Das Kompaktwochen-Projekt "experimenteller Entwurf" versteht Gestaltung als einen ergebnis-offenen Forschungsprozess. Ausgangspunkt des Kurses sind Beobachtungen von Brüchen, Makeln, Öffnungen, Übergängen und Zustandsveränderungen. Diese Phänomene sollen jedoch nicht bloß abgebildet, sondern genau beobachtet, analysiert und ihre Eigenschaften in Material und Form übersetzt werden.
Material wird dabei als Komplize im Entwurf verstanden. Durch Schneiden, Reißen, Falten, Verformen, Schichten, Öffnen, Verbinden oder andere mechanische Manipulation entstehen Experimente, die neue räumliche, strukturelle und haptische Qualitäten hervorbringen. Erforscht wird, welche Potenziale in Papier und Pappe liegen und welche Formen, Spannungen und Volumina ihre materialimmanenten Eigenschaften hervorbringen können.
Papier und Pappe sind für diesen experimentell-forschenden Entwurfsprozess stellvertretende, aber dankbare Entwurfsmaterialien, um niederschwellig Formen zu skizzieren, verwerfen und weiterentwickeln, um Varianten zu testen und Skalierungen zu generieren. Durch ihren hohen Abstraktionsgrad ermöglichen sie einen unmittelbar praktischen Zugang zum Entwurfsprozess. Gleichzeitig fördern sie die Auseinandersetzung mit Struktur, Konstruktion und Raum und unterstützen die Entwicklung eines materialbasierten Entwurfsdenkens.
Ausgehend von Experimenten in der Fläche entwickeln die Studierenden räumliche Studien und erproben die Beziehung zwischen Material, Volumen und Körper. Bekleidung dient dabei als Referenzraum, ohne dass funktionale Kleidung im klassischen Sinne entstehen muss. Formen, Details, Öffnungen, Übergänge, Volumina und körpernahe Strukturen werden als Elemente auf ihr gestalterisches Potenzial untersucht.
Der experimentelle Entwurfsprozess verläuft somit vom Beobachten über das Experimentieren hin zur räumlichen Übersetzung am Körper. Ziel ist die Entwicklung eines experimentellen Entwurfs, der aus einer eigenständigen Recherche hervorgeht und die Verbindung zwischen beobachtetem Phänomen, Materialexperiment und körperbezogener Form sichtbar macht.















