Aktuelles

Neue Ansätze kritischer Geovisualisierung 2026

Vom 4. bis 6. Juni 2026 findet ein interdisziplinärer Workshop zwischen geographischer Forschung und forschender Gestaltung statt.

Karten und Geovisualisierungen sind wirkmächtige Vermittlungsinstanzen zwischen Räumen, Orten, Menschen und Dingen, die unsere Wahrnehmung und unseren alltäglichen Umgang mit unserer Umwelt beeinflussen. Ansätze des kritischen Kartierens analysieren und reflektieren diese Rolle und arbeiten heraus, wie Karten und Geovisualisierungen zu Instrumenten der Herstellung spezifischer sozialer Wirklichkeiten werden. Gleichzeitig entstehen alternative Ansätze und neue Formen geographischer Wissensproduktion, die unter Counter Mapping, Platial GIS, Place-based GIS und Spatial Humanities gefasst werden können. Damit geht eine produktionsseitige Öffnung oder gar Demokratisierung einher: Aktivist*innen, Gestalter*innen, Journalist*innen, Künstler*innen erstellen heute Karten und Geovisualisierungen, um neue Sichtbarkeiten, alternative Zugänge und gegenhegemoniale Weltbilder zu entwerfen. Häufig unterlaufen sie dabei tradierte Weisen geographischer Wissensproduktion und Weltbeschreibung, um etablierte Strategien der Weltaneignung herauszufordern und andere Darstellungsformen zu entwickeln. Ein solches „Kritisches Geovisualisieren“ kann daher als Versuch beschrieben werden, im Wissen um die soziale und politische Situiertheit der Produktion von Karten und Geovisualisierungen, reflexive geographische Praktiken zu entwickeln, in denen mit partizipativen, narrativen und digitalen Ansätzen sowie mit alternativen Formen der Wissensvermittlung experimentiert und gearbeitet wird.

Anschließend an die Workshops in den Jahren 2024 und 2025 versammeln wir unter dem Titel Neue Ansätze kritischer Geovisualisierung erneut unterschiedliche Perspektiven und Ansätze, die einerseits die Macht der Karten und Visualisierungen herausfordern und andererseits neue Formen geographischer Wissensproduktion entwerfen. Damit zielen wir darauf, Ansätze, Verfahren und Diskussionszusammenhänge ins Gespräch zu bringen, die bisher vielfach getrennt verhandelt werden.

Der Workshop findet vom 4. bis 6. Mai 2025 in Halle (Saale) statt und wird gemeinsam von Pablo Abend, Anna Unterstab (beide Burg Giebichenstein Kunsthochschule), Boris Michel, Nora Küttel (beide Universität Halle), Finn Dammann (FAU Erlangen Nürnberg), Lea Bauer und Francis Harvey (beide IfL) organisiert. Veranstaltungsorte ist der Campus Design der BURG Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 

Hier gehts zur Anmeldung!

 

 

Programm

Donnerstag

12:30 – 13:30 Gemeinsames Intro
Karolina Babette Kaiser: Mapping of interconnectedness (Social Knitting I)

13:30 – 15:30 Parallele Sessions

INFRASTRUKTUR

Atlas of the Cryophere – Boris Michel & Henning Francik
Strom Atlas – Florian Schimanski
The Path of the Hatted Poles. A cartographic story about buried pipes, inaccurate locations and abandoned dreams – Matteo Bettini
Globale Netzwerke, private Macht, partizipative Rückeroberung – Julian Peschel

Maps in/as Media

Sichtbarmachen (re-)präsentationaler Möglichkeiten in Nachrichtenkarten – Julie Deborah Fischer
Move with me – Alex Gekker
Karten als taktische Medien – Max Kanderske / Christoph Borbach
Critical News Deserts’ Cartography – Helena Atteneder / Mandy Tröger
Zur Kartographie des komplexen Erzählens in One-Shot-Filmen – Roman Mauer

15:30 – 16:00 Kaffeepause

16:00 – 18:00 Workshops

  • De-conflicting maps: Francis Harvey und Mela Žulević
  • Wie orientieren wir uns in der Stadt? Eine kritische Betrachtung von (noch viel zu oft) tradierten Wegen: Tania Mancheno und Svenja Bierwirth

Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)

 

Freitag

09:30 – 11:00 Parallele Sessions

Multimodale Kartographie 

Zwischen Anblick und Spur. Zur Widerständigkeit der „Kartographie“ von Sike – Mirka Dickel
It’s about time. Digital community maps painted using watercolours – Gregory Gan
Humussphärenreservat – Daniel Wolter

Mapping ecological crises 

Verwitterende Ränder. Kritische Kartierungen der Petroleumscape in Stavanger, Norwegen, in der Klimakrise – Sirrah Hamann
Zwischen Daten und Dialog. Geovisualisierung als Brücke in der klima-resilienten Raumplanung – Knoll / Meier / Karner / Majcen / Stöger /Sulzer / Zandler
Definitions of Deforestation in Remote Sensing based Deforestation Cartography – Sabine Schulz Blank

11:00 – 11:15 Pause

11:15 – 13:00/15:00 Parallele Sessions

More-than-human

Multi-Species-Mappings. Entangled Communities Berlin Ostbahnhof – Julia Köpper
More-than-Human Mapping – Janina Ebner / Nina Möllering
Die Müllhalde in Unordnung bringen – Maleen Paula Rüthers

Counter-mapping

Gestalterische & narrative Strategien kritischer Geovisualisierung – Ulrike Felsing
„Hic sunt vigiles“. Der ÜberwachtAtlas als kritische Geovisualisierung‚ gefährlicher Orte‘ & MWVZ – M. / A.
Critical exploration of the application of mental mapping in displacement research – Gambashidze / Boretski / Löwis
Vernacular Mapping as Symbolic Conflict in the Urban Environment – Veronika Sharova

13:00 – 14:30 Pause

14:30 – 16:30 Workshops

  • Choreograhpie. Notation und Produktion von Bewegung: Gerko Egert
  • Down to Earth: Rieke Lenz, Severin Halder und Katrin Singer

16:30 – 17:00 Pause

17:00 – 18:00
Karolina Babette Kaiser: Mapping of interconnectedness (Social Knitting II)

ab 18:00 Intercultural Kitchen, Ausstellung und Posterpräsentation

 

Samstag

09:30 – 11:00 Parallele Sessions

COUNTER-CARTOGRAPHY

Global history and positioning with Sinthia C. Batista, Paul Schweizer und Philippe Rekacewicz

IM FORM-DILEMMA

Gegen-Mappings gestalten Iz Paehr und Bianca Herlo

11:00 – 11:15 Pause

11:15 – 12:00 Abschlussdiskussion

 

Veranstaltungsort:
Campus Design,
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Neuwerk 7