BurgLabs present: Die BurgLabs im Futurium Berlin

In einer Ausstellung vom 31. August bis 5. September 2022 zeigen die drei Forschungsplattformen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle aktuelle Arbeiten.

BurgLabs, BioLab-Projekt „Habitat“, Foto: Jana Luck

Die Forschungsplattformen SustainLab, Xlab und BioLab der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zeigen vom 31. August bis 5. September 2022 im Futurium in Berlin in der Sonderausstellung BurgLabs present ihre gestalterischen Visionen für lebendige, digitale, kritische und nachhaltige Zukünfte.
Als Critical Maker, Creative Catalysts und Material Explorer präsentieren die Mitarbeitenden der BurgLabs, Johann Bauerfeind, Henning Frančik, Fabian Hütter, Simon Maris, Alexa Steinbrück und Ina Turinsky ihren Blick auf das Verhältnis von natürlicher und vom Menschen geschaffener Umwelt und wollen insbesondere im Bereich der materialtechnologischen Entwicklungen neue Impulse geben.
Im Rahmen der Ausstellung sind insgesamt fünf verschiedene Projekte der drei Forschungslabore zu sehen, die das Potenzial der Nutzung von Kunst und Design zur Gestaltung unserer Zukunft veranschaulichen.
Die BurgLabs forschen experimentell und gestalterisch seit 2020 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle über Disziplingrenzen hinweg zu Material und Technologie. Sie verstehen sich als inspirierende Forschungsumgebung, in der Visionen erprobt werden und Zukünfte entstehen können. Das SustainLab, das BioLab und das XLab nehmen die Themen Nachhaltigkeit, Biotechnologie, Künstliche Intelligenz und Robotik in den Blick. Mit den Arbeiten in der Ausstellung BurgLabs present geben die Labs Einblick in ihre bisherige gestalterische Forschung in den Grenzbereichen von Gestaltung und Wissenschaft. Sie repräsentieren einerseits das Prozesshafte der Projekte und ihre vielseitige Anschlussfähigkeit. Andererseits verdeutlichen sie die gesellschaftliche Dringlichkeit, das Potenzial von Kunst und Design für die Gestaltung unserer Zukunft zu nutzen.

Projekt des BioLab
Habitat – Mikroorganismen als Mitgestalter*innen biobasierter Materialien und Anwendungen

Habitat denkt Alltagsmaterialien lebendig und kooperativ. Der Lebensraum von Mikroorganismen ist unser neuartiges Material, das in konkreten Geometrien und Kompositionen wächst. Das Projekt von Johann Bauerfeind und Fabian Hütter erkundet, wie Menschen sich am Wachstum der kleinen Lebewesen beteiligen können, um die Gestalt ihres Lebensraums zu beeinflussen, zu formen und zu nutzen. Dafür haben sie im BioLab der BURG mit verschiedenen industriellen Verfahren zur Formgebung wie Tauchen und Gießen experimentiert.

Projekt des SustainLab
(un)certain flows – Zukunftsszenarien für Gips im Jahr 2050

(un)certain flows spekuliert über die zukünftige Verwendung von Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA)-Gips. Denn im Zuge des Kohleausstiegs wird diese Ressource bald versiegen. Henning Frančik und Ina Turinsky entwerfen im SustainLab der BURG Szenarien für die alternative Gewinnung, Zusammensetzung und Verarbeitung des Materials, aber auch für seine Logistik und das Recycling. Um das aktuelle Materialsystem Gips zu analysieren, nutzen sie mathematische Modelle und bringen Ansätze aus Geoökologie, Umwelttechnik und Design Fiction zusammen.

Projekt des XLab und SustainLab
prog/rammed earth – Ein zukunftsweisender Umgang mit lokalen Sedimenten

prog/rammed earth erprobt innovative und nachhaltige gestalterische Möglichkeiten mit Stampflehm. Ina Turinsky, Simon Maris und Henning Frančik erweitern die traditionelle Bautechnik um neue Komponenten. Sie verleihen dem Material dank robotergestützter Fertigung spektakuläre Formen. Gleichzeitig nutzt das Projekt von SustainLab und XLab der BURG die positiven Eigenschaften von Lehm wie Atmungsaktivität und Kreislauffähigkeit.

Projekte des XLab
Verboscope
– Eine dialogische Schnittstelle für kollaborative Imagination

Verboscope veranschaulicht die Mensch-Maschine-Interaktion im gemeinschaftlichen kreativen Prozess. Die Installation von Simon Maris und Alexa Steinbrück ermöglicht es Anwender*innen, mit Hilfe künstlicher Intelligenz aus Text-Input Bilder von Situationen und Objekten entstehen lassen, die es so zuvor noch nicht gab. Damit macht das XLab erlebbar, wie Text-to-Image-Tools funktionieren und welcher Gestaltungsspielraum den jeweiligen Entitäten zukommt.

The Literal Unseen – Künstliche Intelligenz visualisieren

The Literal Unseen thematisiert die marginalisierten Aspekte von künstlicher Intelligenz. Alexa Steinbrück hat diese Bilderserie mit Hilfe eines KI-Algorithmus erzeugt, der Text in Bilder umwandelt. Sie verwendet Sprache als Werkzeug, um Metaphern als sichtbare Realitäten zu erschaffen. Dabei zeigt sie die menschliche Gestaltungsmacht im Prozess der Co-Creation auf. Gleichzeitig verdeutlicht die Arbeit ein Anliegen des XLab der BURG: das Bild von einem autonom handelnden KI-System mit eigenem Bewusstsein zu dekonstruieren.

Das Umfeld der gezeigten Projekte kann mit dem Futurium in Berlin als Haus der Zukünfte passender nicht sein. Die Ausstellung wird zudem begleitet von einem Open-Lab-Abend am Donnerstag, 1. September 2022, von 18 bis 20 Uhr. Dabei präsentieren die BurgLabs Szenarien davon, wie wir leben wollen. Gemeinsam mit Expert*innen aus verschiedenen Institutionen wollen sie darüber mit allen Teilnehmenden ins Gespräch kommen. Außerdem werden unter www.burglabs.de die einzelnen Projekte auch online vorgestellt.

Die BURG bezieht seit ihrer Gründung im Jahr 1915 ihre Stärke aus der Verknüpfung von Material, Ästhetik und Aussage. Diese Tradition spiegelt sich heute in der Vielfalt an materialorientierten Studiengängen wie Keramik- und Glasdesign, Schmuckkunst, Textildesign und Industriedesign wider. Sowohl im Bereich der bildenden Künste als auch im Bereich Design stellt das Wissen über und der freie Umgang mit Material die Basis für die Selbstentfaltung der Studierenden und eine explorative Forschung dar. Durch die BurgLabs erfährt dieser Ansatz eine zeitgemäße und zukunftsweisende Erweiterung.


BurgLabs present – Eine Sonderausstellung im Futurium Berlin
Ausstellungszeitraum: Mittwoch, 31. August 2022 bis Montag, 5. September 2022
Ort: Futurium Berlin, Alexanderufer 2, 10117 Berlin
Open-Lab-Abend: Donnerstag, 1. September 2022, 18 bis 20 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr, Sa, So: 10–18 Uhr, Do: 10–20 Uhr
Mehr Informationen: www.burglabs.de