Immanuel Kant: »Kritik der Urteilskraft« (über das Erhabene und Schöne)

SEMINAR (Ästhetik/Philosophie)
Prof. Dr. Mirjam Schaub
Donnerstag: 16:15–17:45 Uhr
Seminarraum in der Bibliothek, Neuwerk 7
Beginn: 17. Oktober 2019

Geeignet für Studierende aller Fächer der Kunst sowie für den Master Kunstwissenschaften (Modul: 2: Theorien und Diskurse). Fakultativ belegbar auch für Masterstudierende der Design Studies.

Emil Doerstling: Kant mit Freunden, 1892/93. (Public Domain)

Immanuel Kant erklärt das Schöne zu einem quecksilbrigen Begriff, der allgemeines Wohlgefallen ohne jede nähere Bestimmbarkeit ausdrückt und damit zugleich Raum schafft für unübersehbar viele, neue, überraschende Wahrnehmungen und Reflexionen. Seine »Kritik der Urteilskraft« (1790), konzipiert u.a. als eine Geschmackskritik, ist ein funkensprühendes Spätwerk, das es in sich hat. Nach dem Urteil nicht weniger Forscher_innen krempelt es die beiden vorangegangen Kritiken völlig um. Statt weiter auf einen streng hierarchischen Gebrauch der menschlichen Gemütskräfte zu pochen – für Kant sind das ideengebende Vernunft, begriffsgebender Verstand und bildgebende Einbildungskraft –, entdeckt der Philosoph aus Königsberg hier das „freie Spiel“ der Gemütskräfte. Weil es keine der drei Kräfte privilegiere, verschaffe es enorme Lust, sowie das Gefühl, lebendig zu sein und zur Welt „zu passen“.

Kant findet eine Erklärung für den seltsamen Umstand, warum man über Geschmack nicht streiten kann, während wir genau das unablässig und oft erbittert tun. Warum wünschen wir so dringlich, dass unser ästhetisches Urteil sich verallgemeinern lasse – obwohl genau das völlig unmöglich ist? Kant entwickelt einen philosophisch-psychologische Erklärungsansatz, der bis heute Bezugspunkt für rezeptionsästhetische Betrachtungsweisen ist, u.a. für Rüdiger Bubners Klassiker Ästhetische Erfahrung (1989). Warum bis auf die Pyramiden, den Petersdom und eine nie gesehene, längst verschollene Myron-Skulptur (einer Kuh) in Kants Dritter Kritik keine Kunstwerke, wohl aber Designgegenstände als Beispielgeber auftauchen, ist angesichts des berühmten Diktums vom ‘interesselosen Wohlgefallen’ erklärungsbedürftig. Zum Entsetzen seiner Zeitgenossen begeisterte sich der Philosoph stattdessen für „ohne Absicht“ verschlungene Tapetenmuster, „Zierrat“, Körperbemalungen bei den Irokesen und – für Frauenkleider.

Wir werden im Seminar gemeinsam die sog. „Analytik des Schönen“ lesen (Erstes Buch, §§1-22) und in Referaten auch das sich anschließende, zweite Buch über das Erhabene vorstellen. Das Ästhetik-Seminar eignet sich gut, um sich mit wichtigen Grundbegriffen des wohl wichtigsten Philosophen der deutschen Aufklärung vertraut zu machen.

Mitzubringen sind keinerlei Vorkenntnisse, nur Neugierde und Interesse und sodann: geduldige Lektüre.

 

Literatur und Vorbereitungsempfehlung / Literature and recommendation on preparation

  • Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Beilage: Erste Einleitung in die Kritik der Urteilskraft. Mit Einleitungen und Bibliographie hg. von Heiner F. Klemme. Mit Sachanmerkungen von Pierro Giordanetti (=Phil.Bibl. Bd. 507), Hamburg: Felix Meiner, 2006.

 

Name der Lehrenden / Name of Teacher

Prof. Dr. Mirjam Schaub

 

Veranstaltungsart und -methodik / Teaching and working methods 
Seminar

 

Verwendbarkeit / Applicability 
Kunst: Fachwissenschaft Ästhetik oder Philosophie

Kunst (Lehramt): Philosophie (WK-PhG)

Kunstpädagogik (Diplom): Philosophie

MA Kunstwissenschaften: Modul 2 Theorien und Diskurse

 

Lernziel, Qualifikationsziele / Objectives, Learning Outcome

  • Erarbeitung theoretischer und diskursiver Zugänge zu historischem Wissen

  • Einbindung disziplinärer und transdisziplinärer Theorien zum tieferen Verständnis der jeweiligen Fachdisziplinen

  • Fähigkeit, das kulturelle, gesellschaftliche und politische Diskursfeld, in dem sich die Inhalte bewegen, zu reflektieren

  • Bildung eigener Schwerpunkte und Forschungsansätze auf der Basis der Vernetzung, Reflexion und Pointierung des Themenspektrums

 

Beurteilung / Assessment 
Studierende Kunst: Teilnahmeschein (unbenotet), Leistungsschein (Kurzreferat und benotete Hausarbeit);

Studierende Kunst (Lehramt): Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder/und Modulprüfung (Präsentation und benotete schriftliche Hausarbeit);

Studierende der Kunstpädagogik (Diplom): Teilnahmeschein (unbenotete Präsentation) oder Leistungsschein (benotete Hausarbeit);

Studierende Master Kunstwissenschaften: Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder Modulprüfung (Präsentation plus benotete schriftliche Hausarbeit)

 

Zugangsvoraussetzung / Prerequisites
keine

 

Umfang in SWS / Semester periods per week

2

 

Häufigkeit, Dauer und Termine, Ort des Angebots / Appointed time and location
Donnerstag, 16:15-17:45 Uhr
Beginn: 17. Oktober 2019

Ort: Seminarraum in der Bibliothek im Neuwerk 7

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub