Lehrangebot

Galerien – mächtige Gatekeeper in der Krise?

„Galeriearbeit ist ein Behauptungsgeschäft." — Rudolf Zwirner

Die Galerie als Ort des Ausstellens, Verkaufens und Vermittelns von Kunst im Primärmarkt nimmt im Kunstbetrieb eine zentrale Position ein. Galerien gehören heute selbstverständlich zum Alltag von Künstler*innen, Sammler*innen, Kurator*innen und Kunstliebhaber*innen. Doch welche Bedeutung haben sie wirklich – und wer hat sie über die Jahrzehnte geprägt?
Während wir unter dem Begriff der Galerie heute vorrangig gewerbliche Verkaufsräume verstehen, entstammt die Bezeichnung ursprünglich den alten Bogengängen der Uffizien in Florenz. Am Ende des 19. Jahrhunderts markierte die moderne Kunstgalerie einen entscheidenden Wandel: Sie löste sich zunehmend aus institutionellen Zusammenhängen von Hof und Staat und gliederte sich in die privaten Bereiche des erstarkenden Bürgertums ein. Daraus entstanden neue wirtschaftliche Zusammenhänge – eine neue Ökonomie der Kunst, die wiederum neue Formen des Präsentierens und Vertreibens von Kunstwerken nach sich zog. Manches davon lässt sich auch heute wieder beobachten.
In der Bundesrepublik der Nachkriegsjahre entstand so eine vielseitige Galerienlandschaft, die den Weg für neue internationale Kunstrichtungen bereitete. Maßgeblich beteiligt waren daran auch Galeristinnen, deren unternehmerischer Mut, deren Gespür für neue Kunstrichtungen und deren Aufbau eigener Netzwerke bis heute zu wenig sichtbar gemacht wurden. Dieser Forschungslücke widmet sich das ZADIK – Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung an der Universität zu Köln – mit seinem Projekt „Women in the Art Market", das Netzwerke, Strategien und Karrierewege von Frauen im Kunstmarkt systematisch in den Blick nimmt.
Wie virulent diese Fragen bis in die Gegenwart reichen, zeigt ein Blick auf die aktuelle Marktlage. Die im September 2025 veröffentlichte dritte bundesweite Galerienstudie des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) unter Leitung von Hergen Wöbken bestätigt die zentrale, aber angefochtene Stellung von Galerien im Kunstbetrieb. Von den rund 700 professionellen Galerien in Deutschland nahmen über 150 an der Befragung teil. Sie organisierten 2024 mehr als 4.000 Ausstellungen mit rund zwei Millionen Besucher*innen und vertreten zusammen etwa 14.600 Kunstschaffende – darunter mittlerweile 41 Prozent Frauen, ein Anstieg von sechs Prozentpunkten seit 2020. Wirtschaftlich bleibt die Lage jedoch angespannt: Der geschätzte Gesamtumsatz aller Galerien sank von 890 Millionen Euro (2020) auf rund 600 Millionen Euro, der durchschnittliche Rohertrag liegt bei etwa 30 Prozent. Hinzu kommt ein bevorstehender Generationswechsel – fast die Hälfte der Galerien plant in den kommenden Jahren eine Übergabe, doch nur 17 Prozent verfügen bereits über eine konkrete Nachfolgeregelung. „Der eigentliche Konsolidierungsprozess steht uns erst bevor", so Wöbken.
Die Funktionen von Galerien im Kunstbetrieb sowie ihre Geschichte und ihr Wandel stehen im Mittelpunkt dieses Seminars. Kuratierte Ausstellungen in der Galerie sowie Kunstmessen bilden dabei ein wichtiges Betätigungsfeld, in dem Galerien auf unterschiedliche Weise agieren; auch neue Strategien der Vermarktung von Kunst werden diskutiert. Denn Galerien verändern ihr Selbstverständnis im Laufe der Zeit – abhängig von verschiedenen Parametern des Kunstbetriebs, besonders im Zuge der zunehmenden Globalisierung der letzten Jahrzehnte. Exemplarische Lebenswege von Galerist*innen und Kunsthändler*innen werden dabei vorgestellt und in den größeren historischen Zusammenhang eingeordnet.
Im Vordergrund stehen das persönliche Kennenlernen unterschiedlicher Galerien und ihrer Akteur*innen sowie eine vertiefte Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis. Im Rahmen einer Exkursion nach Berlin besuchen wir Galerien – darunter auch von Frauen geführte –, deren Inhaber*innen von ihren Erfahrungen im Kunstmarkt berichten.

Bitte melden Sie sich bis zum 30. Oktober 2026 verbindlich zum Seminar an: mail@susanne-pfleger.de

Die Veranstaltung richtet sich vornehmlich an Studierende des Studiengangs Kunstwissenschaften (MA). Studierende der Studiengänge Kunst (Lehramt) und Lehramt Kunst (M.Ed.) können Teilnahmescheine erlangen (s.u.). Studierende anderer Studiengänge sind herzlich willkommen.
 

Name der Lehrenden / Name of Teacher

Prof. Dr. Susanne Pfleger (Honorarprofessorin)

Veranstaltungsart und –methodik – Teaching and working methods  
Blockseminar mit Exkursion

Beurteilung – Assessment  
Studierende des MA Kunstwissenschaften: Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation)
Studierende Kunst (Lehramt) und Lehramt Kunst (M.Ed.): Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation)

Verwendbarkeit

M.A. Kunstwissenschaften: Modul 3 (Reflexive Praktiken) oder Modul 7 (Exkursion)
Kunst (Lehramt): Wahpflichtmodul Kunstwissenschaften
Lehramt Kunst (M.Ed.): Modul Kunst- und Designwissenschaften

Zugangsvoraussetzung – Prerequisites

Keine

Umfang in SWS

2

Häufigkeit, Dauer und Termin / Ort des Angebots
Donnerstag, 05.November 2026, 10.30 bis 18.00 Uhr, Hermes, Seminarraum
Freitag, 06. November, 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr, Hermes, Seminarraum

Der Termin der Exkursion wird gemeinsam vereinbart, da er abhängig von den Verfügbarkeiten der Gesprächspartner*innen ist. 

Die Anreise nach Berlin erfolgt selbstständig und auf eigene Kosten
(Reisekostenzuschuss durch den Verein „jugend in der galerie“ in Höhe von 20 €). Die Mahlzeiten werden organisiert und ebenfalls vom Förderverein übernommen. 


Ort:
 Hermes, Seminarraum 2.08
 (1. OG)