Kategorien
Hauptprojekt

I-LAND (b4 U)

Auf der Suche nach Erinnerungen …

… wird mir schnell bewusst, dass das maßgebliche, das vorherrschende Gefühl meines Lebens bedauerlicherweise das der Einsamkeit sein könnte.

Freilich kennen wir sie alle, diese Einsamkeit. Sie ist ein Teil der menschlichen Erfahrung. Sie kommt gern zu uns, wenn wir allein sind und bringt graue, blaue und stachelige Gedanken mit.

Wie Flaschenpost kann ich zwar meine Gedanken und Gefühle diesem Meer des Seins übergeben – sei es nun in Form von Worten, Gesten, Texten oder Kunst – dabei ist mir aber selten nur vergönnt sicher zu sein, dass man versteht, dass ich jemanden berührt habe und man mich im Gegenzug erfasst hat.

Ist der Mensch eine Insel? Ist unser Bei- und Miteinander eine Illusion, welcher wir uns hingeben?

Ich mache mich also auf die Suche nach Erinnerungen und finde die Einsamkeit: hier sitze ich als Junge im Sand und zeichne Kreise mit einem Stock, während die anderen Kinder auf der Wiese tollen und dort stehe ich allein auf dem Schulhof – und da starre ich in fragende Gesichter und hier wiederum kehrt man mir den Rücken zu. Es ist, als sei man auf seiner eigenen, kleinen Insel gestrandet, als sei zwischen meiner Insel, Deiner, Ihrer und Seiner ein Meer, welches ich nicht überqueren kann. – Bin ich denn gefangen??

Die Erinnerung

Ich denke also an all die einsamen Jahre. Zeiten mal mehr, mal weniger einsam. Manchmal sogar kein Bisschen – doch das hielt nicht an. Sie kommt immer wieder, diese Einsamkeit – wie die Flut nach der Ebbe.

Dann 2016! Ich bin 26 Jahre alt und arbeite in einem Callcenter. Klar, ich würde gerne studieren – nur was? Ich sitze also auf meiner kleinen Insel fest und da ist weit und breit niemand zu sehen. Keine Perspektive, keine Aussicht. Eines morgens aber spreche ich jemanden in der Arbeit an. (Ich gebe mir einen Ruck.) Sie ist mir in der Tram aufgefallen, weil sie es fertigbringt, so früh einen Roman zu lesen. Mensch, denke ich, wie kann man um diese Uhrzeit so putzmunter sein? Freilich kenne ich sie noch nicht und weiß nicht, dass sie in Wahrheit schläft wie ein Grizzly und ohne Kaffee überhaupt keinen Puls hat.

Sie sagt mir ihren Namen, wir beginnen, Flaschenpost ins Meer zu werfen …

Die Insel

Ich habe meine Erinnerung gefunden. Wie mache ich nun ein Spiel daraus?

Zunächst suche ich nach meinem Setting – und das ist natürlich die Insel. Eine verschneite, klitzekleine Insel im Meer des Seins. Dort muss ich mein Dasein fristen. Es gibt nicht viel auf meiner Insel. Einen Baum, einen Steg, ein kleines Camp und Felsen – die karge Landschaft meines deprimierten Inneren also.

Was gibt es zu tun auf dieser Insel? Schließlich wird der Spieler sich nicht damit begnügen, auf dem Hintern zu sitzen, Däumchen zu drehen, das Meer zu beobachten und dem Wind zu lauschen. Nein.

Und dabei blieb es ja auch nicht, habe ich nicht Recht?

Nein, da war jemand und sie erwiderte meine Flaschenpost. Sie wollte mich verstehen und tat es auch. Der Spieler wirft also Flaschen hinein ins Meer und bekommt Antwort. Endlich, endlich Antwort!

Denn wir fanden ja zusammen, wir zwei. Lasen voneinander, hielten dann einander. Sie hat mich nicht mehr losgelassen und mir die Einsamkeit ausgetrieben. Und nun sind wir schon zu dritt – ist das zu fassen?

Hätte ich gewusst, dass Sie und mein Sohn mich am Ende meiner Einsamkeit erwarten würden, ich hätte die Stunden voller Vorfreude gezählt und es lieben gelernt, dieses Meer, welches die beiden zu mir brachte.

Tja. Aber jetzt kann ich wenigstens ein Spiel daraus machen, nicht?

An die Arbeit

Blender, Blender, nochmals Blender!

