Von der Suppenküche zum Home Office

Zum Verhältnis von Arbeit und Leben in der Geschlechterforschung

Quelle: "A Woman's Work Is Never Done," 1974. Red Women’s Workshop.

„Nicht wir haben die Minuten, die Minuten haben uns“[1], so lautet das titelgebende Zitat aus der Milieu-Studie von Regina Becker-Schmidt, in der sie mithilfe von biographischen Interviews die widersprüchlich strukturierten Lebenszusammenhänge von Fabrikarbeiterinnen im Wechsel von gesellschaftlich anerkannter Akkord-Arbeit und Haushalts- wie Erziehungsarbeit im Privaten aufzeigte. Mit ihrer Studie von 1982 fasste Becker-Schmidt dabei anschaulich und präzise den Spagat zwischen Lebens- und Arbeitswelt zusammen. Die Auseinandersetzung mit den Zusammenhang von Arbeit und Leben gehört dabei zu den Klassikern der feministischen Kritik. Von der ersten Frauenbewegung bis heute ist die Analyse dieses auf den ersten Blick gegensätzlichen Begriffspaars ein zentraler Gegenstand der feministischen Gesellschaftskritik.

Im Seminar wird es darum gehen, die verschiedenen Etappen der feministischen Theoriebildung in Bezug auf den Zusammenhang von Arbeit und Leben exemplarisch nachzuzeichnen. Anhand einer zeitgeschichtlichen Einordnung sollen hierbei sowohl Entwicklungslinien und (Um-)Brüche der Kritik herausgearbeitet werden als auch der Zusammenhang von  polit-ökonomischen Veränderungen und gesellschaftlichen Verhältnissen aufgezeigt werden. Der Streifzug durch die feministische Theoriebildung wird Vertreter*innen verschiedener Generationen und Schulen zu Wort kommen lassen – von den sozialistischen Frühfeministinnen über Theorie- und Praxisansätze der zweiten Frauenbewegung bis hin zu aktuellen Diskussionen um die sogenannte „Work-Life-Balance“, bezahlte und unbezahlte "Care-Arbeit" oder Schlagwörter wie „Arbeit 4.0“. Der Fokus des Seminars wird dabei neben der Frage nach dem jeweiligen Begriff von Arbeit und Nicht-Arbeit besonders auf der räumlichen und formellen Gestaltung der Erwerbs-, also auch der Erziehungsarbeit liegen und sie ins Verhältnis zu staatlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von privater und öffentlicher Verantwortung setzen. Anhand von Beispielen aus der Geschichte der modernen Architektur und der Gestaltung technischer Artefakte wird das Thema für die Studierende anschaulich und praxisnah aufbereitet.

Ziel des Seminars ist es, den Studierenden einen Überblick über die Etappen feministischer Kritik in Bezug auf das behandelte Themenfeld zu geben und ein Fundament für die systematische Einordnungen gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungszusammenhänge in Bezug auf die Kategorie Geschlecht zu legen. Hierbei soll der Umgang mit theoriegeleiteten Texten eingeübt und die Fähigkeit zur Einordnung gesellschaftlicher Phänomene und Ordnungsprinzipien in ihren historischen Entstehungszusammenhang erlernt werden. Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur intensiven Textarbeit sowohl in Einzel- als auch Gruppenarbeit.

Teilnehmer*innen: max. 12 Personen

[1] Becker-Schmidt, Regina/Brandes-Erhoff, Uta/Karrer, Marva/Knapp, Gudrun-Axeli/Rumpf, Mechthild/Schmidt, Beate (1982): Nicht wir haben die Minuten, die Minuten haben uns. Zeitprobleme und Zeiterfahrungen von Arbeitermüttern in Fabrik und Familie. Bonn: Verlag Neue Gesellschaft

 

Lehrende(r)

  • Annika Sominka

Voraussetzungen

Regelmäßige Teilnahme, Lektüre der Grundlagentexte, Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und bei der gemeinsamen Textdiskussion.

Studienjahr

ab 1. Studienjahr

Abschluss

Bachelor und Master

Pflicht/Wahlpflicht/Wahl

Wahlpflicht

Kursbeginn

22.04.2020

Ort

Villa, Raum 102

Zeit

Mittwochs, 14:00-15:30 Uhr

Lehrende(r)

  • Annika Sominka

Voraussetzungen

Regelmäßige Teilnahme, Lektüre der Grundlagentexte, Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und bei der gemeinsamen Textdiskussion.

Studienjahr

ab 1. Studienjahr

Abschluss

Bachelor und Master

Pflicht/Wahlpflicht/Wahl

Wahlpflicht

Kursbeginn

22.04.2020

Ort

Villa, Raum 102

Zeit

Mittwochs, 14:00-15:30 Uhr