Lehrangebot

SKYWAY

Thema Entwurfsprojekt SoSe 2026
VProf. Robert Laser, KM Jannis Block

SKYWAY

Reanimierung einer Brücke

Teilhabe und Nachbarschaft durch Öffentlichkeit 

Buntgarnwerke Plagwitz Leipzig

// AUFGABE 

Brücken schlagen, Brücken bauen, sich auf Brücken begegnen, unter der Brücke wohnen, überqueren, überbrücken, Brücken abreißen, Brücken sprengen …
Brücken verbinden und überwinden natürliche, topografische oder politische Barrieren wie Flüsse, Verkehrsachsen oder Nationalgrenzen. Sie sind gerichtet, zweidimensional und erzwingen damit Bündelung, Beschleunigung und Begegnung. Brücken erzeugen Ströme und kreuzen wiederum andere Ströme. Sie markieren Kreuzungen von Wegen, definieren Treffpunkte, wurden zu Märkten und letztlich oft zu Ausgangspunkten von Besiedlung. Brücken sind Bauwerke, die nicht nur verbinden, sondern auch einen Raum darunter sowie eine nach unten gerichtete Fassade ausbilden.

 

Die zunehmende Privatisierung urbaner Räume schafft in Städten nicht nur privates Eigentum und Sicherheit, sondern auch neue Grenzen im Stadtraum. Dadurch wird das Gefüge öffentlicher Räume aus Plätzen, Nischen und Wegen zunehmend verletzt. In den letzten 20 Jahren sind die räumlichen Potenziale – unsere Reserven für gesellschaftliche Transformation und Teilhabe – massiv geschrumpft. Zunehmend liegen diese im Privaten verborgen und sind demokratisch kaum noch greifbar.

Welche räumlichen Eingriffe in private Strukturen sind – statt Enteignung – noch möglich, um diese Wege für den Kulturraum zurückzugewinnen und das Private wieder mit dem Öffentlichen zu vernetzen? Welche Bedeutung hat das Teilen halböffentlicher Räume mit Nachbarschaft und Gästen für die Bewohner? Welche räumlichen Erfahrungen machen Gäste und Stadtnutzer beim Besuch privater Strukturen?

 

Im Projekt SKYWAY wird das Potenzial städtebaulich noch lesbarer, stillgelegter Wege innerhalb von Gated Communities untersucht. Mit welchen funktionalen und gestalterischen Eingriffen können diese Rudimente des Verkehrs wieder zu Brücken zwischen Öffentlichkeit und Privatheit werden? Ziel des Projekts ist es zu erkennen, welche Räume für Teilhabe bei der Entwicklung zukünftiger, z. B. genossenschaftlicher Wohnprojekte berücksichtigt werden müssen, um eine Durchdringung von privatem und öffentlichem Raum zu ermöglichen.

 

 

// STECKBRIEF BUNTGARNWERKE LEIPZIG

Die Buntgarnwerke in Leipzig-Plagwitz sind mit über 100.000 m² Deutschlands größtes Industriedenkmal und größtes zusammenhängende Industriegebiet der Gründerzeit in Europa. Die ehemalige Sächsische Wollgarnfabrik Tittel & Krüger gehört zu einem Komplex von drei großen Spinnereien an der Weißen Elster. Zur Jahrhundertwende waren hier rund 14.000 Menschen beschäftigt.

Ab 1990 wurde der Betrieb an allen drei Textilstandorten – Baumwollspinnerei, Kammgarnspinnerei und Buntgarnwerke – eingestellt. Nach der Privatisierung des Objekts durch die Treuhandgesellschaft im Jahr 1995 wurde der Gebäudekomplex als Expo-2000-Projekt durch die GRK-Holding in insgesamt 125 Eigentumswohnungen aufgeteilt und in unterschiedlicher architektonischer Qualität umgebaut. Gleisbrücken über den Fluss wurden abgerissen. Erhalten geblieben ist eines der meistfotografierten Objekte Leipzigs: eine zweigeschossige Förderbrücke, die heute nichts mehr miteinander verbindet.

 

// LEISTUNGEN

  • Analyse Bestand, Historie, Programm, Raster, Kulturlandschaft Plagwitz
  • Lageplan 1:200 mit Erschließungskonzept
  • Grundrisse 2 Ebenen, 1x Schnitte, Deckenspiegel, Bodenspiegel 1:50
  • Schaubild Innenraum o. M.
  • Axono- Isometrie als Schnittgrafik gesamt
  • Präsentation-Modell 1:50
  • Ausbaudetail 1:10
  • Kostenschätzung
  • Dokumentation

 

// MEILENSTEINE

  • Besuch Brücke Buntgarnwerk und Plagwitz
  • Exkursion vernetzte Stadt Kopenhagen
  • Besuch genossenschaftliches Wohnprojekt Leila eG Libero Architekten
  • GASTKRITIK Aline Hilscher
  • lange Tafel im Brückenloft mit Gästen des Hauses

 

Im Fach „Komplexes Gestalten/Entwurf“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen auf folgende Ziele hin:


BA IA
Im Entwurfsmodul werden die verschiedenen in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und beispielhaft an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf einem tragfähigen Konzept basieren und konstruktiv und gestalterisch einen eigenständigen Lösungsansatz formulieren.-

MA IA+FID
Im Master-Entwurfsmodul findet im Rahmen einer projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle fachliche Vertiefung statt. Hierfür wird das künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierten Bearbeitungsfeldern weiterentwickelt. Zusätzlich werden Kenntnisse beim Initiieren und Konzipieren von ambitionierten Entwurfsaufgaben erworben sowie Planungs- und Visualisierungsprozesse stufenweise ausgebaut.
Ziel ist es, eine fundierte Lösungsstrategie zu entwickeln und unter Anwendung von Methoden künstlerischer Forschung einen eigenständigen künstlerisch-gestalterischen Lösungsansatz zu generieren.