Die von Studierenden der Technischen Universität Liberec und der BURG initiierte Ausstellung widmet sich den Phänomenen Warten, Erwarten und Zeit. Die erste Hälfte wird ab dem 18. Februar in der Galerie N der TUL in Liberec, Tschechien gezeigt.

—
Die von Studierenden der Technischen Universität Liberec und der BURG initiierte Ausstellung widmet sich den Phänomenen Warten, Erwarten und Zeit. Die erste Hälfte wird ab dem 18. Februar in der Galerie N der TUL in Liberec, Tschechien gezeigt.
„Wir sind nicht mehr allein, wir warten auf die Nacht, wir warten auf Godot, wir warten auf ... das Warten.“ Samuel Beckett, Warten auf Godot (1952)
„Warten auf das Warten“, sagt eine der Figuren in Becketts absurdem Theaterstück – ein Satz, der die Paradoxie der modernen Existenz auf den Punkt bringt. Ist das nicht der vorherrschende Zustand der heutigen Subjektivität? Wir befinden uns in einer ständigen Spannung der Erwartung, immer bereit für den unfassbaren Durchbruch: nur noch ein Schritt, noch eine Sache, noch ein Versuch – und dann wird es geschehen.
Wir alle warten auf unterschiedliche Ergebnisse, oder vielleicht sind wir still vereint in der Erwartung desselben. Wir warten darauf, dass Kriege enden oder wieder ausbrechen, dass sich politische Strömungen wenden, auf eine ökologische Katastrophe oder Rettung, auf eine E-Mail, eine Nachricht, ein Zeichen. Im Grunde warten wir alle auf unseren Godot – unbestimmte Ankünfte, versprochene Ereignisse oder Auflösungen, die ständig verschoben werden. Wie bei Beckett warten wir, während das Leben weitergeht – um uns herum, mit uns und ohne uns. Es gibt keinen besseren Weg, Zeit physisch zu erleben, als auf etwas zu warten. Es ist die engste Beziehung, die die Menschheit zur Zeit haben kann.
Wer ist Godot und was bedeutet Warten? Ist es eine Handlung oder das Ausbleiben einer Handlung? Eine physische Unterbrechung oder ein emotionaler Schwebezustand? Ist Warten ein existenzieller Ausgangszustand, ein stiller Auftakt zum unvermeidlichen Ende? Diese Ausstellung präsentiert künstlerische Reflexionen über das Wesen des Wartens und darüber, wie diese Ausdauer sichtbar und greifbar gemacht werden kann.
Der Titel des Projekts setzt sich aus dem deutschen und dem tschechischen Wort Erwartung/Očekávání zusammen, was die Zusammenarbeit von Künstlern aus Deutschland und der Tschechischen Republik widerspiegelt. Beide Wörter bezeichnen „Erwartung”, verkörpern aber gleichzeitig die doppelte Natur des Wartens – die Vorfreude auf etwas Äußeres und die Konfrontation mit den inneren Anforderungen der eigenen und fremden Erwartungen (warten/čekat). Dieses Sprachspiel offenbart die grundlegende Spannung des Lebens zwischen Erwartung und Warten, Planen und Vergehen, Voraussehen und Hoffen. Warten und Erwarten prägen die Erfahrung von Zeit auf besondere Weise: Die Zeit wird nicht homogen, sondern durch Unterbrechungen rhythmisiert. Die Zeitlichkeit ist nicht einheitlich und kontinuierlich, sondern es gibt verschiedene Übergänge, Enden und Anfänge, Phasen, in denen die Zeit vergeht, und Momente, in denen sie stillsteht. Anhand verschiedener künstlerischer Perspektiven beschäftigt sich Erwartung/Očekávání damit, wie Warten und Erwarten in Bezug auf Hoffnung, Zweifel und Unsicherheit Bedeutung schaffen und wie sie das Wesen der Zeit selbst offenbaren.
Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen Studierenden der BURG in den Studienrichtungen Glas/Malerei, Grafik und Kunstwissenschaften mit Studierenden der Technischen Universität Liberec in der Klasse Glas und Schmuck.
Der erste Teil „Očekávání/Erwartung“ wird in der Universitätsgalerie N der Technischen Universität Liberec gezeigt. Der zweite Teil „Erwartung/Očekávání“ wird im September 2026 in der Burg Galerie im Volkspark stattfinden.
TUL:
Josefína Váchová, Nella Meresová, Solomija Ratušna, Anna Hornová, Radek Votoček, Daniela Dolejší, Barbora Šolcová, Ondřej Kábele
BURG:
Jasper Helwig, Vahdeta Tahirović, Joshua Raasch, Luise von Cossart, Gesine Otto, Coco Martina Brüschweiler
Kuration:
Anastasia Patapkina in Zusammenarbeit mit Luise von Cossart










—