Eine Anthologie
Wir Designer*innen arbeiten täglich mit Oberflächen. Wir gestalten, beschreiben und bewerten sie. Wir sprechen über Farben, Materialien, Strukturen und Glanzgrade. Und doch bleiben Oberflächen in unserer Profession oft erstaunlich oberflächlich betrachtet, obwohl wir ständig mit ihnen in Berührung sind.
Wenn wir mit den Fingern über eine Oberfläche streichen, geschieht mehr als bloßer Kontakt. An der Grenze zwischen Haut und Material wirken Kräfte, die Moleküle anziehen, lösen und neu verbinden. Winzige Partikel werden ausgetauscht. Atome und Elektronen reagieren aufeinander. Was als feste Trennung erscheint, erweist sich bei näherer Betrachtung als Zone der Begegnung.
Die Oberfläche des Gegenstandes verändert uns. Gleichzeitig verändern wir die Oberfläche des Gegenstandes. Der Fingerabdruck ist das sichtbare Zeichen dieses Vorgangs. Er ist die Spur einer Berührung, der Nachweis einer Begegnung. Mit jeder Berührung übertragen wir einen Teil von uns selbst auf die Dinge und nehmen zugleich etwas von ihnen mit. Oberflächen sind deshalb keine Grenzen. Sie sind Kontaktzonen. Orte des Austauschs zwischen Körper und Welt.
Auch dieses Buch bleibt davon nicht unberührt. In dem Moment, in dem Sie es in die Hand nehmen, beginnt eine Beziehung. Ihre Finger hinterlassen Spuren auf dem Papier, und das Papier hinterlässt Spuren bei Ihnen – materiell, aber vielleicht auch gedanklich. Mit jeder Seite wird das Buch ein wenig Teil von Ihnen, und Sie werden ein wenig Teil des Buches.
Der Fingerabdruck steht damit exemplarisch für die These dieses Buches. Oberflächlichkeiten sind nicht das Ende der Dinge. Sie sind der Ort, an dem die Dinge einander begegnen. So soll dieses kleine Buch ein Versuch sein, bei den Oberflächen in die Tiefe zu gehen.
Zur Publikation
Die Publikation vereint 27 Texte zum Thema Oberflächen. Verbunden über eine Buchschraube, erinnert das Buch an eine Art Material- oder Farbfächer: Es lässt sich aufschrauben, sodass die einzelnen Hefte neu sortiert oder auch einzeln gelesen werden können.
Auch die grafische Gestaltung setzt sich mit dem Thema Oberflächen auseinander. Die Typografie greift die Inhalte auf und spielt mit Satz und Fläche. Ein tolles Match ist die Schrift Recepta, entwickelt an der Burg Giebichenstein von Jennifer Lindner. Die Cover der einzelnen Hefte zeigen schraffierte Oberflächen, die auf dem Design-Campus der Burg gesammelt wurden. Durch eine spezielle Überdrucktechnik wirken diese Oberflächen dreidimensional und fast schon haptisch erfahrbar.
Bewusst wurde bei Rück- und Frontcover der Publikation auf Farbe verzichtet, sodass sie allein über Prägungen funktionieren. Diese sind nur durch speziell im 3D-Druckverfahren hergestellte Prägestempel möglich.
HERAUSGEGEBEN VON
Prof. Dieter Hofmann
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, University of Art and Design
Neuwerk 7
06108 Halle (Saale)
Redaktion
Studio Pond
Korrektorat
Christiane Lober
(bis auf die Texte Kisiwas Nasenabdruck, Oberflächen-Welt, the_monastic_pixel_pusher.cpp, Oberfläche dekonstruieren, Bespiegelungen, Oberfläche – Warum es schwerer wird in die Tiefe zu kommen, Editorial, Kurzbiografien)
Gestaltung
Lea Johanna Becker & Louisa Victoria Clever
Die Oberflächenstrukturen auf den Covern stammen von verschiedenen Orten des Campus Design der Hochschule.
Schrift
Recepta, entwickelt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle von Jennifer Lindner
Papier
Munken Kristall Rough 100g/m² & 1200g/m²
Magno Gloss Bilderdruck 200g/m² & 350g/m²
Druck
Hochschuldruckerei
Bindung
Buchbinderei Marré
Petersberg, OT Teicha
Auflagenhöhe
200
Copyright© 2026, Herausgeberinnen und Autorinnen
PREIS
25 Euro
ISBN
978-3-98612-364-2
Urheberrecht
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Herausgeberin und der Autor*innen unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung,
Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar.