Lehrangebot

On the Street

Ein klassisches Konzert Neuer Musik in der Elbphilharmonie mit dem Titel Graffiti von Unsuk Chin war der Impuls, für ein Alltagsphänomen, das uns täglich begleitet, eine vergleichbare Abstraktionsebene im Textil zu suchen.

Schon die Höhlenmalerei beweist das Mitteilungsbedürfnis der Menschen im öffentlichen Raum. In Pompeji war es üblich neben Liebesschwüren auch politische Botschaften an die Wand zu malen. Der Wanderer Josek Kyselak hinterliess im 19.Jahrhundert seinen Namen auf Hauswänden. In den 20er Jahren des 20.Jh. wurden Tags als Geheimsprache genutzt – zum Beispiel zu zeigen wo bissige Hunde sind. Ende der 60er startet Taki 183 alias Demetrios die Ausbreitung der Graffiti in der HipHop-Szene von New York in die ganze Welt. Selbst die DDR erfindet mit „Rapschrift“ einen passenden Begriff. In der bildenden Kunst ist Banksky Millionär und Katharina Cibulka nutzt die Stickerei auf Bauplanen für feministische Botschaften. In Halle gibt es die Freiraumgalerie in Freiimfelde und die Tags überall und neben der Haustür.

Eines der Phänomene des Graffiti – von Pompeji über Mosaike in Paris bis zu Urban Knitting – soll näher untersucht und über vielfarbige Gewebe und Gestricke abstrakt erzählt werden. Entscheidend sind Kriterien wie Vielfarbigkeit, Materialität und Verhältnismäßigkeit von Farbe zueinander. Die vornehmlichen Muster sind Strukturen und feine Streifen. Grundsätzliche Techniken sind Weben und Stricken. Vereinzelte Muster sollen durch Stickereien ergänzt werden, die auf der speziellen Typografie der Graffiti basieren.

Es soll grundsätzlich und hauptsächlich experimentell an den Schaftwebstühlen und den Strickmaschinen gearbeitet werden. Das bedeutet, dass es nicht um Funktionalität geht, sondern um den freien Umgang mit den vielfarbigen Fäden, die neben den konventionellen Bindungen z.B. auch frei flottieren können. Zusätzlich ist die Gestaltung der Fäden selber ein Gestaltungselement durch gezielte Farben aber auch spezielle Färbungen wie DipDye oder Verzwirnungen verschiedenen Farben und Materialien. 

Entstehen wird eine Serie von vielen unterschiedlichen Geweben und Gestricken, die die ausgewählte Geschichte des Graffiti illustriert. Das kann je nach Thema linear oder allgemein erzählt werden. Alle Stoffe zusammen bilden den Fundus, der Prozess wird begleitet durch ein Skizzenbuch, außerdem soll ein 2-3seitiger Essay über das eigene Thema verfasst werden. Aus den unterschiedlichen Serien entsteht so eine kleine Geschichte des Graffiti.