Unsere Kompliz*innen

Wir freuen uns, Euch im Laufe des Symposiums mutige, kritische und feinfühlige Beiträge unserer Gäste präsentieren zu können. Hier möchten wir Euch bereits auf sie aufmerksam machen und Euch weiterführende Links zur Vorbereitung bereitstellen, sofern ihr möchtet.

Die Reihenfolge der Referent*innen folgt keiner Hierarchisierung, sondern mehr oder weniger der Struktur unseres inhaltlichen Programms.

Anja Neidhardt

Besonders schätzen wir Anja Neidhardts kritisch-reflexiven Blick auf die Designdisziplin, der nicht nur sehr aufmerksam, sondern dabei perspektivreich, einladend und verbindend ist. Daher wollen wir mit ihr gemeinsam einen Blick auf die Designgeschichte werfen und auch über alternative und nicht erzählte Narrative nachdenken. Anja Neidhardt erforscht, welche Rolle alternative Designmuseen einnehmen könnten. Dabei befragt sie die Designdisziplin auf ihre Verquickung in und durch Systeme wie Patriarchat, Kapitalismus und weißer Vorherrschaft. Wie ihre Herangehensweise in der Praxis aussehen kann, illustrieren beispielhaft ihre Artikel The Politics of Display und Public Restrooms, die uns in der Planungsphase bereits sehr inspiriert haben.

Mayar El Bakry

Zum ersten Mal ist uns Mayar El Bakry auf dem digitalen Designsymposium Gendersensibles Design begegnet. Cooking with Stories, eine Kollaboration mit depatriarchise design und Romi Lee, war ihr Beitrag für die Critical Cooking Show der Istanbul Design Biennale. Auch in Kitchens of Care, nutzt die Designerin und Forscherin den praktischen Zugang des Kochens, um sich diesmal Fragen das Carings zuzuwenden. Mayar verbindet in ihrem Designansatz nicht nur dekoloniale und feministisch-intersektionale Erkentnisse, sondern ihre Arbeiten bestechen durch ihren Fokus auf  interkulturelle Austausch- und Dialogprozesse, die die Sichtweise auf das Alltägliche neu definieren. Daher freuen wir uns sehr, dass diese aktive und vielseitige Gestalterin zugesagt hat, zusammen mit ihrer Projektpartnerin Gabriela Aquije Zegarra unsere Auftaktveranstaltung performativ zu eröffnen.

Gabriela Aquije Zegarra

Die Landschaftsarchitektin und Designforscherin Gabriela Aquije Zegarra hat durch ihre Studien über den öffentlichen Raum, seiner Infrastruktur und die menschlichen Beziehungen darin, eine Arbeitsweise entwickelt, die tief in einer kollaborativen Praxis verankert ist. Durch ihren multikulturellen Werdegang bringt Gabriela eine sensible und vielfältige Erfahrung in ihre Arbeit ein. Seit sie 2020 den MSc. Design Research COOP absolvierte, verbindet sie gastro-politische und bioregionale Studien mit spekulativen Designmethoden, um den Lebensmittelkonsum und seine kulturellen und ökologischen Zusammenhänge zu erforschen. Neben anderen engagierten Projekten im Bereich der Food Circular Systems, gründete sie zusammen mit Mayar El Bakry die Cocinas Alterinas, ein Projekt, das Küchen als Orte der Pflege, der Erholung und des Widerstands versteht.

Maya Ober

Aufmerksam geworden sind wir auf Maya Ober durch ihre bahnbrechende, intersektionale, feministische Plattform für Designforschung depatriarchise design, die sie 2017 ins Leben gerufen hat und seit 2018 zusammen mit Anja Neidhardt leitet. Depatriarchise design ist zu einer Community von zahlreichen Mitwirkenden gewachsen, die über verschiedene Vermittlungs- und Ausbildungsformate hinweg arbeiten. Heute laden wir die Designerin, Forscherin und Aktivistin ein, über ihr neues Projekt, das offene Online-Verzeichnis feministcurricula.org zu sprechen, das sie in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Good for a Gxrl entworfen hat. Es erfasst und dokumentiert Design-Ausbildungsinitiativen, die feministische Perspektiven und Pädagogiken nutzen, um alternative Wege des Lernens, Lehrens und Praktizierens von Design zu erforschen.

