Aktuelles

Nachruf auf Gerhardt Günther, Lithograf an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle trauert um den ehemaligen Kollegen Gerhardt Günther.

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle trauert um Gerhardt Günther, der die Lithographie an der BURG über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat und nun im Alter von 83 Jahren in Halle verstorben ist.

 

Sein Nachfolger Stephan Rosentreter erinnert an einen langjährgen Kollegen und Freund:

„Seit 1976 war Gerhardt Günther als Lithographiedrucker im Fachgebiet Grafik tätig. Unter der künstlerischen Leitung von Pof. Willi Sitte, Prof. Frank Rudigkeit und Prof. Thomas Rug wirkte er als hochqualifizierter und leidenschaftlicher Meister seines Handwerks. Generationen von Studierenden und zahlreiche Künstlerinnen und Künstler profitierten von seinem außerordentlichen Können, seiner Präzision und seinem tiefen Verständnis für die Kunst der Lithographie. 
Als professioneller Lithodrucker verhalf er renommierten Künstlern wie den schon genannten, aber auch Otto Möhwald, Uwe Pfeifer, Werner Tübke, Frieder Heinze und vielen anderen zu herausragenden, oft mehrfarbigen lithographischen Blättern von höchster Qualität. Seine Drucke zeichnen sich durch technische Souveränität, gestalterische Sensibilität und ein feines Gespür für das jeweilige künstlerische Anliegen aus. 
Gerhardt Günther war ein Mensch mit klarer innerer Haltung. Sein katholischer Glaube war zu DDR-Zeiten alles andere als selbstverständlich und Teil einer tiefen, persönlichen Überzeugung. Aus einer ebenso tiefen Sehnsucht heraus war er ein Liebhaber der Bohème. Jedes Jahr edierte er einen selbst entworfenen, lithographierten und meisterlich gedruckten Almanach, dessen Gestaltung an die Jugendstilplakate des späten 19. Jahrhunderts in Paris und Prag erinnerte. Diese werden übrigens allesamt im Archiv der BURG aufbewahrt. 

Er war ein Lebemann im besten Sinne: dem guten Glas Rotwein und einem Zigarillo nicht abgeneigt, ein aufmerksamer Zuhörer und Gesprächspartner und ein großzügiger Freund. Zugleich war er ein ausgeprägter Familienmensch. Sein Herz gehörte seiner Tochter Claudia und seinen drei Enkeln, von denen er oft und mit sichtbarem Stolz sprach. Sein Freundeskreis war groß, und in der halleschen Kunstszene genoss Gerhardt Günther hohe Anerkennung und Respekt, nicht nur für sein handwerkliches Können, sondern auch für seine Menschlichkeit, seine Verlässlichkeit und seine stille Großzügigkeit. 
Vor 21 Jahren trat ich seine Nachfolge an mit dem Bewusstsein in große Fußstapfen zu treten. Sein Wirken, seine Haltung und sein Anspruch an das Handwerk sind für mich bis heute Maßstab und Verpflichtung zugleich. 

Mit seinem Tod verliert die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle eine prägende Persönlichkeit, die Kunstwelt einen Meister der Lithographie und viele einen geschätzten Kollegen und Freund. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken in unseren Herzen und Erinnerungen bewahren.“

Der Familie, den Angehörigen und Freunden gilt unsere Anteilnahme und unser aufrichtiges Beileid.

 

Prof. Bettina Erzgräber, Rektorin
Prof. Dr. Sara Burkhardt, Dekanin des Fachbereiches Kunst

Detailbild eines Almanachs mit Signatur von Gerhardt Günther.