Politik und Erschütterung.
Adornos »Ästhetische Theorie«

SEMINAR (Philosophie/Ästhetik)
Dr. des. Iris Dankemeyer
Dienstag, 16:15 – 17:45 Uhr
Großer Seminarraum im Schleifweg 6
Beginn: 15. Oktober 2019

Geeignet für Studierende aller Fächer der Kunst sowie für den Master Kunstwissenschaften (Modul: 2: Theorien und Diskurse). Fakultativ belegbar auch für Masterstudierende der Design Studies.

Adorno Returns, existentialcomics.com/comic/251

Die „Ästhetische Theorie“ Adornos erschien posthum vor knapp einem halben Jahrhundert. Vieles, vielleicht fast alles hat sich seitdem in der Kunst verändert. Ewige Wahrheiten gibt es nicht. Was will uns das alte Buch also heute noch sagen?

Zweifellos enthält der unvollendete Text eine zeitlose Problembestimmung, die immer wieder neu diskutiert werden muss: das Verhältnis von Kunst und Politik. Adornos Kunstbegriff gleicht zunächst einer schwärmerischen Beschwörung – Werke sind wie magnetische Felder, in denen geheime Suggestivkräfte wirken. Ästhetische Gebilde sind Himmelserscheinungen, deren Wirkung mit seltsamen Begriffen wie „Explosion“, „Schauer“ und „Erschütterung“ beschrieben wird. Ausgerechnet der berüchtigte „Rätselcharakter“ soll nach Adorno zum berühmten „Wahrheitsgehalt“ führen. Scheinbar macht Kunst gleichzeitig Gänsehaut und Bewusstsein. Politik macht sie so nur höchst mittelbar, dafür angeblich umso wirkungsvoller. Finster und radikal, abstrakt und parteiisch soll Kunst sein, eine Kritik am Konformismus, eine Volte gegen Versagung, ein Angriff auf die Armut und irgendwie auch ein Stück Glück in aller Verzweiflung!

Wer wissen will, warum gerade das Asoziale gesellschaftlich relevant und Aktivismus keine künstlerische Option ist, findet bei Adorno eine leidenschaftliche Antwort. Sie muss nicht unbedingt überzeugen, aber sie kann die trockene Debatte über die Möglichkeit politischer Kunst befruchten.

Fragwürdig bleibt noch etwas ganz Anderes: Die „Ästhetischen Theorie“ kennt fast nur Beispiele aus Musik und Literatur, kaum wird moderne Malerei, an keiner Stelle Skulptur erwähnt. Dieses Buch muss also nicht nur gelesen, sondern eigentlich neu geschrieben werden!

 

Literatur und Vorbereitungsempfehlung / Literature and recommendation on preparation

  • Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. Frankfurt am Main 1970.

  • Lars Quadfasel: Adornos Leninismus (Jungle World 2013/ Heft

 

Name der Lehrenden / Name of Teacher

Dr. des. Iris Dankemeyer

 

Veranstaltungsart und -methodik / Teaching and working methods 
Seminar

 

Verwendbarkeit / Applicability 
Kunst: Fachwissenschaft Philosophie/Ästhetik

Kunst (Lehramt): Philosophie (WK-PhG)

Kunstpädagogik (Diplom): Philosophie

MA Kunstwissenschaften: Modul 2 Theorien und Diskurse

 

Lernziel, Qualifikationsziele / Objectives, Learning Outcome

  • Erarbeitung theoretischer und diskursiver Zugänge zu historischem Wissen

  • Einbindung disziplinärer und transdisziplinärer Theorien zum tieferen Verständnis der jeweiligen Fachdisziplinen

  • Fähigkeit, das kulturelle, gesellschaftliche und politische Diskursfeld, in dem sich die Inhalte bewegen, zu reflektieren

  • Bildung eigener Schwerpunkte und Forschungsansätze auf der Basis der Vernetzung, Reflexion und Pointierung des Themenspektrums

 

Beurteilung / Assessment 
Studierende Kunst: Teilnahmeschein (unbenotet), Leistungsschein (Kurzreferat und benotete Hausarbeit);

Studierende Kunst (Lehramt): Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder/und Modulprüfung (Präsentation und benotete schriftliche Hausarbeit);

Studierende der Kunstpädagogik (Diplom): Teilnahmeschein (unbenotete Präsentation) oder Leistungsschein (benotete Hausarbeit);

Studierende Master Kunstwissenschaften: Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder Modulprüfung (Präsentation plus benotete schriftliche Hausarbeit)

 

Zugangsvoraussetzung / Prerequisites
keine

 

Umfang in SWS / Semester periods per week

2

 

Häufigkeit, Dauer und Termine, Ort des Angebots / Appointed time and location
Dienstag, 16:15-17:45 Uhr
Beginn: 15. Oktober 2019

Ort: Großer Seminarraum Schleifweg 6

Lecturer

  • Iris Dankemeyer

Lecturer

  • Iris Dankemeyer