Provisorium

Hochschule als Reallabor für Nachhaltigkeit
Hochschule als Reallabor für Nachhaltigkeit

Über Provisorium

Mit dem Projekt Provisorium verwandelt sich die Kunsthochschule in ein Reallabor, um Nachhaltigkeit nicht nur zu diskutieren, sondern praktisch zu erproben. Für ein Jahr wird ein gemeinsames Thema gewählt, das in Lehre, Werkstätten, Verwaltung und Forschung auf vielfältige Weise aufgegriffen werden kann. Ziel ist es, durch gemeinsames Handeln, Erproben und Reflektieren neue Routinen, Impulse und Perspektiven zu entwickeln.

Das Projekt Provisorium macht die Stimmen an der Hochschule hör- und sichtbar, die sich schon jetzt mit diesen Themen auseinandersetzen: Es zeigt und verknüpft die Projekte, Initiativen und Ansätze, die sich an der Kunsthochschule mit Themen der sozial-ökologischen Transformation beschäftigen. Transformation wird als ein transdisziplinäres und vielstimmiges Unterfangen begriffen, welches das Projekt Provisorium bis Ende des Jahres 2027 mit Netzwerkarbeit, Veranstaltungen, der Entwicklung und Umsetzung des Jahresthemas unterstützt. 

Das Projekt verwandelt die Kunsthochschule temporär in ein experimentelles Feld: Für ein Studienjahr wird gemeinsam ein Jahresthema gewählt und innerhalb bestehender Formate (Semesterprojekte, Jour Fixe), Infrastrukturen (Zentrale Werkstätten, Materialsammlung), Vorgänge (Beschaffung) und Tätigkeitsbereiche praktisch erprobt. Das Thema ist dabei keine Vorgabe, sondern ein Angebot: Als Projekt unterstützen wir die Einbindung des Themas in Projekte und arbeiten aktiv an Kooperationen innerhalb der Hochschule.

Das Projekt Provisorium ist zyklisch aufgebaut und angelehnt an die Rhythmen eines Gartens: In einer ersten Projektphase wird der Boden gepflügt, vorbereitet und die Saat ausgesät. Wir sehen auch, was schon wächst oder was in der Vergangenheit gewachsen ist.

Diese Recherche und Vorbereitungsphase an der Hochschule ist die Zeit des Zuhörens – wir wollen herausfinden, an welchen Stellen Initiativen, Ideen oder Lehrangebote zur sozial-ökologischen Transformation schon stattfinden oder entstehen. In Gesprächen erfahren wir, welche Themen wichtig sind, an welcher Stelle wir etwas vertiefen oder unterstützen können und welche Projekte schon im Gange sind.

In dieser Zeit finden wir auch das Jahresthema – das Herzstück des Gartens. Die Entscheidung dazu soll mit Mehreren getroffen werden, an einem Tisch, gemeinsam, im Gespräch. Auf welchem Fokus im Kontext der Nachhaltigkeit können sich verschiedene Akteur*innen für ein Jahr beziehen? Die Idee ist nicht die einer strikten Vorgabe, sondern eines Angebotes: Das Thema ist wie ein Nährstoff für den Garten, der Prozesse unterstützt.

In einer zweiten Phase kümmern wir uns um die Aussaat und pflegen den Garten. Was wächst, wird im Projektzeitraum sichtbar – die Idee des Experiments im Konzept des Reallabors ist zentral und braucht, wie der Garten, ein Grundvertrauen. Das kontinuierliche Kümmern unterstützt das Wachsen und im besten Falle entsteht ein Moment der "Cross Pollination" – Ideen verteilen sich und befruchten Neues.

In verschiedenen Formaten wird das Jahresthema in der Hochschule an unterschiedlichsten Orten hervorsprießen: in Workshops oder Fortbildungen, einer Podcast-Serie, in den BURG Sessions, in Exkursionen, auf dem Parkplatz…,.

In einer dritten Phase wird geerntet: In der Jahresausstellung werden Ergebnisse und Erkenntnisse geteilt und dann in einer Publikation dokumentiert. Hier geht es auch um Reflektion und Aussicht auf den nächsten Zyklus.

Wir wollen das Thema der Transformation als eine Bereicherung in die Hochschule tragen und ein Narrativ vermeiden, dass die Nachhaltigkeit zu einer weiteren Vorgabe macht. Vielmehr ist es der Versuch, eine eigene Qualität in einer nachhaltigen Praxis zu sehen, insbesondere künstlerisch und gestalterisch. 

Wie verändert der Verzicht Prozesse in der Kunst? Wie könnte ein nicht-produzierendes Design aussehen? Wie gestalten wir für einen Campus von morgen oder für Mehr-als-menschliche Lebewesen? Welche Rolle spielen dekoloniale Designansätze in der sozial-ökologischen Transformation?

Das Provisorium ist hier auch, im Sinne des Ursprungs des Wortes, eine Vor-Sorge: Wir wollen Sorge tragen für das, was nach uns kommt, und damit vorsichtig eine Projektlogik aufbrechen, die etwas abschließen muss. So wie der Garten sehen wir uns in einem Kontinuum, einem Zyklus, der immer und immer wieder Pflege braucht – oder auch irgendwann von allein wächst.

(Das Dinner fand am 24.06.2026 statt).

Mehr dazu: https://www.burg-halle.de/veranstaltung/e/staying-with-the-trouble

Staying with the Trouble – Donna Haraways These, angesichts sozialer und ökologischer Krisen nicht nach einfachen Antworten zu suchen, sondern mit Widersprüchen, Unsicherheiten und Verflechtungen zu arbeiten, ist unser Ausgangspunkt für diesen Abend.

Wir möchten zum gemeinsamen Essen und Gespräch einladen – und uns mit sozial-ökologischen Transformationen hier an der Hochschule auseinandersetzen. Für das Jahr 2026/27 suchen wir ein gemeinsames Jahresthema* im Feld sozial-ökologischer Transformation, das unterschiedliche Bereiche der Hochschule miteinander verbindet und Raum für Projekte, Lehrformate, Werkstattpraxis, Diskussionen und gemeinsame Aktivitäten öffnet. 

Das Dinner ist die Grundlage für die Entscheidung zum Jahresthema – der Moment, in dem die Richtung festgelegt wird. 

Da das Thema viele Bereiche der Hochschule berühren soll, ist es wichtig, auch möglichst verschiedene Stimmen mit am Tisch zu haben. Vorkenntnisse braucht es nicht, es geht um das Austauschen von Gedanken und Ideen zum Thema – wir freuen uns über zahlreiche und diverse Perspektiven aus der Hochschule. Der Abend beginnt mit kurzen Inputs zu möglichen Themenfeldern, um in die Diskussion zu starten.

Für Essen und Getränke ist gesorgt. Das Dinner ist vegetarisch und es wird vegane und glutenfreie Optionen geben. Wir treffen uns neben dem Blauwagen unter den Bäumen – sollte das Wetter nicht mitspielen, finden wir eine wetterfeste Lösung.

 

Das Jahresthema ist ein Angebot, Nachhaltigkeit und nachhaltige Perspektiven mit in die eigene Arbeit an der Kunsthochschule aufzunehmen – unterstützt von den Projektstellen zur sozial-ökologischen Transformation