Das Projekt „HAND OVER TIME“ ist eine Kooperation zwischen SCHMUCK HALLE der BURG, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Das Projekt „HAND OVER TIME“ ist eine Kooperation zwischen SCHMUCK HALLE der BURG, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Der Workshop „Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte“ wurde von Akis Goumas geleitet, einem griechischen zeitgenössischen Schmuckkünstler und Forscher, der sich auf antike ägäische Goldschmiedetechniken spezialisiert hat. In dem einwöchigen Workshop mit sehr abwechslungsreichem Programm – von Museumsbesuch bis zum praktischen Arbeiten in verschiedenen Werkstätten – hat er uns seine Forschungen zu historischen Werkzeugen und Metallbearbeitungstechniken aus der Bronzezeit vorgestellt und sein Wissen darüber, wie sich durch das praktische Arbeiten Erkenntnisse über Werte und Lebensbedingungen vergangener Gesellschaften gewinnen lassen, mit uns geteilt.
In unsere Schmuckwerkstatt an der BURG haben wir 3500 Jahre alte Techniken der Werkzeugherstellung und Materialbearbeitung ausprobiert, um unsere eigenen Zeichnungen als Relief in dünne Kupferbleche zu übertragen. Aus einfachen Materialien wie Wachs und Gips, Ton, Holzstäben und verschiedenen Bronzestangen stellten wir unsere eigenen individuellen Werkzeuge für Repoussé her.
Im letzten Teil des Workshops erkundeten wir, mit einem Blasrohr, selbst hergestelltem Kupfersalz und Feinsilberblech, die uralte Technik des Granulierens, ihre Herausforderungen und ihre Schönheit.
Goumas hat uns erspüren lassen, wie wir beim handwerklichen Arbeiten durch ständige Wiederholung unseren eigenen Rhythmus – unsere Musik – finden, und wie unser Körpergefühl und unsere Körperhaltung entscheidend am Entstehungsprozess mitwirken: Das Machen fördert das Denken – und das Denken wiederum verfeinert das Machen!
Akis Goumas (*1952 in Griechenland) hat seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in ganz Europa präsentiert. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften ließ er sich in Goldschmiede- und Silberschmiedekunst, Gemmologie und Siegelgravur ausbilden. Seit 2000 unterrichtet er Schmuckgestaltung in Florenz und Athen. Goumas erhielt Stipendien von der Harvard University sowie von Homo Faber. Als technischer Berater und Schmuckkünstler wirkte er kürzlich an der Ausstellung „Art in Gold“ im Benaki Museum in Athen mit.
Das erste Projekt im Rahmen von HAND OVER TIME war ein gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt veranstalteter Workshop. Zum Auftakt richteten wir den Fokus auf die Himmelsscheibe von Nebra, eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Europas. Dank der engagierten Bemühungen von Prof. Dr. Harald Meller befindet ist diese älteste konkrete Darstellung kosmischer Phänomene im halleschen Landesmuseum für Vorgeschichte.
Die Himmelsscheibe von Nebra entstand vermutlich vor über 3.600 Jahren in der frühen Bronzezeit in Mitteldeutschland. Die Bronzescheibe zeigt die Sonne, einen Vollmond, eine Mondsichel und 32 Sterne sowie zwei Horizontbögen und eine Himmelsbarke – alle aus Gold gefertigt. Das Objekt zeugt nicht nur von fortgeschrittenem astronomischem Wissen, etwa vom Verständnis eines lunisolaren Kalenders und der Sonnenwenden, sondern spiegelt auch den Wunsch wider, dieses Wissen in wertvollen Materialien festzuhalten. Auch die Materialien selbst – Bronze und Gold – verweisen auf weitreichende Austauschnetzwerke: Das Gold stammt vermutlich aus Cornwall, während bestimmte Goldschmiedetechniken wahrscheinlich aus der Ägäis im Mittelmeerraum übernommen wurden.
Der Kupferschmied Herbert Bauer gab uns in seiner Werkstatt einmalige Einblicke in seine Untersuchungen zu den Metallbearbeitungstechniken der Himmelsscheibe und ermöglichte es uns, mit den entsprechenden Werkzeugen selbst einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Himmelsscheibe vor fast 4 Jahrtausenden hergestellt werden konnte.






Teil des Projekts war die Frage, welche Erkenntnisse sich gewinnen lassen, wenn wir Klassen unterschiedlicher Altersgruppen und Schulen zusammenführen. Für einen Vormittag hat Akis Goumas seinen Workshop mit Neuntklässlern (im Alter von 14–15 Jahren) der Kooperativen Gesamtschule “Wilhelm von Humboldt” aus Halle-Neustadt gemeinsam mit den Studierenden der BURG ausgerichtet.
Unser Ziel war es, das Bewusstsein für das Potenzial des Handwerks zu schärfen, Menschen durch den Prozess des Gestaltens zusammenzubringen, und darüber hinaus traditionelle handwerkliche Fertigkeiten an jüngere Generationen weiterzugeben.
Für einige der Schülerinnen und Schüler war es das erste Mal, dass sie mit Hammer und Metall arbeiten konnten. Für einige unserer Studierenden war es das erste Mal, dass sie sich ein Klassenzimmer mit viel jüngeren Schülerinnen und Schülern teilten. Für alle war es eine bereichernde Erfahrung!
Vielen Dank an die Lehrkräfte der KGS Humboldt und das museumspädagogische Team des Landesmuseums für Vorgeschichte für ihre großartige Unterstützung.
Wir möchten uns bei den vielen Menschen bedanken, die gemeinsam diesen Workshop ermöglicht haben:
Prof. Dr. Harald Meller, Dr. Bettina Stoll-Tucker, Dr. Christian-Heinrich Wunderlich, Alina Ettrich, den Pressesprechern sowie dem museumspädagogischen Team des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle;
Prof. Bettina Erzgräber, Rektorin der BURG; den Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Kunst; Agnes Wrobel und Carina Steinhäuser, den Verwaltungsmitarbeiterinnen sowie Brigitte Beiling und Heidi Ballhausen, den Pressesprecherinnen der Kunsthochschule;
Karoline Peisker, Frau Reinecker und Frau Alsen-Henk, Lehrerinnen an der KGS “Wilhelm von Humboldt”;
Herbert Bauer, Kupferschmied; Ella Hartung, Fotografin; Natalia Kukina, Grafikdesignerin; Sarah Schuschkleb; Dr. Renate Luckner-Bien.
Und natürlich Akis Goumas für eine wundervolle Woche!


















4. bis 8. Mai 2026