Über die Residenz

Informationen zum Aufenthalt während des Stipendiums und zu Gerhard Marcks.

Das B14 Gerhard Marcks Künstlerhaus

Das B14 Gerhard-Marcks-Künstlerhaus ist ein privat finanziertes Projekt initiiert von Mareike und Torsten Frühauf sowie ihren Töchtern Nora und Edda aus Berlin. Die vorrangige Intention der Familie war es mit dem Projekt das über 200 Jahre Büdnerhaus vor dem drohenden Verfall zu retten. Das Haus ist ein herausragendes Beispiel lokaler Architektur mit seinem typisch tiefgezogenen Rohrdach und der detailreichen Eingangstür. Die Familie sanierte das Haus von 2017 bis 2019 und verwandelte es wieder in eine Künstlerresidenz.
Ursprünglich erwarb Gerhard Marcks das Haus 1929. Es war zunächst als Sommerhaus gedacht und entwickelte sich nach der Entlassung des Künstlers an der BURG durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 zunehmend zum Ort des Rückzugs und der inneren Emigration.
Die Künstlerresidenz liegt auf einem schmalen Streifen Land zwischen Ostsee und Bodden in Niehagen – ein Ortsteil von Ahrenshoop.
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts zog die außerordentliche Lage des Ortes, umgeben von Ostsee und Bodden mit der lebendigen Natur und Klima, Künstler*innen in ihren Bann und machte Ahrenshoop schon früh zu einem Künstlerort.

Das Atelier im Künstlerhaus

Nachdem Marcks das Haus 1929 erwarb, ließ er sich 1933 neben dem Haus ein kleines Atelier errichten, in dem in den folgenden Jahren eine Reihe von kleineren Skulpturen entstanden. Das für den Bildhauer bevorzugte Nordlicht gelangte durch ein in das Rohrdach eingebaute großzügige Fenster in den ansonsten spartanisch ausgestatteten Raum.

Über Gerhard Marcks

„Man hat mich als Expressionisten gelten lassen, als Entarteten gebrandmarkt, als Klassizisten beiseite gelegt und als Realisten wieder hergeholt.“ (1979) Gerhard Marcks

Der Bildhauer und Grafiker Gerhard Marcks (1889–1981) wurde 1919 ans Bauhaus nach Weimar berufen und leitete ab 1920 die Bauhaus-Töpferei in Dornburg (Saale). 1925 wechselte er an die heutige Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, hier leitete er die Bildhauerklasse und wurde 1928 schließlich Rektor der Kunsthochschule. Marcks brachte durch seine Erfahrungen am Weimarer Bauhaus nicht nur neue künstlerische Impulse, sondern auch weitere Lehrkräfte aus dem Bauhaus mit nach Halle. 1933 wurde er jedoch, wie auch weitere Lehrende und Werkstattmeister, entlassen. Er war Wegbegleiter und zentrale Figur zwischen renommierten Künstlerinnen und Künstlern der Moderne wie Marguerite Friedlaender, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer, Ernst Barlach, Charles Crodel oder Hans Finsler. Viele Werke von Gerhard Marcks wurden 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, einige in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Marcks erhielt Ausstellungsverbot. Das durch die Kunsthochschule nun eingerichtete Gerhard-Marcks-Stipendium versteht sich daher auch als Erinnerung, Mahnung und Appell für die Freiheit der Kunst.