Literarische Neuentdeckungen bei Literatur im Volkspark

Die Reihe wird mit Lutz Seiler, diesjähriger Preisträger der Leipziger Buchmesse, am 3. November 2020 eröffnet.

Gestaltung: Arne Winter

Vom 3. bis 27. November 2020 lädt Literatur im Volkspark wieder außergewöhnliche Autor*innen nach Halle (Saale) ein. Dieses Jahr ist nicht nur Lutz Seiler am 3. November mit seinem Roman Stern 111 – einer der bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – zu Gast, sondern es gibt auch spannende Neuentdeckungen zu machen. So stellen neben Hilmar Klute am 10. November mit seinem Roman Oberkampf über Paris, auch verschiedene Autor*innen außergewöhnliche Debüts vor: Dazu zählen Ronya Othmann am 9. November mit Die Sommer über das Leben zwischen zwei Kulturen, Thilo Krause und sein Roman Elbwärts am 17. November, der von einer Rückkehr ins Sächsische erzählt, und am 19. November Ulrike Almut Sandig mit ihrem knallharten Sound in Monster wie wir. Alle Texte zeichnen sich durch eine unverwechselbare Sprache aus, ganz gleich ob sie vom Heranwachsen, dem Werdegang eines Künstlers, von Liebe, Freundschaft oder auch Gewalt handeln, von der ehemaligen DDR oder der Gegenwart und Orten wie die Sächsische Schweiz, Paris, Berlin oder Kurdistan erzählen. Außerdem wird Burg-Absolventin Ulrike Jänichen am 27. November aus ihrem prämierten Bilderbuch Zug der Fische für Kinder ab 6 Jahre lesen.
Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und der Stadt Halle (Saale) ausgerichtet, mit Unterstützung des Volkspark Halle e.V.
In dieser zwölften Ausgabe wurde zudem eine Lesung in Zusammenarbeit mit Studentinnen der BURG gemeinsam konzipiert: Die ausgewählte Lesung von Ronya Othmann am 9. November wird dabei auch von ihnen moderiert werden.

Lutz Seiler eröffnet mit seinem Roman Stern 111 am Dienstag, 3. November 2020, um 19.30 Uhr die Literaturreihe. Erzählt wird eine große Geschichte über die kurze Zeit gleich nach dem Mauerfall, als alles noch möglich schien. Zwei Tage nach der Grenzöffnung verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben und folgen über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime einem alten Traum in den Westen. Auch ihr Sohn Carl verlässt Gera, schließt sich in Berlin einer Gruppe junger Frauen und Männer an, die in Mitte dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreiben.
Lutz Seiler (*1963 in Gera) schrieb zunächst Lyrik und wurde 2000 mit seinem Gedichtband Pech & Blende bekannt. Sein Romandebüt Kruso wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet, für Stern 111 erhielt er in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse.

Ronya Othmann stellt am Montag, 9. November 2020, um 19.30 Uhr ihr Debüt Die Sommer vor. Im Zentrum steht Leyla, die Tochter eines jesidischen Kurden und einer Deutschen. Sie ist Bayern zuhause, dort geht sie zur Schule und feiert mit ihren Freundinnen. Doch all ihre Sommerferien verbringt sie im Dorf ihrer Großeltern in Nordsyrien, nahe der Türkei. Die Erinnerungen daran sind geprägt von Farben, Düften und Erzählungen auch über die Gewalt des Assad-Regimes, vor der ihr Vater fliehen müsste. Als der Krieg beginnt, macht sie gerade Abitur. Sie sieht die Bilder des zerstörten Aleppo, von der Ermordung der Jesiden durch den IS und Menschen auf der Flucht und ihr wird der Zwiespalt ihrer verschiedenen Lebenswelten deutlich. Ein zärtliches, ein wütendes Buch über die Zerrissenheit zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen.
Ronya Othmann (*1993 in München) studiert am Literaturinstitut Leipzig. Sie erhielt unter anderem den MDR-Literaturpreis und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2019. Die Lesung wurde in Zusammenarbeit mit den Burg-Studentinnen Cleo Dölling und Mia Kugelmann konzipiert.

Hilmar Klute liest am Dienstag, 10. November 2020, um 19.30 Uhr aus seinen zweiten Roman Oberkampf und erzählt die Geschichte von Jonas Becker, der in Berlin seinen Job gekündigt und seine letzte Beziehung beendet hat. In Paris will er als unabhängiger Autor arbeiten und ein Buch über den alten Schriftsteller Richard Stein schreiben. Die Zeichen stehen gut. Doch dann geschehen die Anschläge auf Charlie Hebdo 2015 und die Stadt ist verändert, die Welt im Ausnahmezustand. Zwischen Sehnsucht und Schrecken, Komik und Melancholie schreibt Hilmar Klute vom Zauber Paris und der Literatur, aber auch von der Fragilität des Lebens und den Dämonen des Alltags.
Hilmar Klute (*1967 in Bochum) lebt in Berlin und ist Streiflicht-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, sein literarisches Debüt Was nachher so schön fliegt (2018) fand in der Presse sehr viel Beachtung.

