„BRAUCHST DU MEHR?“

„BRAUCHST DU MEHR?“
Fukurokuju – Ein rituelles Trinkgefäß Ensemble 

Von Julia Meierbeck

Nach einer anstrengenden und kalten, winterlich werdenden Woche setzen wir uns zu zweit gemütlich an den Couchtisch. Mein Gast findet entspannt seinen Lieblingsplatz, ob auf der Couch oder dem Teppich. Kerzen flackern sanft, Sandelholzduft erfüllt den Raum – eine stille Ruhe breitet sich aus. Ich öffne das Gespräch, während ich in der Küche eine wärmende Goldene Milch vorbereite: Mandelmilch mit frisch geriebenem Kurkuma und Ingwer, verfeinert mit Pfeffer, Zimt, Muskat, Kokosöl und Honig. Jede Bewegung geschieht achtsam, jede Zutat ein Akt der Fürsorge. Die Milch fließt in eine bauchige kobaltblaue Karaffe, begleitet von einer kleinen und großen hellblauen Tasse auf einem blau schimmernden Ahornholztablett – wie ein Nistpüppchen, jedes Gefäß mit eigenem Namen. Vorsichtig trage ich das Set zum Tisch, umschmiege die Karaffe Fuku (Glück) und schenke in Rokku (Wohlstand). Für mich gieße ich in Ju (Langes Leben). Wir stoßen an, das goldene Elixier reflektiert das Kerzenlicht, jeder Schluck wird zum rituellen Moment der Nähe, Wärme und Zuneigung. Leise, kostbar und bewusst dehnt sich dieser Augenblick aus – ein Zeichen von Gastfreundschaft, Vertrauen und Intimität, das in der Stille mitschwingt, inspiriert von der japanischen Teeservice-Tradition Omotenashi, bei der jede Handlung Achtsamkeit und respektvolle Aufmerksamkeit für den Gast ausdrückt.