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Jan Wätzold: "Fußball ist keine Kunst - von wegen"
FRITZ Juli Ausgabe Halle/Saale und Ausgabe Leipzig


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  Fußball ist keine Kunst - von wegen

Im Juli verlassen die kickenden Künstler der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ihren heimischen Rasen, um der nationalen Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Ziel dieser doch eher seltenen Auswärtstournee ist Halle und das hat nicht nur sportlich Gründe. Denn die hallesche Kunsthochschule Burg Giebichenstein veranstaltet zum einen ein Fußball-Großfeldturnier mit Teams aus ganz Deutschland und schlägt dabei zum anderen einen eleganten Querpass zur Ausstellung „Das Runde muss in das Eckige".
Seit Zinedine Zidane, der gut erzogene Fußballer und Traum vieler französischer Schwiegermütter respektive Albtraum angel-sächsischer National-Kicker, seinem runden Spielgerät mit feinem Füßchen Streicheleinheiten verpasst, statt es bloß zu treten,überschlagen sich verzückte Sport-Kommentatoren und nennen die Worte Fußball und Kunst in einem Atemzug. Und vielleicht ist es ja auch manierlichen Imageträgern wie Zidane oder Pop-ArtKickern wie David Beckham zu verdanken, dass die Fußballmuse neuerdings auch die Kunststudenten inspiriert. Denn vom 16. bis 25. Juli regiert an der Burg allein König Fußball: Bei der Ausstellung "Kunstrasen 2004 Das Runde muss in, das Eckige" und dem großen Turnier für Hochschulmannschaften dreht sich alles um das weltumspannende Spiel mit dem runden Leder.
Über 200 Kunststudenten von 14 Hochschulen verschiedener Genres -- darunter die Filmhochschule -'Babelsberg, die Medien-Hochschule Köln, die Kunstakademie Düsseldorf



  oder die Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe sowie zwei Delegationen aus dem schweizerischen Luzern und Biel - werden im Juli in Halle erwartet, „um an den Offenen Deutschen Fußballmeisterschaften für Kunsthochschulen teilzunehmen", wie Holger Neumaier, hallescher Burgstudent und Fußballfan, das Turnier gern hinter vorgehaltener Hand nennt.
Mit seinen Kommilitonen Sascha Bähre, Sven Märkisch und Thomas Jeschner bildet Holger Neumaier den Mannschaftsrat des Teams, welches das Fußballturnier auf der Ziegelwiese und besonders die parallel dazu laufende Ausstellungspremiere „Kunst Rasen 2004" im Volkspark aus der Taufe gehoben hat. Der Fußballvergleich der Kunsthochschulen findet indes bereits zum 14. Mal statt. Erstmals jedoch ist Halle Austragungsort des akademischen Großfeldvergleichs. „Die Studenten werden nicht in Hotels wohnen, sondern auf dem Hof im Neuwerk campieren", sagt Sascha Bähre. Eine Art olympisches Zeltlager mit Kennenlern-Potenzial werde dazu aufgebaut. Anpfiff ist am 17. Juli um 10 Uhr auf dem grünen Teppich der Ziegelwiese. „Gespielt wird in zwei Gruppen mit anschließendem K.o.-System", erklärt Sascha.
Für Zuschauer wird rund um die Ziegelwiese ein familienfreundliches Ambiente mit gegrilltem Studentenfutter und Bierwagen gestaltet. Zahlreiche kleinere Sponsoren aus dem GiebichensteinViertel haben sich ohne viel Feilschen vor den Karren spannen lassen, „weil die finanziellen Möglichkeiten der Hochschule momentan sehr begrenzt sind", weiß Holger Neumaier um die Sparzwänge der Burg. „Kunst Rasen_2004"
  Von der Peißnitz wird der Querpass zum Volkspark geschlagen. Dort zeigen Studenten der Burg abseits des sportlichen Grüns in einer Ausstellung unter der Überschrift „Kunst_ Rasen 2004 - Das Runde muss in das Eckige", wie sie das Thema Fußball kreativ interpretieren. Weit über 100 Exponate von 30 Künstlern - von Keramik, über Fußballtrikot-Mode bis zu Bildern und Fotografien aus Bundesligastadien - verwandeln den Saal im Volkspark in ein retrospektives Sportstudio. Und die Studenten sind experimentierfreudig. Stadiongesänge erklingen im Hintergrund, Fernsehkommentatoren kommen zu Wort und die Katakomben im Volkspark bekommen einen fußballtypischen Anstrich.
Dass Fußball in der Kunst indes keine Männerdomäne ist, beweisen beispielsweise die Mode-Kreationen von Studentinnen wie Cornelia Ohlendorf, die das Thema Fußball in ihren grasgrünen Kleidern verarbeitet. Davon überzeugen können sich Besucher vom 17 bis 25. Juli täglich von 17 bis 2, Uhr. Eröffnet wird die einwöchig( Symbiose aus Sport und Kunst an 16. Juli um 19 Uhr im Volkspark Nach den obligatorischen Reden von Professoren und Gästen wer den die Kunststudenten und ih Fußballbesuch auf einer standesgemäßen Opening-Party im Noise Deluxe die Puppen tanzen lassen Der Eintritt dazu sowie auch zu Ausstellung ist frei.