Bots, Memes und algorithmisch verstärkte Echokammern erzeugen eine widersprüchliche Fülle von Wirklichkeiten – den Nährboden neuer Autoritarismen. In einer Welt, die sich selbst entgleitet, dominiert eine bestimmte Form des Nachahmens: das trollhafte Spiel mit dem Original. Gerade deshalb gilt es, die Nachahmung nicht den Trollen zu überlassen, sondern ihre subversive Kraft für die Kunst neu zu entdecken – gegen den Strom zu schwimmen oder, besser noch, Schiffe zu bauen, die ihm gewachsen sind.
Nachahmung heißt auf Griechisch Mimesis. Von Platon und Aristoteles bis zur Moderne spielt sie – als Bedrohung oder als Erkenntnisform – eine tragende Rolle dafür, wie Welt und Wissen überhaupt gedacht werden. Die Moderne wollte die Mimesis überwinden, und diese Überwindung wird zum Schlüssel für die Konstitution des modernen Subjekts. Zugleich aber bleibt, wie mehrere Philosoph*innen des 20. Jahrhunderts herausgearbeitet haben, eine mimetische Dimension am Werk, deren Verleugnung zu Identitarismen und Totalitarismen geführt hat. Autor*innen wie Luce Irigaray oder Judith Butler bejahen und betonen gerade die mimetische Dimension als Gestus des Widerstandes. Aber lässt sich diese Kraft auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen politischen und sozioökonomischen Bedingungen entdecken und entfalten?
Das Seminar fragt nach dem Verhältnis von Mimesis und Politik in den letzten zwei Jahrhunderten, um vor allem ihre gegenwärtige Verschiebung zur Diskussion zu stellen. Im Zentrum steht das Verhältnis von Natur und Technik, Physis und Kunst. Wir arbeiten uns durch Ursprung und Ähnlichkeit, Teilhabe (Methexis) und Ansteckung, Abgrund und Selbstbezug, Formbildung und Wiedergang, Exzess, Mimicry, Simulation. Und wir sprechen auch über Kopien, Sampling, Aneignung, Deepfakes, generative Bildmodelle.
Ergänzt wird das Seminar durch einen Vortrag und einen Workshop von Dr. Ben Woodard (am 09.11., 18 Uh












