WiSe 26/26 - Mathilda Scheer

WiSe 26/26 - Mathilda Scheer
Blickwechsel
„Blickwechsel“ thematisiert die armenische Nadelspitze als Medium der Resilienz nach dem Genozid von 1915. Basierend auf Emma Weltys Masterarbeit: „The Shepherds of Needlelace: Armenian-American Lace After the Genocide“ wird der Wandel vom rituellen Objekt zum lebensnotwendigen „tragbaren Kapital“ untersucht. Die Arbeit versteht sich als Auseinandersetzung mit den Folgen von Genozid, Assimilation und biographischen Brüchen, die traditionelle Wissensformen verdrängen oder unsichtbar machen.
Kernstück ist ein Jacquardgewebe, das eine Nadelspitze von Almas Boghasian mit einem Zitat von Nouvart Tashjian vereint. Durch eine doppelte Inszenierung des Textils verändert sich die Wahrnehmung des Betrachtenden: Blaues Licht betont das gewebte Abbild von Boghasians Nadelspitze, während rotes Licht verborgene Textebenen offenlegt. Tashjians Zitat zur erzwungenen Kommerzialisierung armenischer Spitze nach dem Genozid verweist auf die gewaltsamen Bedingungen ihrer Veränderung. Die Installation verschiebt den Blick weg von der rein dekorativen Betrachtung der Spitze hin zu ihrer Einordnung in Machtstrukturen und einer weiblichen Überlebensgeschichte.




