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Prof. Dr.-Ing. Eberhardt
Scharnowski
Historie und Gegenwart des Lehrgebietes NTG
Mit der Entwicklung von Kunststoffsegelflugzeugen unter Leitung von Günter
Weber (1921 bis 1975) begann die Forschungsarbeit des Lehrgebietes an
der damaligen Hochschule für Industrielle Formgestaltung in Halle,
das heute den Namen Naturwissenschaftlich -Technische Grundlagen (NTG)
trägt. G. Weber entwarf in dieser Zeit die Prototypen WW-1 in Balsaholz
– GFK Sandwich – Bauweise und das Standardklassen
- Segelflugzeug We3 in Gemischtbauweise und wurde für
die Vermittlung der damals für Designer zunehmend wichtigen Hochpolymereren
- Technik an „die Burg“ verpflichtet. Ab 1967
arbeiteten Klaus Arndt und Eberhardt Scharnowski als Absolventen der TU
- Dresden in Lehre und Forschung und im Büro Frau Ute Dabrunz (bis
1996) mit. Diese 4 Personen bildeten damals das neu entstandene Lehrgebiet
„Technisches Gestalten“.
Die
Segelflugzeugentwicklung litt zwar unter der in der DDR damals staatlich
verordneten Abkehr vom Flugzeugbau, stellte aber für die teilnehmenden
jungen Ingenieure eine post- graduale Ausbildung in Flugzeugkonstruktion
dar, die nach 1961 an der TU - Dresden nur noch teilweise und unter anderen
Begriffen versteckt möglich war. Die Lehrinhalte,
die mit der Entwicklung der Gruppe in Halle für Designstudenten verfügbar
wurden, orientierten sich von vorn herein an
gegenständlichen Experimenten mit großer
Anschaulichkeit. Außerdem gab es praktischen Übungen und Anleitungen
zur Projektrealisierung mit Kunststoffen, entsprechend dem Umfeld der
mitteldeutschen Chemieindustrie (Buna, Leuna, Piesteritz u.a.). Die Maxime
war damals wie heute Leichtbau und geringster Materialeinsatz.
Weil die Computerzeit noch nicht angebrochen war, haben wir interessierten
Studenten u.a. das Straken vermittelt, eine Methode zur Definition von
Querschnitten sphärischer Körper mit realen Splines (Gebogene
dünne Leisten und spezielle Kurvenlineale) mit denen schon damals
komplexe Formen von Fahrzeugen Schiffen und Flugzeugen realisiert werden
konnten.

Nach Ende der damaligen Flugzeugaktivitäten und dem
Tode von G. Weber 1975 verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt auf Entwicklungsarbeiten
für den Leistungssport, und dies vor allem im sehr erfolgreichen
Rennschlittensport.
Für Optimierungen aerodynamischer Rennrodel - Verkleidungen (u. a.
Olympiasieg B. Glaß 1980) und spezieller Helmvarianten wurde regelmäßig
der noch
heute in Dresden Klotzsche betriebene Windkanal genutzt. Frühzeitig
standen Karbon- und Kevlarfasern neben anspruchsvollen Glasfaserprodukten
für diese Arbeiten zur
Verfügung. In dieser Phase wirkte besonders
Jürgen Wenzel (Absolvent TU - Dresden) mit, der von
1976 bis 1990 der Gruppe angehörte.
Daneben entstand von 1973 bis 1976 der
Fahrzeugprototyp rovomobil, unter Leitung von
Eberhardt Scharnowski.
Neu und flugzeuggemäß war der Aufbau des drehbaren Urmodells
auf einer Achse.
Dadurch wurde der Fahrzeugboden von vorn herein ein Teil der Karosserie.
Die Kenntnis vieler aerodynamischer Effekte und die Freude an der Gestaltung
führte zu einem für die für damalige Verhältnisse
ungewöhnlichen und
innovativen Formenkanon mit vielfältig schwingenden
sphärischen Flächen.
Die oben erwähnte Strakmethode wurde auf
die Spitze getrieben, sodass außer am mittleren Unterboden nirgendwo
mehr einfach gekrümmte Bereiche verblieben. Dies zu jener Zeit, als
die modernsten PKW die so genannte Trapezform (Golf I) hatten. Mechanische
Basis war ein Käfer - Chassis.
Trotz der allein verfügbaren
steilen Frontscheibe des Wartburg, erreichte rovomobil einen Luftwiderstandsbeiwert
von 0,234, welcher für straßentaugliche Experimentalfahrzeuge
eine Weltrekord darstellte, der 13 Jahre gehalten hat, und erst1989 von
Pininfarina mit einem Einzelstück unterboten wurde.
Der Windkanal in Dresden ermittelte den für Fachleute damals unglaublichen
Wert erst 1982.
Da war rovomobil schon 6 Jahre im Alltagsbetrieb gefahren, denn auf andere
„normale“ Autos hätten wir, wie die meisten DDR-Bewohner,
12 Jahre warten müssen. Klaus Arndt stellte 1980 noch einen zweiten
Prototyp, ein modifiziertes rovomobil, fertig.
Damals wurden
Studenten in Übungen auch mit aerodynamischen Formqualitäten
vertraut gemacht indem ihre individuellen 1 : 5 Modelle über Luftwiderstandsmessungen
optimiert wurden. Für Großmodelle im Maßstab 1:1 wurden
neue Methoden für extrem leichte und preiswerte Formkörper entwickelt
(mehr
zum rovomobil).
Nach der Wende wurde der Kennwert
des rovomobil 1990 in den Windkanälen großer Autofirmen bestätigt.
E. Scharnowski konnte dann bis 1992 noch weitere
12 Projekte für die VW - Forschung bearbeiten. Dabei
wurde u. a. eine 1:1 Idealform auf Rädern entwickelt, die mit dem
cw von 0,089 und sehr niedrigem Heckauftrieb neue Wege wies.
Nachdem K. Arndt in freiberufliche Tätigkeit wechselte, stieß1984
Karl Schikora zu uns, ebenfalls Absolvent der TU – Dresden.
Er stellte viel später, nämlich in den ersten Jahren dieses
Jahrhunderts, als das Lehrgebiet nur noch aus ganzen 2 Personen bestand,
mit zusätzlichen Lehrangeboten und großem Engagement das zweite
Standbein in der Masse der Anforderungen.

