Modulbereich EK
Komplexes Gestalten, Projekt
SoSe 2026
NEO Craft
Ist das wertvoll oder kann das weg?
Reality Check
Im Sommersemester 2026 gründet sich im PKG Studio im Saalewürfel das Entwurfskollektiv NEO Craft. Das Semesterprojekt untersucht die Bedeutung und Zukunft zeitgenössischen Handwerks und manufaktureller Produktion im Spannungsfeld von kulturellem Erbe, gestalterischer Praxis und ökonomischer Realität.
Wie können zeitgenössisches Handwerk und manufakturelle Produktion in diesem Spannungsfeld neu gedacht, gestaltet und vermittelt werden – und wie verändert sich dabei der Wert von Keramik und Glas zwischen Unikat, Kleinserie und Massenproduktion in einer postindustriellen Handwerkspraxis?
Vor diesem Hintergrund fragt NEO Craft, ob und wie (Hand)made in Germany heute neu – also „NEO“ – erzählt, konzipiert und positioniert werden muss und welche Rolle Gestalter*innen dabei einnehmen.
Diese Fragestellungen bilden den theoretischen (diskursiven) Rahmen des Projekts. Auf der Suche nach einer eigenen Haltung werden Einblicke in unterschiedliche Bereiche des Designmarkts gewonnen: durch Gespräche mit Akteur*innen aus Produktion, Handel, Vertrieb und Kommunikation sowie durch Exkursionen und gezielte Inputs. Themen wie Produzierbarkeit, Produktentwicklung, serielle Fertigung, lokale Produktionsnetzwerke in Deutschland sowie die Vermittlung von Qualität, Wert und Preis an Käuferinnen stehen dabei im Fokus.
Der Entwurfsprozess ist dabei bewusst anders angelegt als in anderen Semesterprojekten: NEO Craft konzentriert sich weniger auf die formale und konzeptionelle Neuentwicklung von Produktentwürfen als auf die Bedingungen, unter denen sie produziert, kommuniziert und vertrieben werden. Um diesen Aspekten ausreichend Raum zu geben, starten die Studierenden mit bereits bestehenden oder weiterzuentwickelnden Entwürfen in das Entwurfsprojekt NEO Craft. So bleibt Zeit, sich intensiv mit Themen wie Produktion, Kalkulation, Preisbildung, Vermarktung, Verpackung und Storytelling auseinanderzusetzen.
Bewusst wollen wir den Blick unserer gestalterischen Untersuchung vom handwerklichen Unikat weg auf die Möglichkeiten der seriellen Kleinproduktion lenken, die unseren beiden prototypischen Umsetzungstechniken immanent sind: Hier wird mittels Werkzeug im Schlickerguss oder durch Glasblasen seriell reproduziert.
Das Projekt- und Entwurfsziel ist die Entwicklung kleinserienfähiger Produkte inklusive Verpackung, Preislogik und Vermarktungskonzept. Die Umsetzung erfolgt je nach Fragestellung in Einzel- oder Gruppenarbeit.
Diese Schwerpunktsetzung spiegelt den späteren Berufsalltag von Designer*innen wider, der nur selten ausschließlich aus Entwurfsarbeit besteht. Gerade in Studios oder in der Selbstständigkeit rücken zahlreiche weitere Aufgaben in den Fokus: Produktentwicklung, Produktion, Projektmanagement, Marketing, Vertrieb sowie nicht zuletzt Kalkulation und Buchhaltung. NEO Craft versteht diese Aspekte nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil aktueller Gestaltungspraxis.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Wert“ – dem Wert von Material, handwerklichem Wissen, eigener Arbeitszeit sowie den ökonomischen und kommunikativen Mechanismen, die diesen Wert sichtbar oder unsichtbar machen.
Zu den entstandenen Produkten wird ergänzend in einer übergeordneten Gruppenarbeit ein gemeinsamer NEO Craft Shop konzipiert und entworfen. Dieser wird zum Semesterende im Rahmen der Jahresausstellung als Pop-up-Store realisiert und dient als räumlich-kuratorische Plattform, um die entwickelten Produkte zu präsentieren, ihre Vermittlung zu erproben und den Aspekt von Wert – materiell wie immateriell – sichtbar zu machen.
Die Projektstruktur kombiniert Inputs, Exkursionen sowie regelmäßige Feedbackschleifen in Plena und Konsultationen. Dadurch erhalten die Teilnehmenden einen intensiven Einblick in unterschiedliche Rollen und Arbeitsweisen innerhalb des Designfeldes und können eine eigene Position zwischen Gestaltung, Markt und Handwerk entwickeln.
NEO Craft bietet den Studierenden Raum, sich mit dem Berufsfeld von Designer*innen auseinanderzusetzen, die sowohl für Unternehmen und Designlabels arbeiten als auch eigenständig produzieren oder produzieren lassen – und dabei gestalterische, unternehmerische und kulturelle Verantwortung übernehmen.
Exkursionen
In Semesterwoche 3 werden wir die Mailänder Möbelmesse besuchen. Die Kosten tragen die Projektteilnehmer*innen selbst. Um die Exkursion zügig zu organisieren, gibt es bereits nach der Projektverteilung ein erstes Treffen.
Projektstruktur
# Input und Exkursionen
# Plenum und Konsultationen
Entwurfsziel und prototypische Umsetzung
# Einzel- oder Gruppenarbeit: Entwurf eines Produkts und Umsetzung in Kleinserie inklusive Verpackung
# Gruppenarbeit: Konzeption und Entwurf des NEO Craft Shops
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Im Fach „Komplexes Gestalten“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen mit den folgenden Lern- und Qualifikationszielen:
Bachelor:
Im Bachelor werden in dem Modul Komplexes Gestalten die verschiedenen in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Entwurfsstrategien zu entwickeln, die auf fundierten Konzepten basieren und einen experimentellen, konstruktiven und gestalterisch durchdachten Beitrag im Industriedesign leisten.
Master:
Im Master Komplexes Gestalten findet im Rahmen einer projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle Vertiefung statt. Hierfür werden künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierter Recherche weiterentwickelt. Der Output im Master ist umfangreich, komplex, stark durchdrungen in der Recherche und präzise in Kritik und Relevanz eines zeitgemäßen Beitrags zum Industriedesign.


