Thilo Krause stellt in seinem Roman Elbwärts am Dienstag, 17. November 2020, um 19.30 Uhr die Frage nach der Begegnung mit der fremd gewordenen Heimat. Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft. Der Erzähler erinnert sich: an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor, an den Tadel beim sozialistischen Fahnenappell. Heute gibt es dort nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, sondern auch das Sommercamp der Neonazis und das Misstrauen des Dorfes. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Innenhalten, vom Fremdsein und dem Versuch der Heimkehr. Ein eindringliches Buch, für das er mit dem Robert-Walser-Preis 2020 ausgezeichnet wurde.
Thilo Krause (*1977 in Dresden) lebt und arbeitet in Zürich. Bekannt geworden durch seine Gedichte für die er den Schweizer Literaturpreis und den Peter-Huchel-Preis erhielt, veröffentlicht er seit 2005 Texte in Zeitschriften und Anthologien.

Ulrike Almut Sandig erzählt in Monster wie wir am Donnerstag, 19. November 2020, um 19.30 Uhr vom Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz: Ruth in einem evangelischen Pfarrhaus, Viktor als Sohn einer ukrainischen Mutter und eines NVA-Unteroffiziers. Beide teilen die Erfahrung von Gewalt. Sie sind zwar Freunde, doch sie schweigen über das, was sie verbindet. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt und der politische Umbruch des Jahres 1989 das Leben der Menschen durcheinander bringt, hilft man sich am besten selbst. Ruth flüchtet in ihr Geigenspiel. Viktor rasiert sich eine Glatze und geht als Au-Pair nach Frankreich. Doch die Gewalt holt beide ein. Sandigs erster Roman erzählt in einer funkelnden Prosa voller harter Beats von ihrer Generation.
Ulrike Almut Sandig (*1979 in Großenhain) schreibt Hörspiele, Lyrik und Prosa. Bekannt für ihre Sprechkonzerte, wurde sie unter anderem mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft 2017 und dem Wilhelm-Lehmann-Preis 2018 ausgezeichnet.
Eine Aufzeichnung für MDR Kultur Unter Büchern unterwegs mit Katrin Schumacher.

Ulrike Jänichen liest am 27. November 2020 um 10 Uhr aus Zug der Fische für Kinder ab 6 Jahre. Marika lebt bei ihrer Großmutter in einem kleinen ukrainischen Dorf. Im Sommer sammelt sie Blaubeeren und verkauft sie auf dem Markt. Am meisten fehlen ihr die Eltern, die in Westeuropa arbeiten und immer wieder Geld schicken, damit es ihr gut geht. Die Briefe der Mutter sind ihr einziger Schatz, denn sie müssen das Wiedersehen ersetzen. Marika ist eines von den osteuropäischen Kindern, die seit der Öffnung des europäischen Arbeitsmarktes ohne ihre Eltern aufwachsen. Ulrike Jänichen zeichnet poetische Bilder, die es Kindern und Erwachsenen möglich macht, über dieses Thema ins Gespräch zu kommen.
Ulrike Jänichen (*1976 in Dresden) studierte an der BURG und arbeitet als freie Grafikerin in Halle (Saale). Zug der Fische ist ihr zweites Bilderbuch mit Yaroslava Black. Für ihre Illustrationen wurde sie mit dem Hamburger Bilderbuchpreis 2019 ausgezeichnet.

 

Programm
Dienstag, 3. November 2029, 19.30 Uhr
Lutz Seiler liest aus Stern 111
Moderation: Doris Sossenheimer

Montag, 9. November 2020, 19.30 Uhr
Ronya Othmann liest aus Die Sommer
Moderation: Cleo Dölling, Mia Kugelmann

Dienstag, 10. November 2020, 19.30 Uhr
Hilmar Klute liest aus Oberkampf
Moderation: André Schinkel

Dienstag, 17. November 2020, 19.30 Uhr
Thilo Krause liest aus Elbwärts
Moderation: Doris Sossenheimer

Donnerstag, 19. November 2020, 19.30 Uhr
Ulrike Almut Sandig liest aus Monster wie wir
Moderation: Katrin Schumacher

Freitag, 27. November 2020, 10 Uhr, für Kinder ab 6 Jahre
Ulrike Jänichen liest aus Zug der Fische

 

Literatur im Volkspark
Veranstaltungsdauer:
3. bis 27. November 2020
Ort: Volkspark Halle, Schleifweg 8a, 06114 Halle (Saale)
Uhrzeiten: Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Gastronomie mit Getränkeangebot ab 19 Uhr,
Kinderlesung um 10 Uhr

Eintritt: 5 Euro. Eintritt frei für Burg-Studierende sowie für Burg- und Stadt Halle (Saale)-Auszubildende, Kinder-Lesung Eintritt frei.
Aufgrund der aktuellen Situation bitten wir Sie, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Reservierung: Literatur(at)  burg-halle.  de
Programm: Doris Sossenheimer, Detlef Stallbaum

Veranstalter: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und Stadt Halle (Saale), Fachbereich Kultur, mit Unterstützung des Volkspark Halle e.V.
Förderer: Bauverein Halle & Leuna e.G.