Lehrangebot

PRO ERPROBUNGSRAUM

Thema Entwurfsprojekt SoSe 2026
Prof. Robert Laser, KM Jannis Block

PRO ERPROBUNGSRAUM

Entwurfsprojekt zum Potential der Gebäudetypologie Pfarrhaus für Nachbarschaft im ländlichen Raum -> Gemeindehaus zu Dorfgemeinschaftshaus

// HINTERGRUND

September 2026 ist Landtagswahl in Sachsen Anhalt. Aktuelle Umfragen prognostizieren eine Wahlergebnis über 40% für die rechtsextreme Partei AFD. im ostdeutschen ländlichen Raum sogar eine eindeutige Mehrheit von bis zu 60%. Sachsen Anhalt ist ein Bundesland mit einem hohen Bevölkerungsanteil in eher ländlichen bzw. kleinstädtischen Strukturen. Die Bevölkerung ländlicher Räume altert und mit Ihnen schwindet der öffentliche Raum, der Begegnung, Austausch und demokratische Selbstwirksamkeit ermöglicht. Auf dem Land dominiert das Gefühl des Vergessen-Seins und der Hilflosigkeit. Der Rückzug ins Private oder die Sehnsucht nach einfachen Lösungen von Aussen ersetzen gemeinschaftliches Handeln. Nach dem Verlust einer auf Begegnung und Gemeinschaft basierenden Versorgungs- Arbeits- und Verkehrsstruktur auf dem Land lösen sich aktuell auch die Gemeindestrukturen der Kirchen auf. Leerstehende Gebäudesubstanz der Kirchgemeinden drohen zu verfallen oder durch Privatisierung als letzte zentrale Räume der Öffentlichkeit verloren zu gehen.

 

// AUFGABE

Welcher konkrete Raum kann aus einer Dorfgemeinschaft heraus entstehen, in dem Einzelne oder Gruppen, Vertrauen in Ihre Selbstwirksamkeit und damit in demokratische Strukturen stärken. Im Typus, der besonderen Lage (Topos) und in der Konstruktion des Bestandes sind Spuren zu finden, aus denen einladende Erprobungsräume für eine Dorföffentlichkeit mit hoher atmosphärische Dichte entwickelt werden sollen. Es werden drei ausgewählte Pfarrhäuser im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts mit unterschiedlicher monolithischer Konstruktionen (a. Naturstein, b. massiver Lehm, c. Sichtmauerwerk) 

zur Projektauswahl gestellt. In der Langlebigkeit handwerklicher Roh- und Baustoffe In Kombination mit kurzen Lieferwegen der zugefügten Ausbaumaterialien kann der Schlüssel für nachhaltiges und gleichwohl ökonomisches Bauen gefunden werden.

 

// TYPOLOGIE - BAUWERKE

Etymologisch stammt das deutsche Wort „Pfarre“ vom griechischen Wort „paroikia“ für NACHBARSCHAFT

Das Gemeindehaus war schon immer multifunktional. Es vereinte Wohnraum, Versammlungsraum, und Amtssitz in Einem. Zusätzlich finden sich auf Pfarrgrundstücken oft Bibliotheks- und Vorratsräume, kleinere Nebengebäude sowie ein eingefriedeter Garten zur Selbstversorgung. Das Gemeindehaus steht zumeist auf gutem Baugrund in zentraler Ortslage, wurde mit besondere handwerklicher Qualität errichtet, genießt den denkmalpflegerischen Schutzwert und die bisher gute Baupflege der Landeskirchen. Meistens markiert ein alter gut sichtbarer Baumbestand die Lage des Pfarrhauses (Dorflinde, Pfarrgarten) Die typologische Raumfolge der regional vorrangig zwischen Barock und Klassizismus errichteten Pfarrhäuser ist unverwechselbar interessant.  Das gesamte Bauvolumen, die Raumhöhen und auch Fensterformate sind funktionsbedingt größer dimensioniert als bei ländlichen Wohngebäuden. Oft finden sich ornamental verlegtes Feinsteinzeug in den Eingangsbereichen. Die Treppen sind aus Harthölzern oder Stein.

Prof. Robert Laser / KM Jannis Block

 

 

 

Im Fach „Komplexes Gestalten/Entwurf“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen auf folgende Ziele hin:


BA IA
Im Entwurfsmodul werden die verschiedenen in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und beispielhaft an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf einem tragfähigen Konzept basieren und konstruktiv und gestalterisch einen eigenständigen Lösungsansatz formulieren.-

MA IA+FID
Im Master-Entwurfsmodul findet im Rahmen einer projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle fachliche Vertiefung statt. Hierfür wird das künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierten Bearbeitungsfeldern weiterentwickelt. Zusätzlich werden Kenntnisse beim Initiieren und Konzipieren von ambitionierten Entwurfsaufgaben erworben sowie Planungs- und Visualisierungsprozesse stufenweise ausgebaut.
Ziel ist es, eine fundierte Lösungsstrategie zu entwickeln und unter Anwendung von Methoden künstlerischer Forschung einen eigenständigen künstlerisch-gestalterischen Lösungsansatz zu generieren.