1984 promovierte E. Scharnowski zum Dauerschwingverhalten
von GFK – Federn mit einer selbst entwickelten dynamischen
Prüfanlage.
Außerdem kandidierte er von 1985 bis 1989 erfolgreich mit diversen
Designprojekten als Mitglied des Verbandes Bildender Künstler.

Nach seiner Berufung zum Professor im Jahr 1992 standen Forschungen an
muskulär – elektrisch betriebenen ultraleichten
Fahrzeugen mit 17 fahrbaren Prototypen HALF
im Mittelpunkt. In dieser Phase, die auch mit Drittmitteln des Landes
Sachsen Anhalt gefördert wurde, arbeitete ab 1996 Dr. Ingolf Merkel
mit (bis 2001), der außerdem starken Einfluss auf die zunehmende
Vermittlung von CAD / CAM Techniken an Studenten hatte. Außerdem
begleitete Elke Habermann als Diplomdesignerin diese Entwicklungen 4 Jahre
lang mit Designentwürfen, Ergonomieuntersuchungen und innovativen
Darstellungen am Rechner.
Karl Schikora und Dr. Ingolf Merkel konnten als Fahrer auf HALF –
Fahrzeugen diverse Solarmobilmeisterschaften für sich entscheiden,
u.a. die Deutsche Meisterschaft 1996.
Seit 1998 stehen
zunehmend Forschungen und Projektbetreuungen zum Flugzeuginterieur für
Großflugzeuge und Business- Jets sowie für Caravans und Yachten
im Mittelpunkt, womit das Lehrgebiet an historische Wurzeln anknüpfen
konnte.
Wegweisend war die Realisierung eines Duschkompartements in
LD3 Luftfrachtcontainer - Form,
der, aus einer Studienarbeit entwickelt und an der „Burg“
im Rahmen des Aninstitutes CA&D realisiert, als eines der ersten Versuchsobjekte
im dynamischen Teil des Megaliner – Demonstrators in Hamburg Finkenwerder
(Airbuswerk) eingebaut wurde. In der Folge dieser und vieler anderer flugzeugnaher
Studien und Diplomarbeiten, die NTG auch gemeinsam mit weiteren Kollegen
betreut hat, sowie auch außeruniversitärer Aktivitäten,
konnte im Jahr 2003 ein Drittmittelprojekt des BMWA
innerhalb des Verbundprojektes KATO - fortschrittliche Kabinentechnologien.
eingeworben werden. Nicki Bader konnte somit bei NTG für vier Jahre
eingestellt werden, wovon der seit 2000 definierte Studienschwerpunkt
Flugzeugdesign,
und weitere Lehrangebote profitieren.
Nach 1990 entwickelten sich im Kontext der Forschung die Lehrmethoden
und Inhalte weiter.
Perspektive, Technisches Zeichnen sowie fakultative Übungen in Statik
wurden nach 1990 neu angeboten ( zur
Lehre).
Karl Schikora hat die Nutzung von Internettechnologien
und e-lerning als Forschungs- und Unterrichtsschwerpunkt zusätzlich
zu den klassischen - und Kunststoff – Technologien seit Mitte der
90’er Jahre mit großem Erfolg ausgebaut (näheres
dazu).
Alljährliche sportliche Wettkämpfe mit selbst gebauten Objekten
unter Last animieren Lehrinhalte zu Konstruktion und Werkstoff bei
Prof. Dr. E. Scharnowski (Link
zu Werkstoffverhalten/ Konstruktion).
Dies, und der praktische Kunststoffmodellbau (Link)
ergänzen die unverzichtbaren Vorlesungen als Übungen (Link
zu Inhalte der Lehre).
NTG hatte immer enormen Zulauf
von Studenten aller Fachgebiete aus Design und Kunst.
Schon die „normalen“ 7 Veranstaltungen gemäß
Lehrplan umfassen bis zu 50 Studenten gleichzeitig.
Daneben holen sich die Studenten in Einzelkonsultationen Rat zu allen
nur denkbaren Problemen, die bei ihren Designprojekten vorkommen, und
das ist sind nicht nur die rein wissenschaftlichen.
Auf diese Weise vermitteln wir Technik und Gestaltung ganzheitlich in
Grund- und Hauptstudium sowie als Diplombetreuung.
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