WELTENWECHSEL – Die Schamanin von Bad Dürrenberg und der Animismus
Ein Kooperationsprojekt mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Saale
Vor rund 9.000 Jahren wurde im heutigen Bad Dürrenberg eine besondere Frau bestattet. Ihr außergewöhnlich reich ausgestattetes Grab mit zahlreichen Beigaben wie Tierknochen, Geweihobjekten, Zähnen und anderen Materialien zählt zu den bedeutendsten archäologischen Befunden der Mittelsteinzeit in Europa. Körperliche Besonderheiten, die Grabbeigaben und weitere Befunde haben zu der Interpretation geführt, dass die Frau innerhalb ihrer Gemeinschaft eine spezielle Rolle innehatte – heute ist sie als die „Schamanin von Bad Dürrenberg“ bekannt.
Wie können wir uns heute einer Welt annähern, die auf einem grundlegend anderen Verständnis von Mensch, Tier, Natur und Wirklichkeit beruhte?
Ausgangspunkt des Projekts ist die Schamanin von Bad Dürrenberg und die Frage, welche Vorstellungen von Mensch, Tier, Natur und Wirklichkeit mit ihrer Lebenswelt verbunden gewesen sein könnten. Gemeinsam mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle nähern wir uns dem prähistorischen Kontext, den archäologischen Erkenntnissen und insbesondere den Vorstellungen von Animismus, Schamanismus und einer beseelten Welt. Dieses Wissen bildet die Grundlage für unsere gestalterischen Experimente: Wie können wir uns einer solchen Weltsicht heute annähern – und sie für andere erfahrbar machen?
Der Fokus liegt auf dem Animismus und der Vorstellung einer beseelten Welt. Im animistischen Weltverständnis ist die Grenze zwischen Mensch, Tier und Natur durchlässiger als in unserem heutigen westlichen Denken. Menschen und andere Wesen besitzen eine vergleichbare Innerlichkeit oder „Seele“ – sie unterscheiden sich vor allem durch ihre körperliche Gestalt. Der Körper wird zur Hülle, die bestimmt, aus welcher Perspektive die Welt wahrgenommen wird. Kurzum: Unterschiedliche Körperlichkeiten bei gleicher Innerlichkeit. Damit wird auch die Vorstellung denkbar, die eigene Perspektive zu verlassen, andere Gestalten anzunehmen und zwischen unterschiedlichen Welten zu wechseln.
Genau hier beginnt unser Experimentierfeld: Wie können wir Animismus, die Vorstellung einer beseelten Welt und schamanische Seelenreisen im prähistorischen Kontext für heutige Besucher*innen erfahrbar machen?
Mit medialen Inszenierungen und experimentellen Formaten versuchen wir, diese uns fremde Weltsicht in die Gegenwart zu übertragen und sinnlich zugänglich zu machen. Wie fühlt sich eine Welt an, in der Tiere, Pflanzen und Dinge beseelt sind? Wie lässt sich ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Wesen und Perspektiven erleben? Wie könnte eine Seelenreise medial übersetzt werden?
Künstliche Intelligenz begleitet diese Experimente als Übersetzer zwischen Welten: Sie kann helfen, vorhandenes Wissen neu zu verbinden, Perspektiven zu wechseln und mögliche Bilder, Klänge, Räume oder Erzählungen entstehen zu lassen.
Aufgabe und Ergebnisse
Die Schamanin von Bad Dürrenberg bildet den Ausgangspunkt und die Inspiration. Von hier aus können multimediale Arbeiten entstehen, die sich mit Animismus, Transformation, Wahrnehmung und einer beseelten Welt auseinandersetzen und diese Vorstellungen auf unterschiedliche Weise in unsere Gegenwart übertragen.
Dabei verstehen wir mögliche Ergebnisse nicht als Rekonstruktion historischer Wahrheit, sondern als Werkzeug für Interpretation, Spekulation und Imagination.
Zur medialen Form, konkreten Inhalten und Technologien gibt es keine Vorgaben. Die Ergebnisse können komplex oder einfach sein, multimedial oder medial reduziert, ernsthaft oder spielerisch, künstlerisch oder angewandt oder …. Gruppenarbeit ist möglich.
Projektpartner
Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und das zugehörige Landesmuseum für Vorgeschichte Halle beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit der Erforschung, Interpretation und Vermittlung der Schamanin von Bad Dürrenberg. Neue Ausgrabungen und interdisziplinäre Untersuchungen haben das Wissen über den rund 9.000 Jahre alten Fund wesentlich erweitert. Mit seiner wissenschaftlichen Expertise zu Fund, Lebenswelt, Schamanismus, Mittelsteinzeit und deren Vermittlung und Ausstellung bildet das Landesmuseum den zentralen Partner für unser Projekt. Von dieser Expertise profitieren wir – sowohl zum Beginn des Projektes als auch in dessen Verlauf.