Zunächst brauchen wir einen Protagonisten. Er soll mir ähnlich sein aber nicht zu ähnlich. Ein pummeliger Brillenträger mit Tschapka, Mantel und Bart. Man soll mich in ihm erkennen aber ich will mir nicht sagen müssen, dass ich ein Narzisst bin, richtig? …

Mein erster Versuch sieht noch etwas zu sehr nach Deep Thought und oder Minecraft aus, wie ich finde …

… Weshalb der nächste Insulaner schon deutlich menschlicher wirkt. Ein kleiner Kumpel. Noch nicht ganz stimmig aber es wird. Seht euch diese buschigen Augenbrauen an! …

… Wir sind schon fast da, denke ich. Beine und Brille finde ich noch nicht ganz stimmig aber das Gesicht mit dem riesigen Mundwerk passt bereits ganz hervorragend zur Vorlage …

… Na bitte – da haben wir ihn. Ein possierliches, kleines Kerlchen, nicht? Große Klappe, ein bisschen pummelig, blind wie ein Maulwurf aber alles in allem eigentlich ganz freundlich.

In Blender entstehen alle Figuren, Gegenstände und Schauplätze. Alles, was wir brauchen und später in Unity packen. Hörner, Felsen, Traumfrauen – alles!

Unity! (Videotagebuch)

Unity Stand 2020_12_14 – Die Szenerie steht weitestgehend. Animation/ Ein kalter Wind fährt durchs Geäst, das Meer bewegt sich, der Protagonist läuft – wenngleich noch ohne Unterlass.

Funktionen/ Die Kernfunktionen laufen soweit, müssen allerdings noch gefüttert werden. Kleinigkeiten fehlen – ich bin mir nicht sicher, ob die Zeit für alles reichen wird.

Soundtrack/ Die Demo ist drin, der Soundtrack ist noch nicht sauber umgesetzt.

LINK https://www.youtube.com/watch?v=AOai-Ly6Vnk

___

Unity Stand 2020_12_27 – Die Animationen wurden überarbeitet (Wind, Laufanimation). Er läuft zudem, wenn er es auch wirklich tun soll – was wahrscheinlich weniger Kalorien verbraucht aber insgesamt besser aussieht.

Soundtrack/ Er funktioniert aus mir unerklärlichen Gründen gerade nicht – hach, die kleinen Freuden der Spielentwicklung!

Objekte wurden ersetzt und platziert, Texte können abgebildet werden ABER der Trigger muss noch verschwinden (Texte erscheinen immer wieder). Am Licht wurde geschraubt und an der Atmosphäre. Sounds wurden implementiert.

LINK https://www.youtube.com/watch?v=CRL2qr0sJdU

___

Soundtrack Stand 2020_12_28 – Laienhaft am Klavier den Soundtrack spielen.

LINK https://www.youtube.com/watch?v=9E6jyW4DU0g

___

Unity Stand 2021_01_03 – Es gibt nun endlich Schnee auf dem Eiland. Natürlich ist dieser quadratisch – so, wie es sich gehört. Weiterhin habe ich den aktuellen Stand des /Soundtracks/ eingefügt. Möwen ziehen nun krächzend über die Insel hinweg. Bugs wurden gefixt. Die Laterne am Steg hat eine eigene kleine Animation bekommen. Sie wackelt jetzt freundlich im Wind. Außerdem ist ein Baum hinzugekommen.

LINK https://www.youtube.com/watch?v=3b_2YfgkLfg

___

Unity Stand 2021_01_05 /Animationen/ vom Sitzen am Lagerfeuer, vom Idle-Zustand und vom Werfen der Flasche wurden erstellt. Endlich blinzelt er, unser Protagonist!

Eisberge und -schollen sind zu unserer Szenerie hinzugekommen. Ein zweites Möwengrüppchen zieht nun über die Insel hinweg. Bei den Interaktions-Objekten sind leider Fehler aufgetreten, was weniger schön ist aber leicht zu beheben sein dürfte.

LINK https://www.youtube.com/watch?v=J6yqnDNL9VM

___

Unity Stand 2021_01_08 /Animation/ vom Schreiben der Flaschenpost wurde erstellt. Gras und Steinchen sind auf der Insel hinzugekommen. Auch das Gras wiegt im Wind. Soundtrack 2.0 wurde erstellt und implementiert.

LINK OST 2.0 https://www.youtube.com/watch?v=SJZfot_grqQ

LINK Game Stand https://www.youtube.com/watch?v=DEZWRkiaTFc

___

Menü Soundtrack https://www.youtube.com/watch?v=cSW7G7TchiQ

___

Endpräsentation und Gameplay I-LAND https://www.youtube.com/watch?v=jR__iZfFGgg

Kategorien
Game Jam: Ein Raum

Dark Knits

Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf …

Meine Textzeile aus Christian Morgensterns Schauergedicht Der Zwölf-Elf ließ mich an Verirrung denken, an Wirrungen, ans Verlaufen und auch – ans Aufdecken.

Der Wanderstrumpf gab mir zudem – im Grunde von Anfang an – die Optik vor und inspirierte mich zu einer textilen Welt und zu weiteren Textzeilen …

In Dark Knits gerät man in eine textile Unterwelt voller knopfäugiger Schrecken.

