Versuche der traditionellen Entsorgung waren schlussendlich zum Scheitern verurteilt: das 266 Meter lange Schiff war für ein diskretes Abstellen auf einem Schiff sfriedhof schlicht zu groß und das Zerlegen mit allen sich an Bord noch befindlichen kontaminierten Materalien unerwartet kompliziert. Schließlich wurde der ausgediente Gigant doch noch ausgebeint, im Frühjahr 2006 vor der kalifornischen Küste gesprengt und fungiert nun in 64 Metern Tiefe als größtes künstliches Riff der Welt, als gefragte Touristenattraktion für ambitionierte Taucher. Recherchen im Internet ergaben, dass bereits in Kürze der nächste Flugzeugträger, die 340 Meter lange USS Enterprise, zur Ausmusterung ansteht und damit die Frage der Entsorgung von Neuem aufgeworfen wird. Für (Innen-) Architekten und Designer kein beängstigender, sondern in erster Linie ein inspirativer Moment, um darüber über eine sinnvolle Alternative zu spekulieren.