Projektablauf
Im Projekt durchlaufen wir alle Phasen der Bearbeitung eines komplexen Projektes: Inspiration, Recherche, erste Ideen und Skizzen, Grob- und Feinkonzeption, Design- und Funktionsvarianten, experimentelle Auseinandersetzung mit Technologien, prototypische Umsetzung, Dokumentation und Präsentation des Ergebnisses.
In der Einführungswoche (voraussichtlich Dienstag Nachmittag bis Freitag) beginnen wir mit einer Inspirations- und Sensibilisierungsphase. Konkrete Inhalte folgen.
Es soll eine spielerische und zugleich forschende Atmosphäre entstehen, in der jede/r inhaltlich den eigenen thematischen Schwerpunkt identifiziert und darauf aufbauend die mediale Form entwickelt.
Während der wöchentlichen Konsultationen werden die aktuellen Bearbeitungsstände in der Gruppe diskutiert. Nach dem Feinkonzept finden Einzelkonsultationen zur individuellen Weiterentwicklung statt.
Abgaben
Demovideo, Anwendung, repräsentative Abbildungen, Kurzbeschreibung, Dokumentation
Bei einem Bachelor Abschlussprojekt sind die Präsentation und Dokumentation eigenständige Bestandteile, die gesondert bewertet werden.
Termine
Die wichtigsten Termine zusammengefasst
Projektseminar Dienstags in den Normalwochen
00. SW Einführungswoche: Einrichten des Seminarraums, ggf. Exkursion, Vorträge, etc.
03. SW Kompaktwoche zum Projekt: evtl. Workshop(s)
05. SW | Präsentation Grobkonzept
08. SW | Präsentation Feinkonzept
12. SW Kompaktwoche zum Projekt: Finalisierung
14. SW | Generalprobe Endpräsentation
15. SW | Endpräsentation und Ausstellung
Im Anschluss anfertigen der Dokumente für die Abgabe
Termine im Detail
- 00. SW | Dienstag Nachmittag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag Gemeinsames einrichten des Seminarraums, Exkursion und Vorträge – Detailplanung folgt.
- 01. SW | 13.10. | Einführung, Inspiration und Sensibilisierung
- 02. SW | 20.10. | Inspiration und Sensibilisierung
- 03. SW | 26.-29.10. | Kompaktwoche zum Projekt: ggf. Workshop(s) und oder Gäste
- 04. SW | 03.11. | Konsultation Ideen / Grobkonzept
- 05. SW | 10.11. | Präsentation Grobkonzept
- 06. SW | keine Veranstaltung (Kompaktwoche)
- 07. SW | 24.11. | Konsultationen in der Gruppe
- 08. SW | 01.12. | Präsentation Feinkonzept
- 09. SW | keine Veranstaltung (Kompaktwoche)
- 10. SW | 15.12. | Einzelkonsultationen
- Weihnachtspause
- 11. SW | 05.01. | Einzelkonsultationen
- 12. SW | 11.-15.01. | Kompaktwoche zum Projekt: Finalisierung des Projekts, ggf. Einzelkonsultationen
- 13. SW | 19.01. | Präsentation Projektstand / Konsultation
- 14. SW | 26.01. | Generalprobe Endpräsentation
- 15. SW | 01.-05.02. | Endpräsentation mit Gästen & Ausstellung der Projekte im Rahmen vom mmvrDIALOG
Ort: Neuwerk 7, Lehrklassengebäude, Projektraum Scholz (205)
Anmeldung
_ Beginn der Einschreibung 07. September um 10 Uhr
_ Ende der Einschreibung 27. September um 18 Uhr
Einschreibung über https://www.burg-halle.de/einschreibung-mmvr-projekte
(Benutzernamen st-Nr. und Burg-Passwort)
Anmeldungen von neu immatrikulierten Masterstudierenden, die noch keine Zugangsdaten haben, bitte per Mail (s. Kontakt) mit Angabe von Erst-, Zweit- und Drittwunsch.
Lern- und Qualifikationsziele
Im Fach „Komplexes Gestalten“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen mit den folgenden Zielen:
Multimedia|VR-Design (B.A.)
Im Fach „Komplexes Gestalten“ werden die in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und beispielhaft an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf einem tragfähigen Konzept basieren und anhand von Prototypen sowie medientechnisch und gestalterisch eigenständigen Gestaltungsstudien erprobt werden.
Multimedia Design (M.A.)
MA-Studierende bringen ihre fachspezifischen und erweiterten Kompetenzen (im Besonderem Quereinsteiger) in die Bearbeitung der komplexen Aufgabenstellungen ein und kontextualisieren diese in aktuellen Diskursen. Ziel ist es, im Rahmen der projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle fachliche Vertiefung und fundierte Lösungsstrategie zu entwickeln. Hierfür wird das künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierten Bearbeitungsfeldern weiterentwickelt. Es gilt, die eigene Arbeit unter Anwendung von Methoden künstlerischer Forschung zu einem eigenständigen künstlerisch-gestalterischen Lösungsansatz zu führen.












