sicher nicht – Arbeiten aus Kunst und Design

Die in der Burg Galerie im Volkspark gezeigten Positionen aus Kunst und Design von Studierenden und Alumni der BURG sowie Gastbeiträge befassen sich mit Risiko aus unterschiedlichsten Perspektiven. Geplante Laufzeit: 8. April bis 6. Juni 2021

Niclas Heider
candy canes, 2020
160 x 200 cm, Tape und Sprühlack auf Nessel
Foto: Niclas Heider

In der Ausstellung sicher nicht aus der Reihe ABC dreht es sich aus aktuellem Anlass diesmal um das R für Risiko: Die ausstellenden Künstler*innen und Gestalter*innen der BURG sowie Gastkünstler*innen zeigen vom 8. April bis 6. Juni 2021 in der Burg Galerie im Volkspark Arbeiten, die das Risiko in den Mittelpunkt bringen.

Unser Bewusstsein mit dem Risiko zu leben hat sich 2020 intensiviert. Durch das neuartige Coronavirus und die davon ausgelöste Pandemie haben sich viele Dinge radikal geändert. Unter anderem hierauf nehmen die ausstellenden Künstler*innen und Gestalter*innen der BURG in der Ausstellung sicher nicht Bezug. Die Ausstellung richtet ihr Augenmerk aber auch auf andere Themen, die sich teilweise durchdringen. So wird das Risiko, das Menschen einzugehen bereit sind, um die repressive Politik in ihren Ländern zu ändern, befragt. Gleichzeitig wird die globale Wirkungsmacht des Geldes in den Blick genommen. Neben lang nachwirkenden Kriegsfolgen finden aktuelle Erfahrungen von Flucht und Rassismus, aber auch Missbrauchserfahrungen Aufmerksamkeit und stellen die Frage nach Verantwortung. Leise, behutsame Arbeiten wiederum, die sich Spannungsverhältnissen und Materialerkundungen widmen, offenbaren im Kontext der Risikobetrachtung neue Lesarten. Zahlreiche der gezeigten Werke setzen sich auch mit dem Verhältnis des Menschen zur Wissenschaft, zu seiner Umwelt und zum Tier auseinander und geben Gefühlen wie Einsamkeit und dem Bedürfnis nach Nähe einen Raum. Das Bild des Menschen, der von sich annimmt, sich weiterentwickelt zu haben und doch immer wieder an Grenzen stößt, wird in vielfältiger Weise in der Ausstellung auf den Prüfstand gestellt.

Dergestalt greift die Malerei candy canes von Niclas Heider das derzeit allgegenwärtige Absperrband auf: Das rot-weiße Streifenband mahnt uns zu Abstand und warnt konstant vor möglicher Ansteckung und anderen Gefahren. Bei Niclas Heider werden noch andere Assoziationen geweckt: an Zuckerstangen, die für ihn zugleich süß, aber auch bitter sind: „Ein Risiko, diesen Blick einzunehmen. Ein Risiko, überhaupt, raus zu gehen. Will ich das hier alles? Will ich meine Zuckerstangen?“ ­
Mit seinem Triptychon Weltbild verführt Ludwig Pfeiffer zum Diskurs. Gerade war noch alles gut – dann gerät die Demokratie ins Wanken, die Gesellschaft driftet auseinander und die Wirtschaft befeuert die Klimakrise. Seine figurenreich gezeichneten, ineinander verwobenen Miniaturen provozieren wie reißerische Schlagzeilen. Der Künstler spielt mit apokalyptischer Angstlust, mit Verrätselung und Übertreibung. Die Gleichzeitigkeit von Existenziellem und Trivialem wird auf der mittleren Tafel des Triptychons zum Gegenstand des Schauspiels auf der Weltbühne. Die beiden Flügel zeigen diejenigen, die betrachten, beurteilen, kommentieren.
Der Arbeit post.perfect von Olivia Pils ging eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Biopolitik voraus: Die Installation kreist um die Frage, inwieweit der Mensch selbst ein Risiko darstellt, in dem Glauben, die Natur und den Körper mit Hilfe von Wissenschaft und Technologie unter Kontrolle zu haben. Die von Olivia Pils auf einem langen Tisch arrangierten Objekte wecken Assoziationen zu Themen wie Selbstoptimierung, Prothetik, Cyborgs, Schönheitschirurgie oder Gentechnologie. Der kühlen Ausstrahlung von Porzellanobjekten und Materialien wie Plexiglas und Chrom stehen Haare, Silikon, Wachs und unglasierter Ton gegenüber, die einen körperlichen Bezug schaffen. Diese „körperlichen“ Gegenstände sind jedoch fragmentiert, eingerahmt und „kontrolliert“ durch Gefäße und Behälter. Kaltes Licht und ein tiefer Ton schaffen eine eindringliche Atmosphäre.

Ausstellende: Seunghoon Baek, Dana László da Costa/Jorge Sánchez di Bello, Niclas Heider, Amber Hummel, Ju Hyuun Hwang, Susanne Henny Kolp, Susanne Langbehn, Anne Martin, Sofia Mayer, Emma Louise Meyer, Luise Menz/Sophie Pischel/Lena Würsching in Kooperation mit der Break Isolation Group und International Women* Space, Agathe Michalski, Elisabeth Otto, Ludwig Pfeiffer, Olivia Pils, Nilay Lili Şahin, Catherine Sanke, Sami Sayegh, Louisa Schrimpf, Melanie Schulz, Alexia von Salomon/Alina Weber/

Gastbeiträge in der Ausstellung: Valery Zufarov/akg-images, Sammy Baloji, cultprotest.me (Rufina Bazlova, Yura Ledyan, Marina Naprushkina)

Digitale Eröffnungs-Performance: Am Mittwoch, 7. April 2021, führt ab 18 Uhr Seunghoon Baek seine Performance Ordnen auf. Pandemiebedingt wird die Performance per Livestream auf www.burg-halle.de/galerie zu sehen sein, eine Teilnahme vor Ort ist nicht möglich.

 

sicher nicht – Arbeiten aus Kunst und Design der BURG und Gastbeiträge
Ausstellungsdauer:
8. April (geplant) bis 6. Juni 2021. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist coronabedingt noch nicht absehbar, in welcher Form und ab wann die Ausstellung für Publikum zugänglich ist. Auf www.burg-halle.de/galerie wird aktuell informiert, sobald ein Galeriebesuch möglich sein wird.
Falls eine Galerieöffnung nicht möglich sein sollte, werden die Ausstellenden und ihre Arbeiten in kurzen Filmbeiträgen auf www.burg-halle.de/galerie vorgestellt.
Ort: Burg Galerie im Volkspark, Schleifweg 8a, 06114 Halle (Saale)
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung vorab ist bislang nicht notwendig. Besucher*innen müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.
Kuratorinnen: Dr. Jule Reuter, Kuratorin, Burg Galerie am Volkspark, in Zusammenarbeit mit Gala Goebel
Aktuelle Informationen: www.burg-halle.de/galerie
Social Media: Die BURG kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BurgHalle und #sichernicht

Führungen durch die Ausstellung: Jeweils sonntags um 15 Uhr führen Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge durch die Ausstellung.