Carolin Heddergott

Gespräche mit Pflanzen

Atelier 3 SoSe 2026

Atelier 3 Modul - Abschlussprüfung der Klasse für bildhauerische und performative Praxis / Prof. Stella Geppert, SoSe 2026

Carolin Heddergott – Gespräche mit Pflanzen

Pflanzen wachsen. Sie nehmen ihre Umgebung war, analysieren, manipulieren ihre Umgebung, verteidigen sich. Ihr Wachstum folgt einer inneren Logik, die sich der menschlichen Kontrolle weitestgehend entzieht. Die vegetabile Lebensweise bildet den Ausgangspunkt einer künstlerischen Praxis, die das Verhältnis zwischen Mensch und Natur neu verhandelt. Im Zentrum der Arbeit steht eine Verschiebung: Pflanzen werden nicht als Material betrachtet, sondern als Akteurinnen.

In conversation on glass entfalten die Pflanzen ihre Handlungsmacht - sie selbst zeichnen auf das Glas. Es entsteht eine Komposition aus Erde, Wurzelhaaren, Wurzeln, sowie Linien aus der öligen Substanz - der tatsächlichen Schrift der Pflanzen. Diese fast unsichtbaren Linien machen die Wege und Entscheidungen der Pflanzen auf dem Glas sichtbar und zeichnen den Dialog zwischen der Pflanze und ihrer Umgebung ab. Die Pflanzen reagieren aber auch auf äußere Impulse: Wasser, Licht, Leerräume und die Ausrichtung des Glases verändern die Lebensbedingungen, an die sich die Pflanzen kontinuierlich anpassen. Die daraus hervorgehenden vegetabilen Linien sind Ausdruck eines gegenseitigen Zuhörens zwischen der Künstlerin und den Pflanzen. Conversation on glass versucht auf diese Weise die pflanzliche Sprache sichtbar zu machen.

Ein zentrales Anliegen der Videoarbeit in progress ist es, die pflanzliche Eigenzeit sichtbar zu machen. Pflanzen bewegen sich in Zeiträumen, die der menschlichen Wahrnehmung in der Regel entzogen bleiben. Durch Verschiebung der Zeitachse wird die pflanzliche Bewegung sichtbar gemacht. Gleichzeitig wird so die menschliche Vorstellung von Pflanzen als passive, unbelebte Wesen herausgefordert: Wurzeln tasten voran, ziehen Linien, bündeln sich und werden schlussendlich wieder zersetzt; Mikroorganismen und Insekten radieren die pflanzlichen Linien aus und stellen einen Kreislauf her. Das letzte Bild wird zum ersten Bild. Es entsteht eine Unendlichkeit, die die Zeitwahrnehmung erneut infrage stellt.