Good for a Gxrl

Das Kollektiv Good for a Gxrl setzt sich zusammen aus dier Grafikdesignx Mathilde Avogadro, der Interactiondesignerin, Künstlerin und Machinelearning-Liebhaberin Iyo Bisseck und der franko-anglo-indischen Fotografin und Grafikdesignerin Elise Connor. Mathilde und Elise gründeten 2018 Good for a Girl als diskursiven Raum, um Designpraktiken und Designausbildung mit einer intersektionalen Perspektive zu hinterfragen. Seit 2019 leiten die beiden das Festivals Fête du Slip in Lausanne. Iyo, die vornehmlich an aktivistischen Projekten an den Schnittstellen von Kunst, Sozialwissenschaften, Kognitionswissenschaften und Computerwissenschaften arbeitet, ist als weiteres Mitglied zum zukunftsweisenden Kollektiv dazu gestoßen.

Lisa Baumgarten

Einigen ist Lisa Baumgarten sicherlich bereits im letzten Jahr begegnet, als wir plötzlich und unerwartet auf digitale Lehre umsteigen mussten. Das geteilte Dokument der kollaborativ denkenden Designerin ging zumindest unter den Designdozierenden viral und wurde stetig ergänzt und bereichert. Als Gast im BURG Podcast sprach sie über ihre Perspektive auf die Designausbildung. 2019 initiierte sie das partizipative Research-Projekt Teaching Design, das sich mit Designlehre aus intersektional-feministischer und dekolonialer Perspektive auseinandersetzt. In diesem Zusammenhang erprobt Lisa das Potenzial von Gesprächsformaten als Mittel zur Transformation der Designausbildung. Neben ihrer gestalterischen Praxis macht Lisa ihren zweiten M.A. in Kulturwissenschaften an der HU Berlin. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf der Designausbildung, ihren Verstrickungen mit dem Neoliberalismus und studentischem Aktivismus in Designstudiengängen.Wir freuen uns, mit ihr über fällige Strategien in der Lehre zu sprechen, was gerne auch mal unangenehm werden darf, aber vor allem Freude und neue Perspektiven offenbaren soll.

Katharina Evers

Im Seminar "Das Ende des Tagungsbandes" zur Vorbereitung auf unser Symposium beschäftigte sich Katharina Evers, Masterstudierende der Designwissenschaften, mit einem nur schwer fassbaren Aspekt der Designlehre. Anhand von Befragungen sowie Beobachtungen, beleuchtet Katharina Dynamiken und Umgangsformen zwischen Lehrenden und Lernenden. Wir freuen uns auf mutige und wegweisende Einblicke aus einer studentischen Perspektive. 

Melanie Levick-Parkin

Der Beitrag von Melanie Levick-Parkin im Magazin "Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft" hinterließ einen starken Eindruck bei uns, weshalb wir uns freuen, mit ihr einen kritischen Blick auf das Wesen der Designdisziplin im Arbeitskontext zu gewinnen und ihre Vorschläge einer feministischen Designontologie kennen zu lernen. Die promovierte Grafik- und Kommunikationsdesignerin hat jahrelange Erfahrung in der Werbebranche gesammelt, bevor sie die akademische Karriere einschlug. Aus diesem Erfahrungsschatz entwickelt sie heute  ihre fundierten und zukunftsweisenden Forschungsfragen.

Anne Rethfeldt

Die Masterstudentin der Designwissenschaften Anne Rethfeldt setzt sich in ihrem Audiobeitrag mit den Bewertungskriterien im Designstudium auseinander. Die studierte Medienwissenschaftlerin hat beruflichen einen cineastischen Schwerpunkt, der vor allem in der Programmkoordination internationaler Filmfestivals liegt. Dabei geht es ihr vornehmlich um das Bilden von Netzwerken und Kollaborationen im künstlerischen Dokumentarfilm, womit sie eine wichtige Expertin von Kompliz*innenschaften darstellt. Ihre akademische Forschung widmet sie durch Verflechtung von Theorie und Praxis Fragen kollaborativer Arbeitsweisen. Die Rolle von Sprache und Text als Gestaltungsmittel sind ebenso relevant in ihrer Arbeit wie die Ausgestaltung einer soliden Basis für gemeinsames Sprechen und Arbeiten miteinander und die Entwicklung eigener Ausdrucksformen, um Sichtbarkeit und Gehör zu finden.

Mara Recklies

Zwar haben wir Mara Recklies in ihrer Funktion als Philosophin eingeladen, aber weil sie viele Jahre professionell als Köchin gearbeitet hat, würde sie mindestens genauso gut in unser Programm passen. Die Autorin ist so vielseitig wie die Themen, über die sie schreibt. Wir lieben ihre klare Sprache und ihren Mut, Designkritik einmal ganz anders anzugehen. Daher freuen wir uns darauf, mit ihr gemeinsam unsere Themen zu reflektieren und kontextuell zu verorten.

Katharina Mludek

Die Masterstudentin der Design Studies Katharina Mludek bringt mit ihrem kulturwissenschaftlichen Hintergrund einen weiteren Blickwinkel mit in unsere Debatte. Ihre Forschung an der BURG und ihre Arbeit bilden einen fließenden Übergang: Sie setzt sich theoretisch und praktisch mit Kochen, sozialen Netzwerken und Co-kreativen Prozessen auseinander. Sie lädt einige unserer Referent*innen zum gemeinsamen Kaffee und Klönen ein, um mehr über ihre bisherigen Projekte zu hören, und um zu erfahren, wie sie Kulinarik, Design, Wissenschaft  und Feminismen zusammendenken.

Johanna Steindorf

Die Medienkünstlerin Johanna Steindorf beschäftigt sich auf eindrückliche und sehr atmosphärische Weise mit Themen der Migration, Nomadentum, Gender, (und) dem Wahrnehmen und Wahrgenommen-Werden im öffentlichen Raum und der hierzu
korrespondierenden Konstruktion des Privatraumes. Ihr Reisen durch und Leben in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas prägen die Arbeiten der in Quito geborenen Deutsch-Brasilianerin, was sie oftmals unter Verwendung narrativer und mobiler Strategien durch partizipative Performances, Audio, Video und Fotografie zum Ausdruck bringt. Wir sind sehr aufgeregt darüber, dass Johanna uns mit Ihrer Stimme am Freitagmorgen zu einem Spaziergang einlädt, um den öffentlichen Raum vor unseren Haustüren zum Ort eigener und gemeinsamer Beobachtungen und Aneignungen zu machen.

Noam Youngrak Son

Wir haben die* Designer*in Noam Youngrak Son durch ein Gespräch mit Anja Neidhardt auf depatriarchise design entdeckt. Noam Youngrak Son schreibt Mythen für marginalisierte Positionen in verschiedene Medien ein: in Bücher, Performances oder in 3D-gedruckte Sextoys. Xie ist begeistert von der Unerwartetheit, die eine gut gestaltete Fiktion eröffnen kann und von den kritischen politischen Diskussionen, die sie anregen können. Noam Youngrak Son nutzt xiere Fähigkeiten als Designer*in, um das Setup zu visualisieren und zu materialisieren, in dem technologische und ökologische Körper in xierer Fiktion eine Rolle spielen. Wir schätzen an Noam Youngrak Sons Arbeit besonders xiere Haltung, die wir als ein Queering von Normen und der Designdisziplin begreifen, das ein kontinuierliches Hinterfragen von unseren Verhältnissen produziert.

Kathrin Lemcke

Die Filmemacherin Kathrin Lemcke war mit ihrem Film „She works hard" schon einmal zu Gast bei FemPower. Ihr Film setzt sich mit Möglichkeiten und Voraussetzungen kreativen Arbeitens in einem gemeinschaftlich genutzten Raum auseinander. Die Protagonist*innen begeben sich in eine gedankliches Experiment, indem sie versuchen, sich vorzustellen, ihre Idealvorstellung von Arbeiten erreicht zu haben und aus dieser Perpektive über neue Organisationsformen, ihr Arbeitsverständnis und über ihre gemeinsamen und unterschiedlichen Wünsche nach anderes gestalteten Raum- und Zeitkonzepten berichten. Die Erzählweise von Kathrin Lemcke inspiriert und fordert auf berührende Weise zum Nachdenken auf. In unseren Augen die ideale Einstimmung auf die  gemeinsame Arbeitszeit unseres Symposiums, zumal der Filmemacherin die Atmosphäre und Räume der BURG vertraut sind, hat sie hier doch bis 2013 Medienkunst studiert.

Hilde Pank

Unsere Nachtschicht begleitet die Djane Hilde Pank, die wir über das Hallenser Kollektiv Djversity entdeckten. Djversity setzt sich seit einigen Jahren mit unterschiedlichen Formaten für mehr Feminismus in der lokalen Clubkultur ein. Hilde Panks Set zum diesjährigen 8.März hat uns total begeistert und lief seitdem in unseren dezentralen Home Office-Boxen. Die vielseitig aufgestellte Künstlerin und Mutter Hilde Pank ist nicht nur selbstständig als Grafik-Designerin und Fotografin tätig, sondern arbeitet seit 2021 auch als Druckerin am Bildungshaus Riesenklein. Wir freuen uns sehr, dass sie am Freitag mit dabei ist und uns mit ihrer Musik durch den Abend trägt.

Förderung

Das Projekt wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds und das Land Sachsen-Anhalt.