Ein Manual zum Streiten. Oder: Welche Rolle spielen Argumente im politischen Diskurs und wo liegen ihre Grenzen?

WORKSHOP
Christoper Roser
Sa, 8. und So, 9. Dezember, jeweils 10-14 Uhr, sowie im Anschluss, 15-18 Uhr Zeit für individuelle Konsultationen
Großer Seminarraum im Schleifweg 6

Für den Master Kunstwissenschaften (kumulativ nach Stunden anrechenbar im Modul 3: Reflexive Praktiken); Offen für Studierende der Kunst, Kunst auf Lehramt und der Kunstpädagogik nach Maßgabe der noch freien Plätze. Fakultativ auch für den Master Design Studies belegbar.

Streit der Schatten. 2019 © Anouk Aimée Hanel

Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind!

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Weihnachtsansprache 2018

 

Der Mensch soll nicht ein Leben ohne Untersuchung und Kritik führen.

Sokrates in Platon’s Verteidigung des Sokrates, 38a

 

Durch das immer konfrontativere Auftreten neuer Bewegungen wie der Identitären Bewegung, Pegida, und der AfD zur Rechten oder der Antifa zur Linken kommen die Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft in Deutschland, Europa, und der ganzen Welt immer klarer zum Vorschein. Zugleich wird durch neue ‚argumentative‘ Strategien, wie sogenannten Fake-News oder dem ‚Whataboutism’, die Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Gruppen immer komplizierter. Daher ist es gerade jetzt wichtig zu untersuchen, wie man mit Andersdenkenden argumentieren und streiten kann. Dies zu untersuchen ist das Ziel unseres Workshops.

Dabei werden wir sowohl die lange philosophische Tradition als auch neuere Theorien zu diesem Thema zu Hilfe zu nehmen. Das miteinander argumentieren ist seit der Antike eines der zentralen Anliegen der Philosophie: Sokrates, der paradigmatische Philosoph schlechthin, spricht, argumentiert, und streitet mit denen die er auf dem Marktplatz trifft, genauer gerade mit denen die eine radikal andere Meinung vertreten, wie Thrasymachus und Callicles. Ein paar Jahre später trifft Deleuze den Rhetoriknagel auf den Kopf, wenn er fragt, was gäbe es zu diskutieren, wenn die Dialogpartner*innen sowieso selbiger Meinung seien! Gerade im 20. & 21. Jahrhundert wird Streitkultur philosophisch neu aufgegriffen und mit neuen Ideen und Form der Kritik bereichert, von Philosophen wie T.W. Adorno, Chaim Perelman, Michel Foucault, Jacque Derrida, Doug Walton, Judith Butler, und Jürgen Habermas. Wir werden diese Philosophen und ihre Ideen zu Argumentation und Kritik als theoretischen Hintergrund und Hilfe heranziehen bei der Betrachtung der Rolle von Argumenten und der Möglichkeit von Kritik im gegenwärtigen politischen Diskurs Gebrauch zu machen, z.B. bei der Analyse von politischen Reden oder Grundsatzprogrammen.

 

In der Erforschung dieses Thema, steckt sich der Workshop drei Hauptziele:

1) Wir untersuchen, wie man über zentrale politische Themen, wie z.B. ‚Wie sollen wir leben?‘ und ‚Was ist eine gerechte Gesellschaft?‘, streiten kann, um dabei unsere argumentative Fähigkeiten zu schärfen. Dabei werden wir Themen betrachten wie ‚Was sind gute Argument?‘, ‚Was sind Fehlschlüsse und Sophismen und wie kann man ihnen entgegnen?‘, und ‚Welche Rolle spielen rhetorische Taktiken?‘.

2) Wir fragen uns, ob, und wenn ja wieso, es wichtig sein könnte mit explizit Andersdenkenden und politischen Gegner_innen überhaupt öffentlich zu streiten und d.h. sich argumentativ und nicht beleidigend, sondern prinzipiell auf ‘Augenhöhe’, auseinanderzusetzen.

3) Wir diskutieren was Argumente erreichen können, und wo die Grenzen des Argumentierens liegt.

 

Um eine formlose kurze Voranmeldung per E-mail wird gebeten: philosophyinpublic@gmail.com.  Come join us. Let’s see where the arguments carry us!

Vorbesprechung am 16. Oktober 2019 im Schleifweg 6 um 14:15 Uhr

 

Name der Lehrenden / Name of Teacher

Chris Roser, M.A.

 

Veranstaltungsart und -methodik / Teaching and working methods 
Workshop

 

Verwendbarkeit / Applicability 
Kunst: Fachwissenschaft Philosophie

Kunst (Lehramt): Philosophie (WK-PhG)

Kunstpädagogik (Diplom): Philosophie

MA Kunstwissenschaften: Modul 3 Reflexive Praktiken

 

Lernziel, Qualifikationsziele / Objectives, Learning Outcome für den Master Kunstwissenschaften

  • anhand einer tätigen Verbindung aus Theorie und Praxis wird sowohl auf das Projekt (Modul 5) wie auf die Masterarbeit (Modul 8) vorbereitet.

  • Auslotung von Chancen und Grenzen der jeweiligen reflexiven Praktiken im Vollzug

  • Bildung eigener Schwerpunkte aus kunstwissenschaftlichem, philosophischen oder kunstpädagogischen Anwendungsfeldern

  • Erlernen eines teamorientierten und projektbasierten Vorgehens

 

Beurteilung / Assessment 

Studierende der Kunst: unbenoteter Teilnahme oder Leistungsschein (benotete Hausarbeit oder mündliche Prüfung)

Studierende Master Kunstwissenschaften: Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder Modulprüfung mit Teilnahme (T), Hausarbeit (H) oder mündliche Prüfung (M)

 

Verwendbarkeit / Applicability 

MA Kunstwissenschaften: Modul 3 Reflexive Praktiken

 

Zugangsvoraussetzung / Prerequisites
keine

 

Umfang in SWS / Semester periods per week

1 SWS (kumulativ anrechenbar)

 

Häufigkeit, Dauer und Termine, Ort des Angebots / Appointed time and location

Workshop: Sa, 8. und So, 9. Dezember, jeweils 10-14 Uhr, sowie im Anschluss, 15-18 Uhr Zeit für individuelle Konsultationen

Großer Seminarraum im Schleifweg 6

 

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub