Grau

WiSe 2018/19, 2.Stj. experimentelles Weben

Annäherung an die Farbe und den Zustand

„Grau ist beharrlich, es gestattete lebhafter Farbe, über es hinweg in die Zukunft zu eilen, behielt jedoch seine Präsenz bei; auf den Bildern von Giacometti, der die Figur beschnitt, bis sie aussah wie ein Federstrich, von Jasper Johns, der die amerikanische Flagge grau malte; das Grau bei Joseph Behufs, der die Welt in grauen Filz verpackte; von Anselm Kiefer, der mit dem grauen Blei der Alchimie arbeitete. Sie waren die Erben der Renaissance-Grisaille, metaphorischer Gemälde, vollkommen einfarbig ausgeführt vom Meister des Grau, Mantegna“ aus Derek Jarman, Chroma, Merve Verlag, 1995

In England gibt es einen Feiertag für die Farbe Grau. Warum, weiß man nicht so genau. Wieso soll man eine Farbe feiern, die Traurigkeit und Düsternis verkörpert? Die als Intellektuell gilt und wenig emotional? Grau ist die unentschiedenste aller Farben, sie gilt seit Ewigkeiten als Symbol für alles Abstrakte, ein Schaubild für die Leere. Auch der Maler und Grau-Experte Gerhard Richter sagte 2004 in einem Interview: „Der neutrale Mischton aus Schwarz und Weiß ist die ideale Farbe für Meinungslosigkeit, Aussageverweigerung, Schweigen, Hoffnungslosigkeit“.

Eigentlich unverständlich, dass Grau solch einen schlechten Ruf hat, denn:Grau ist der Farbraum mit den meisten Nuancen - es ist eine der vielfarbigsten - das Spektrum der Nuancen ist am weitesten - von ganz hell bis anthrazit von blaugrau über ein warmes grau bis zum rötlichen Grau. Dazu gibt es die größtmögliche Neutralität, die auch Vorteile hat, denn sie gilt als gerecht und ausgewogen. Dazu noch einmal Derek Jarman: „Grau ist auf weiß geworfener Schatten von schwarz - Der Schatten, sagte Augustinus, ist die Königin der Farben. Die Farben singen im Grau. Maler haben in ihren Ateliers oft graue Wände. Grau ist der perfekte Hintergrund.“

Die Aufgabe besteht aus mehreren Teilen:

Als Einstieg:Vergrauen“ – es sollen auf vielen A6-Postkarten mit allen Mitteln monochrome graue Flächen hergestellt werden, d.h. keine Zeichnung, keine großen Helligkeitsunterschiede, nur Raster, Struktur, Fläche etc. Es kann vieles genutzt werden: Acryl, Aquarell, Graphit, Frottagen. Raster, Schraffuren, Collage, Gefundenes, etc

Als Sammlung: „Verweben, verstricken“ - für die Stoffe soll eine Emotion, Stimmung, Charakter einer Figur oder Ähnliches als Inspiration dienen. Dieser Text, Bild, Beschreibung, Kunstwerk oder ähnliches steht als Ausgangspunkt für die Erforschung der Farbe Grau am Webstuhl und an der Strickmaschine. Vor allem soll die Stimmung erschlossen werden über die zu konstruierenden Stoffe – über das Material, die Bindung und den farbigen Grauton. Der Gesamteindruck soll ähnlich sein wie bei den Postkarte - monochrom aber nicht glatt, Strukturen aus den Fäden bilden die neue Farbe, das neue Grau. Es geht vor allem um die persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Vielfalt an Optionen, die in einem Stoffarchiv gesammelt und beschrieben werden. Aus diesem Fundus sollen für eine Inszenierung des persönlichen Themas eine Serie von Stoffen ausgewählt werden. Begleitet wird der ganze Prozess mit einem Skizzenbuch.

Lecturer

  • Prof. Bettina Göttke-Krogmann

Course year

2nd course year

Final degree

Bachelor

Place

Werkstätten Textildesign, LKG Textil/Mode-Pool

Time

donnerstags 9.30 Uhr

Lecturer

  • Prof. Bettina Göttke-Krogmann

Course year

2nd course year

Final degree

Bachelor

Place

Werkstätten Textildesign, LKG Textil/Mode-Pool

Time

donnerstags 9.30 Uhr