Zunächst schrieb ich einige wenige auf Morgensterns Zeilen aufbauende Worte nieder, weil sie mir so gefielen, mich inspirierten und das Spiel ja etwas Persönliches haben sollte.

Folgendermaßen setzte ich sie fort – nennen wir es einmal:

Hommage an Morgenstern

Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf

(…) Und nicht im Nebel, dumpf und bleich

Und nicht im Wald, so gleich an gleich

Und nicht im Dunkel, arm an Licht

Den Bergen, die ja nichts anficht.

Immer trägt es – fröhlich, heiter –

Den Wanderstrumpf voran und weiter

Gestrickt derart, dass ihn nichts hält

Ein Wanderstrumpf hopst um die Welt.

Die Modelle sind der Vorgabezeit entsprechend schnell gemacht, die Texturen habe ich mir im Internet ausgeliehen und teilweise leicht verändert. Die schaurige kleine Spieluhrmelodie habe ich mit beepbox erstellt – sie trägt besonders zur allgemeinen Halloween-Stimmung bei, wie ich finde. Den Text und die Puppenstimmen habe ich eingesprochen. Der Code wurde mir von Rat King bereitgestellt – vielen Dank dafür nochmals an dieser Stelle!

Dark Knits ist in Anbetracht des arg begrenzten Zeitraums, wie ich finde, wirklich cool geworden. Auf der Skizze ließe sich aufbauen und ich habe mich in die gestrickte Horror-Optik verknallt. Vielleicht kommt irgendwann noch Dark Knits 2.0, wer weiß …

Kategorien
Objekt der Erinnerung

Erinnerung: Drei Affen in Berlin

Als die aus Sheffield stammenden Indie-Rocker, die Arctic Monkeys, 2006 ihre hervorragend schrammende und wunderbar freche Debüt-Platte herausbrachten, hing ich sofort am Haken. So stand folglich außer Frage, dass wir, zwei Freunde und meine Wenigkeit, jede sich bietende Gelegenheit nutzen würden, diese Jungs live zu erleben – da diese sich gleichsam beeindruckt zeigten von dem Album, welches ich noch immer als eines der stärksten mir bekannten Debüts erachte. Tja, gesagt – getan – als sich Sheffields Rocker in Berlin einfanden, ging es vorm Dorf in die Großstadt. Das erste Mal in Berlin machte natürlich mächtig Eindruck auf einen Teenager – diese Weiten! Diese Breiten! Dieser DRECK überall! Geil … Wir drei kamen uns vor wie Affen, die man aus dem Dschungel geholt und in eine Metropole gesteckt hatte. Diese wunderbare Mischung von Überforderung, Halbstarkenübermut und kindlicher Begeisterung stellte sich ein, die man wirklich nur an der Schwelle zum Erwachsenwerden empfinden kann. Wir ließen es folglich krachen, tauschten Taschengeld gegen Bier ein, sahen, hörten und feierten die Monkeys, welche uns aus den Socken bliesen und natürlich live noch viel besser waren. Wir verpassten unseren Zug, steckten bis 05.00 Uhr in Berlin fest, machten also die Nacht zum Tag und frühstückten bei McD. – wo sonst?

Ich habe lange nach meiner Erinnerung gesucht und bin froh, diese wiedergefunden zu haben. Wir waren sicher keine Chorknaben damals – aber auch keine kleinen Verbrecher. Nur Jungs, die sich eine Nacht lang im Erwachsensein probieren wollten – oder in dem, was sie dafür hielten – drei Freunde eben. Man ist nur einmal jung und ich werde es wohl nie vergessen, das Konzert und vor allem die Nacht darauf und die drei Affen, die es vom Dschungel in die Metropole geschafft haben …

Ganz klar, meine Erinnerung muss auf einer Platte präsentiert werden! Nichts löst so viele Erinnerungen bei mir aus, wie Musik. Ein auf meiner Erinnerung basierendes Spiel muss einfach mit dem Betreten eines Dachbodens beginnen, dem Hervorkramen eines Plattenspielers. „Fühlt sich wie Gestern an.“, spricht der Protagonist, wenn die Platte ˋin Fahrt kommtˋ und aus dem Vinyl steigt eine Stadt auf – materialisieren sich drei Affen …

Das Gameplay stelle ich mir folgendermaßen vor – mit den einzelnen Reglern und Drehknöpfen auf dem Plattenspieler entscheide ich darüber, ob meine Bande nach links läuft oder nach rechts, ich kann sie springen lassen und sie beschleunigen oder verlangsamen. Ziel des Spiels sollte sein, zum Bahnhof zu gelangen, bevor die Zeit abgelaufen ist und auf dem Weg nicht in die Stadtfassade zu krachen. Zudem gilt es Bananen und Bier einzusammeln, damit die Bande beisammen bleibt und kein Affenjunge auf der Strecke verloren geht. Ein Geschicklichkeitsspiel, bei welchem die einzelnen Spielmechaniken den Song beeinflussen.