Die BURG-Absolventin Louisa Pieper überzeugte die Jury mit ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit den Themen Akustik, Barrierefreiheit und Konsum. Die Künstlerin wird das Stipendium im Oktober 2026 antreten.

Die BURG-Absolventin Louisa Pieper überzeugte die Jury mit ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit den Themen Akustik, Barrierefreiheit und Konsum. Die Künstlerin wird das Stipendium im Oktober 2026 antreten.
Das von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und dem Worpswede Künstler:innenHäuser e.V. 2026 zum vierten Mal verliehene Worpswede-Stipendium erhält in diesem Jahr die Künstlerin und Burg-Absolventin Louisa Pieper. Sie erwartet mit Erhalt des Stipendiums Anfang Oktober ein dreimonatiger Arbeitsaufenthalt in einer der Atelierwohnungen in Worpswede. Das Stipendium umfasst neben freier Unterkunft eine monatliche finanzielle Unterstützung von 1.600 Euro. Für Materialkosten im Zusammenhang mit der künstlerischen Arbeit im Laufe des Stipendiums steht ein Budget von 1.000 Euro zur Verfügung.
Louisa Pieper, die 2026 ihr Studium an der BURG abschloss und derzeit Meisterschülerin ist, überzeugte mit ihrer eigenständigen künstlerischen Position. Eine zentrale Rolle in ihren Bildern und Objekten stellen oftmals Gebrauchsgegenstände wie Mobiltelefone, Staubsauger oder Hörgeräte dar. Ihre Motive sind häufig Akteure der Akustik und bekommen durch ihre Arbeiten eine wesenhafte Erscheinung. Die Gemälde erscheinen zum Teil als gepolsterte Kissen oder Matratzen und erhalten dadurch einen objekthaften Charakter. Die Künstlerin plant ihre Ausstellungen nicht nur nach visuellen, sondern auch nach akustischen Gesichtspunkten. Auffällig ist dabei ihr Bestreben, möglichst schallreduzierte Räume zu arrangieren. „Mit heiterer Farbigkeit und einem Geschick zur humoresken Auslegung ihrer Motive erscheinen die dem Hören zugeordneten Dinge in stummer Präsenz. Sogar die Wände sind mit Stoff überzogen, um die Ausstellung so geräuscharm wie nur möglich zu machen. Louisa Pieper weist darauf hin, dass viele Ausstellungen hinsichtlich ihrer Akustik nicht barrierefrei geplant werden und gerade für hörgeschädigte Menschen eine Tortur sein können“, heißt es in der Begründung der Jury.
Neben den Aspekten der Barrierefreiheit stellen die Arbeiten von Louisa Pieper auch eine fröhliche Konsumkritik dar, da die unverkennbaren Plastikfarben ihrer Gebrauchsgegenstände zugleich auf deren kurze und saisonale Gebrauchszeit verweisen.
Von 2019 bis 2026 studierte Louisa Pieper in der Studienrichtung Malerei bei Prof. Tilo Baumgärtel an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 2026 absolvierte sie ihre Diplomprüfung und ist derzeit Meisterschülerin. Für ihre künstlerischen Arbeiten erhielt sie 2024 das Aufenthaltstipendium AiR351 Cascais in Portugal. Sie nahm an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teil und wird ab Oktober 2026 durch das Graduiertenförderungs-Programm des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt, in dem sie eine einjährige Projektförderung erhält.
Für die vierte Vergabe des Worpswede-Stipendiums konnte mit Philine Griem (Künstlerische Leiterin des Künstler:innenhäuser Worpswede e.V.), Prof. Karsten
Födinger (Professor Bildhauerei, Materialität und Raum im Fachbereich Kunst der BURG) sowie Kerstin Flake (Künstlerin aus Leipzig) eine hochkarätige Fachjury
gewonnen werden.Die Leitung der Jury-Sitzung (ohne Stimmrecht) übernahm Prof. Tilo Baumgärtel (Professor für Malerei und Prorektor der BURG).
Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle schrieb im Jahr 2022 in Kooperation mit den Künstler:innenHäusern Worpswede e.V. das erste Worpswede-Stipendium aus. Das dreimonatige und seit 2023 jährlich vergebene Stipendium dient der postgradualen Förderung von künstlerisch besonders herausragenden Absolvent*innen des Fachbereichs Kunst an der BURG.
Der Verein Künstler:innenHäuser Worpswede e.V. ist Gastgeber und Unterstützer für professionell arbeitende zeitgenössische Künstler*innen und fungiert als Vermittler ihrer künstlerischen Arbeit und ist damit Impulsgeber für den Ort Worpswede. So sind die Künstler:innenHäuser Worpswede ein innovatives ländliches Zentrum, das der aktuellen Kunstproduktion zur Verfügung steht: als Aufenthaltsort, als Arbeitsstätte und als Ort der Auseinandersetzung für Worpswede und die Region. Sie stehen für gemeinschaftliche Begegnung und individuelle Konzentration, für Ko-Kreation und Selbstwirksamkeit. Die Künstler:innenHäuser fördern gegenwärtige Kunst, Worpswede und die Region.
Martin Kausche gründete 1971 den Komplex mit fünf Atelierwohnungen. Die aktuelle Leitung übernahmen im April 2020 Philine Griem und Bhima Griem. Das Land Niedersachsen, der Landkreis Osterholz und die Gemeinde Worpswede unterstützen mit weiteren Partnern wie dem Museumsverbund den Verein.




